TIROLER TAGESZEITUNG „Leitartikel“ Ausgabe vom Montag, 16. Oktober 2023, von Manfred Mitterwachauer: „Flüchtiger roter Zauber“
Die SP ist angetreten, frischen Wind auf die Regierungsbank zu bringen. Mehr als ein laues Lüfterl hat LHStv. Georg Dornauer bis dato aber nicht erzeugt. Zwischen Ankündigung und Umsetzung klafft auch bei den Tiroler Roten eine allzu große Lücke.
Die schwarz-rote Landesregierung ist mit 25. Oktober ein Jahr im Amt. Die SPÖ hat die Grünen als Juniorpartner abgelöst und trat (erneut) an die Seite der VP, um das Land zu erneuern. Mitten in einer Zeit der multiplen Krisen. SP-Landeschef Georg Dornauer sieht sich voll auf Kurs. Dabei blickt er aber in den eigenen politischen Zerrspiegel.
Landeshauptmannstellvertreter – Georg Dornauer wähnte sich vor einem Jahr nicht am Beginn, eher am Ziel seiner bisherigen Träume. Mit aller Gewalt wollte der Sellrainer SP-Shootingstar die SPÖ, mehr aber noch sich selbst auf der Regierungsbank sitzen sehen. Dornauer wirbelt seither durch das Land. Sein Sportressort dient ihm dabei als willkommene Bühne. Ob am Dorf-Fußballplatz, beim Tennis-Turnier in Kitz oder am Zeltfest mit der Ziachorgel – sein hemdsärmeliger und leutseliger Charme zieht beim Wahlvolk.
Inhaltlich geht Dornauer in den Niederungen des politischen Alltagsgeschäfts indes bereits da und dort der Schmäh aus. Mit großen Ansagen ist der Regierungsmann Dornauer so schnell wie einst als Oppositionschef. Vor allem wenn es darum geht, die Baustellen seiner Vorgänger befrieden zu wollen. Die Realität holt seine Versprechen jedoch recht schnell auf den Boden der Tatsachen zurück.
An seinen für Dezember ausgerufenen MCI-Spatenstich glaubt wohl nur noch Dornauer selbst. Das Paket zur Rettung Seefelds aus dem WM-Finanzförder-Wirbel mit dem Bund ist vorerst wie ein Kartenhaus in sich zusammengefallen. Die im Dezember 2022 vom Landtag beschlossene Bäderstudie war Dornauer so wichtig, dass er sie erst vergangene Woche in Auftrag gegeben hat. Beim Wohnen, das auch ihm obliegt, kam Dornauer bis dato über finanzielle Schmerzpflaster gegen die anhaltende Wohnkostenexplosion nicht hinaus. Das Grundproblem bleibt ungelöst. Und was die gestiegene Unterbringungsquote in Tirol betrifft, spielt dem Asyl-Landesrat auch die rückläufige Asyl-Antragstellung in Österreich in die Karten. Den roten Scharfmacher Richtung Wien mimt er dennoch.
Auch das Team hinter Dornauer kann sein Potenzial nur mäßig abrufen. Soziallandesrätin Eva Pawlatas Polit-Erfolge sind überschaubar. Die Quereinsteigerin verdribbelt sich allzu oft im Klein-Klein und scheint ihre Rolle immer noch zu suchen. Klare Kante ist nicht ihr Ding: Stichwort Abtreibung und Kanzler-Burger-Gate. Auch Klubobfrau Elisabeth Fleischanderl bleibt farblos. Einzig Verkehrslandesrat René Zumtobel punktet von Fall zu Fall.
„Wir müssen jetzt liefern“, gab sich Dornauer jüngst selbstkritisch. Und meinte damit die Gesamtperformance der Koalition. Vielleicht auch die SP und sich selbst. Selbsterkenntnis war schon immer der erste Schritt zur Besserung.
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