Tag der Geschlechterforschung: Die unsichtbaren Heldinnen der Spionage | Brandaktuell - Nachrichten aus allen Bereichen

Tag der Geschlechterforschung: Die unsichtbaren Heldinnen der Spionage

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Sowohl Männer als auch Frauen wurden schon früh für geheimdienstliche Aufgaben eingesetzt. Das zeigen Forschungen des Ludwig Boltzmann Instituts für Kriegsfolgenforschung, das sich aktuell in Kooperation mit der Universität Graz unter anderem in einem FWF-Projekt mit den Aktivitäten von tschechoslowakischen Geheim- und Nachrichtendiensten beschäftigt. Anlässlich des Tages der Geschlechterforschung, der vom Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung (BMDWF) ins Leben gerufen wurde, holt die Ludwig Boltzmann Gesellschaft (LBG) die Spioninnen in der Forschung vor den Vorhang. 

Das Sammeln und Verarbeiten von Informationen

Die Kernaufgaben im Spionagegeschäft sind vor allem das Sammeln und Verarbeiten von Informationen. „Viele denken bei dem Wort Spion sofort an James Bond“, erklärt Mag. Dieter Bacher, Senior Researcher am Ludwig Boltzmann Institut für Kriegsfolgenforschung. Jedoch muss man hier vorsichtig sein. Zum einen deckt James Bond nur einen sehr kleinen Teil der nachrichtendienstlichen Arbeit ab – der sogenannten ‚Covert Actions‘ – also der verdeckten Operationen. Und zum anderen ist die eigentliche Spionage meist schon abgeschlossen, sobald der weltweit bekannte Agent zum Einsatz kommt. „Es wurden also bereits die relevanten Informationen gesammelt, die richtigen Personen identifiziert etc. Daher kann man James Bond nur bedingt als Spion betrachten – wobei wir in der Forschung mit dem Begriff Spion generell sehr vorsichtig umgehen. Wir sprechen hier vor allem von Informant:innen“, so Bacher. 

Geschlechterforschung: Honey Traps und Romeos

Sogenannte „Honey Traps“ sind Informantinnen, die ihr Aussehen benutzten, um an Männer und an Informationen heranzukommen. Wie etwa Mata Hari: Sie wurde vor allem in der Zeit vor und während des Ersten Weltkrieges als exotische Tänzerin und exzentrische Künstlerin berühmt und war vermutlich als Agentin des deutschen Nachrichtendienstes aktiv. Das männliche Pendant sind die „Romeos“ – diese wurden bspw. seitens der ehemaligen DDR eingesetzt, um über Sekretärinnen in Ministerien Westdeutschlands an Informationen zu kommen. 

Generell gibt es bis dato wenig offizielle Statistiken, auf die die Forschung zurückgreifen kann. „Wir sehen jedoch sehr wohl in Hinblick auf den Kalten Krieg, dass Frauen in sehr ähnlichen Bereichen wie Männer als Informant:innen aktiv waren“, so Dieter Bacher. „Natürlich gab es auch die ‚Honey Traps‘. Diese Vorgehensweise gab es zwar in der Praxis und gibt es auch noch heute, aber das war nur ein kleiner Teil.“ Unterschiede gibt es aber insbesondere in höheren Ebenen und bei bestimmten Aufgaben wie den sogenannten Covert Actions. Hier waren vor allem Männer im Einsatz. 

Die Geschlechterforschung in der Spionagegeschichte ist noch am Anfang, es gibt aber Bemühungen, über das stereotype Bild der Frau hinauszugehen. Das Ludwig Boltzmann Institut für Kriegsfolgenforschung sieht sich bspw. weibliche Biografien an, um zu verstehen, warum Frauen diese Arbeit aufgenommen haben, welche Tätigkeiten sie durchgeführt haben und wie sie diese umgesetzt haben.

Wandel der Wahrnehmung: Von Stereotypen zu differenziertem Verständnis

Früher wurde die Rolle von Spioninnen oft auf eine sexuelle Komponente reduziert. „Da hat man die Frau als die gesehen, die sich an den Mann heranmacht, um an seine Informationen zu kommen. Heute verstehen wir mithilfe der Forschung, dass Frauen in der Spionage jedoch vielfältige Aufgaben übernommen haben und ähnlich in ihren Funktionen aktiv waren wie Männer. Wobei – wenn ich mir aktuelle Filme oder Bücher zum Thema Spionage ansehe, fällt schon auf, dass dieses differenzierte Bild meines Erachtens noch nicht so richtig angekommen ist“, so der Kriegsfolgenforschungsexperte. 

Ziel der jüngsten Forschung ist es, ein differenzierteres Bild von Frauen in der Spionage zeichnen. „Frauen sind genauso vielseitig einsetzbar wie Männer. Es gibt spezifische Zugänge in bestimmten Bereichen, aber insgesamt müssen wir breiter denken und die Geschlechterforschung konsequent weiter vorantreiben“, so Dieter Bacher abschließend. 

Über die Ludwig Boltzmann Gesellschaft (LBG)

Die Ludwig Boltzmann Gesellschaft (LBG) ist eine außeruniversitäre Forschungs- und Forschungsförderorganisation. Die inhaltlichen Schwerpunkte liegen vor allem im Bereich Life Sciences, weitere Bereiche sind die Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften. Die LBG betreibt zusammen mit akademischen und anwendenden Partnern Ludwig Boltzmann Institute (LBI) und entwickelt und erprobt neue Formen der Zusammenarbeit zwischen der Wissenschaft und nicht-wissenschaftlichen Akteur:innen wie der Zivilgesellschaft, Unternehmen und dem öffentlichen Sektor. Mit dem Förderprogramm Klinische Forschungsgruppen (KFG) bietet die LBG Österreichs erste Förderschiene im Bereich der nicht-kommerziellen krankheits- und patientenorientierten (translationalen), konsortionalen klinischen Forschung. Teile der LBG sind das LBG Open Innovation in Science Center, das die Potenziale von Open Innovation für die Wissenschaft erschließt, und das LBG Career Center, das junge Forscher:innen bei der Erreichung ihrer individuellen Karriereziele inner- oder außerhalb der Wissenschaft unterstützt. https://lbg.ac.at

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