Tiroler Tageszeitung, Leitartikel, Ausgabe vom 10. August 2022. Von MANFRED MITTERWACHAUER. "Die große Millionen-Show". | Brandaktuell - Nachrichten aus allen Bereichen

Tiroler Tageszeitung, Leitartikel, Ausgabe vom 10. August 2022. Von MANFRED MITTERWACHAUER. „Die große Millionen-Show“.

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Innsbruck (OTS) – Tiwag-Aufsichtsratschef Anton Mattle will den Landesenergieversorger erneut melken. Der Anti-Teuerungs-Applaus ist dem VP-Spitzenkandidaten sicher, der Wahlkampfgeruch bleibt an dem Vorstoß haften. Doch Mattle ist in guter Gesellschaft.

Vom kategorischen Nein zum uneingeschränkten Ja dauerte es bei der Tiroler Volkspartei lediglich knappe zwölf Wochen: Noch im Mai hatte der scheidende Landeshauptmann und Eigentümervertreter Günther Platter eine Tiwag-Dividendenerhöhung ausgeschlossen. Teuerung hin, Inflation her. Gestern dann die Kehrtwende, VP-Spitzenkandidat und Tiwag-Aufsichtsratsvorsitzender Anton Mattle kündigte das erneute Melken des zu 100 Prozent im Eigentum des Landes stehenden Energieversorgers an. Koste es, was es wolle.
40 Millionen Euro will Mattle der Tiwag aus der Tasche ziehen, nachdem bereits im Juni 30 Millionen Euro an Tiwag-Dividende ins Landesbudget geflossen sind. Damit will Mattle, der praktischerweise auch noch die im Land eingerichtete Anti-Teuerungsgruppe leitet, beschlossene Entlastungspakete finanzieren. Das alles seien keine Wahlzuckerln, tönt es aus Mattles Umfeld. Sondern bitter notwendige Maßnahmen. Die Auswirkungen der Teuerung treffen längst nicht mehr nur Mindestsicherungsbezieher und Arbeitslose. Diese Welle droht jetzt auch den Mittelstand Österreichs hinwegzuspülen. Umso dringlicher ist es, endlich die Frage zu klären, wie die Übergewinne der Konzerne sinnvoll abgeschöpft bzw. besteuert werden könnten. Und wie selbiges Geld Existenzen zu sichern in der Lage ist.
Dass just Tiwag-Boss Erich Entstrasser Mattles Ansinnen einer Sonderdividende noch 2022 postwendend eine Abfuhr erteilt, ist aber nicht nur symptomatisch für das aktuell mangelhafte Timing der Schwarzen im Land. Es wirft auch berechtigte Fragen nach dem wahren Motiv auf. Wieso verkündet Mattle als Aufsichtsratschef diese Sonder-Dividende und nicht der eigentlich zuständige Tiwag-Eigentümervertreter Platter? Wieso wartet Mattle mit seiner Finanzierungsansage für das erst letzten Freitag präsentierte Anti-Teuerungspaket geschlagene fünf Tage? Das alles schreit nach einem plumpen Wahlkampfmanöver einer Liste-„MATTLE“-ÖVP, deren stärkste Antriebsfeder aktuell ist, die allseits prognostizierte schallende Wähler-Ohrfeige bei der Landtagswahl am 25. September doch noch abzuwenden.
Eine wankende VP ist eine Steilvorlage für die Opposition. Der von der FPÖ geforderte und von der Liste Fritz unterstützte Sonder-Landtag zur Teuerung wäre aber längst an der Zeit gewesen. Genauso wie jener 2020 zu Beginn der Corona-Krise. Sechs Wochen vor der Wahl braucht man indes kein Hellseher zu sein, um abschätzen zu können, wie solch ein Landtag ablaufen würde: Er wäre eine einzige große Millionen-Show. Ohne Maß und ohne Ziel.

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