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Die Landeshauptstädte und ihre Wärmeversorgung

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Wien (OTS) – Der Dachverband Erneuerbare Energie Österreich (EEÖ) hat schon mehrfach darauf hingewiesen, dass die [Bundesländer bei der Energiewende] (https://www.ots.at/redirect/energiewende1) säumig sind. Es gibt zwar nationale, österreichische Ziele, zu denen sich die Bundesregierung bekennt und verpflichtet hat und an denen sie auch arbeitet. Diese können aber vielfach nur in Zusammenarbeit mit den Bundesländern verwirklicht werden, weil viele rechtliche Kompetenzen zur Realisierung in deren Händen liegen.

Eine heute vorgestellte Studie von [Global2000]
(https://www.ots.at/redirect/global3) bestätigt jetzt, dass auch die
Landeshauptstädte teilweise noch weit davon entfernt sind, Klimaneutralität anzustreben, geschweige denn zu erreichen. In vielen Fällen – beispielsweise St. Pölten, Bregenz und Eisenstadt – fehlen sogar Pläne und Maßnahmen, um die Städte aus der Abhängigkeit von fossiler Energie zu befreien:

  • Das Auslaufprodukt Heizöl hat in Innsbruck und Klagenfurt noch einen Anteil von über 40% an der Wärmeversorgung.
  • Erdgas spielt noch eine bedeutende Rolle bei der Wärmeversorgung der Städte, insbesondere in Graz, Linz, Salzburg und Wien.
  • Auch die Fernwärme wird, so sie vorhanden ist, noch großteils mit fossilen Energieträgern produziert, namentlich aus Erdgas,
    obwohl es dafür zahlreiche Alternativen aus dem Bereich der Erneuerbaren gibt.
  • Die Elektro-Direktheizung spielt in vielen Städten noch eine prominente Rolle, obwohl sie eine sehr ineffiziente Methode darstellt, Wärme bereitzustellen.

Es mangelt aber nicht an Möglichkeiten, auch im urbanen Raum die drückende Abhängigkeit von fossilen Energieträgern zu sprengen und erneuerbare Energien einzusetzen.

Solarthermie

Roger Hackstock, Geschäftsführer des Verbandes Austria Solar, erinnert daran, dass Österreich jedes Jahr Erdgas im Wert von mehr als zwei Milliarden Euro importiert. Mehr als 80% davon kommen aus Russland, das die Erdgasversorgung als politisches Druckmittel einsetzt. „Wir müssen schon allein aus Sicherheitsgründen raus aus der fossilen Abhängigkeit“, betont er, werden wir doch aktuell deutlich daran erinnert, dass damit auch ein bedeutendes Versorgungsrisiko verbunden ist.

„Der Ausbau der Erneuerbaren muss jetzt oberste Priorität haben. Mit Solarenergie statt Erdgas machen wir uns nicht nur unabhängig, wir sparen bei den hohen Preisen für Fossile auch enorm viel Geld“, so Hackstock. Solarthermische Anlagen können sowohl auf Einzelgebäuden installiert werden als auch ganze Fernwärmesysteme unterstützen. Der Verband Austria Solar hat unter [www.solarwaerme.at] (http://www.solarwaerme.at) eine schnelle Solarinstallateur-Suche eingerichtet, um den Umstieg zu erleichtern.

Geothermie

Erdwärme wird derzeit nur vereinzelt genutzt, um Gasthermen durch die Kombination von Wärmepumpen und oberflächennaher Geothermie zu ersetzen. In jüngster Zeit konnten aber an einigen Beispielen erfolgreich demonstriert werden, dass man damit aus der fossilen Energieversorgung mit Erdgas aussteigen kann. Tiefer im Erdboden, betont Edith Haslinger von Geothermie Österreich, gebe es in Österreich vielerorts Vorkommen von Heißwasser, die erschlossen und für die Versorgung von Fernwärmesystemen genutzt werden könnten.

Bioenergie

Viele kleinere und mittelgroße Städte zeigen vor, dass Fernwärme auch aus gespeicherter Sonnenenergie in Form von Energieholz produziert werden kann: „Der biogene Anteil der Fernwärme hat sich seit 2005 verdreifacht, bereits etwa die Hälfte der Fernwärme stammt aus 2.400 Biomasse-Nahwärmeanlagen oder der Abwärme von 150 Holzkraftwerken“, erklärt Christoph Pfemeter, Geschäftsführer des Österreichischen Biomasse-Verbandes, und setzt fort: „Mit praxiserprobten Technologien wie der Biomasse-Kraft-Wärme-Kopplung, hocheffizienten emissionsarmen Großkesseln und Einzelfeuerungen können wir gemeinsam mit neuen Technologien wie Holz- und Biogas, auch umfassende Lösungen für den Ausstieg aus fossilem Erdöl und Erdgas anbieten.“

Pellets

„Für Häuserblocks und größere Gebäude im städtischen Bereich, die nicht an der Fernwärme hängen, eignen sich Pelletsheizungen – auch in Verbindung mit Wärmepumpen – zur Wärmeversorgung“, ergänzt Christian Rakos, Geschäftsführer von proPellets Austria. Die kleinen Presslinge aus Sägemehl und Hobelspänen werden inzwischen in fast 50 Anlagen in Österreich hergestellt, die Produktionskapazität wird aktuell deutlich erweitert.

Abwärme, Wärmepumpen

In vielen Städten gibt es große Potenziale von Abwärme, die direkt oder über Wärmepumpen genutzt werden könnten. Vielerorts liegen diese Potenziale weiterhin brach, das wird durch die Studie von Global2000 deutlich.

Kein erneuerbarer Energieträger wird es alleine schaffen, die Wärmeversorgung unserer Städte zur Gänze bereitzustellen. Alle Erneuerbaren zusammen haben aber das Potenzial, diese große Aufgabe zu lösen, wenn jeder seine Stärken und das jeweilige regionale Potenzial einbringt. Damit würde Österreich lebenswerter, die hohe Lebensqualität bliebe auch für die nächsten Generationen erhalten. Das gelingt nur, wenn unsere Energie zu 100% aus erneuerbaren Quellen kommt: Sonne, Wind, Wasser, Erdwärme und Biomasse in allen ihren Formen.

„Um den Umstieg zu schaffen, braucht es die rechtlichen Rahmenbedingungen im Bund und in den Ländern. Es braucht Tempo, Mut und Investitionen – und das Bewusstsein, dass die Energiewende auch eine Aufgabe für die Bundesländer und die Städte in Österreich ist“, schließt Christoph Wagner, Präsident des EEÖ.

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