TIROLER TAGESZEITUNG "Leitartikel" vom 25. Oktober 2021 von Peter Nindler "Kompatschers schwieriger Spagat" | Brandaktuell - Nachrichten aus allen Bereichen

TIROLER TAGESZEITUNG „Leitartikel“ vom 25. Oktober 2021 von Peter Nindler „Kompatschers schwieriger Spagat“

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Innsbruck (OTS) – In den nächsten Tagen wird Südtirols Landeshauptmann Arno Kompatscher bekannt geben, ob er 2023 wieder kandidiert. Damit ist zu rechnen. Aber viele Bananenschalen, auf denen er ausrutschen könnte, pflastern seinen politischen Weg.

Manchmal ist Südtirols Landeshauptmann Arno Kompatscher (SVP) wirklich nicht zu beneiden. Jüngst attestierte ihm sein Vorgänger Luis Durnwalder (80), zu wenig Herz zu haben. Weil der Landeshauptmann außer Dienst weiterhin viel Einfluss in Südtirol hat, schmerzt Kompatscher die aus einer persönlichen Verbitterung Durnwalders herausquellende Einschätzung. Aber nach dem tiefen politischen Fall von Österreichs Ex-Kanzler Sebastian Kurz konnte sich der seit 2014 amtierende Landeschef zumindest aus einer politischen Zange befreien:
Einerseits Luis Durnwalder und auf der anderen Seite der 36-jährige SVP-Parteiobmann Philipp Achammer, der zu den eingefleischten Kurzianern und türkisen Wegbereitern in Südtirol zählt, ließen nämlich in der Vergangenheit keine Gelegenheit aus, Kompatscher in Bedrängnis zu bringen. Nach dem Vorbild von Sebastian Kurz hat Achammer schon seit Jahren den Landeshauptmann-Sessel im Visier, jetzt dürfte der SVP-Chef vorsichtiger trapsen und Türkis vorerst einmal wegpusten. Am angespannten Verhältnis zwischen Kompatscher und Achammer wird das allerdings nicht viel ändern.
Bleibt der schwierige Spagat in der Transitpolitik. Hier bewegt sich Arno Kompatscher ebenfalls auf dünnem Eis, wenn er die ständige Protesthaltung der italienischen und Südtiroler Frächter kritisiert. Im Bundesland Tirol wird seine Haltung oft als zu defensiv getadelt, südlich des Brenners schafft er sich damit erneut Feinde. Schließlich stehen die Südtiroler Wirtschaft und die einflussreiche Handelskammer Bozen hinter den Frächtern. Und da legt sich Kompatscher mit dem mächtigen Handelskammerpräsidenten und ehemaligen Europaabgeordneten der SVP, Michl Ebner, an. Ebner spielt nach wie vor auch im Edelweiß (dem Symbol der Volkspartei in Südtirol) auf der politischen Klaviatur.
So trittfest der als integer und Politiker modernen Zuschnitts geltende Kompatscher nach außen hin agiert, viele Bananenschalen pflastern dennoch seinen Weg. Nicht zu vergessen der ständige Schützen-Donner, der auf ihn einprasselt, definiert sich doch der Südtiroler Schützenbund bewusst als (heimat-)politische Organisation. So gesehen ist das politische Parkett auch für Arno Kompatscher glatt. In den nächsten Tagen wird der 50-Jährige bekannt geben, ob er die SVP in zwei Jahren erneut in die Landtagswahlen führen wird. Alles andere als eine dritte Amtszeit Kompatschers wäre jedenfalls eine große Überraschung, mit einer Wiederkandidatur wird deshalb gerechnet. Schließlich ist der Landeshauptmann ein Garant für Stabilität in Südtirol und für die Autonomie.

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