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Die Energiezukunft, ein gutes Geschäft?

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Cash Flow, neue Formen der Bürger:innen-Beteiligung, mehr Plan oder reine Marktmechanismen: Die Frage wie der Umbau des Energiesystems finanziert werden kann, stand vergangenen Montag im Zentrum des Trendforums von Oesterreichs Energie – die E-Wirtschaft geht davon aus, dass dafür bis 2030 allein im Stromsystem Investitionen im Umfang von mindestens 60 Milliarden Euro erforderlich sind.

Der Umbau des Energiesystems wird etwas kosten – in diesem Punkt waren sich die Podiumsteilnehmer:innen beim Oesterreichs Energie Trendforum am 2. Oktober einig. Die Herausforderungen der Finanzierung seien gewaltig, so der Tenor. Für das Gelingen dieses Projekts brauche es neben den erforderlichen Mitteln aber vor allem einen Schulterschluss von Unternehmen, Politik und Bevölkerung.

In der Einleitung skizzierte Barbara Schmidt, Generalsekretärin Oesterreichs Energie, die Situation, in der sich die Energiewirtschaft derzeit befindet: Der weitere Ausbau des Energiesystems in Österreich muss finanziert werden. Doch woher soll das Geld dafür kommen? „Die E-Wirtschaft wird bis 2030 rund 60 Milliarden Euro investieren. Dafür brauchen wir Partner und stabile Rahmenbedingungen, die wir nicht müde werden einzufordern“, erklärte Schmidt.

Cash is King

Für Dieter Hengl, Vorstand Corporates in der UniCredit Bank Austria, ist der alles entscheidende Faktor jeder Investition der Cash Flow: „Ohne Cash Flow investiert niemand – das gilt für die Energiewende ebenso, wie für andere Branchen, trotz der Wichtigkeit des Themas.“ Gerade bei volatilen erneuerbaren Energien ortet Hengl ein Problem in der Darstellung dieses Cash Flows. Auch die langen Laufzeiten würden Investoren vor gewisse Herausforderungen stellen. Wer Kapital anziehen wolle, müsse Investoren Planungssicherheit und Rendite bieten. Ebenso attraktiv müssten die Unternehmen für Mitarbeitende werden, meint Hengl zum Stichwort Fachkräftemangel. Als zentrale Erfolgskriterien nannte der Bank Austria Vorstand neben Planungs- und Versorgungssicherheit auch wettbewerbsfähige Preise für österreichische und europäische Unternehmen.

E-Wirtschaft fordert integrierten Plan

Michael Strugl, Präsident von Oesterreichs Energie, forderte von der Politik einen integrierten Plan für den Umbau des Energiesystems, der Erzeugung, Netze und Speicher gleichermaßen beinhalte. Er sieht in Richtung Finanzierung die Notwendigkeit eines gesunden Mixes: Equity-Finanzierung seien ebenso erforderlich wie öffentliche Investments. Jede Investition müsse aber attraktiv sein und Rechts- und Planungssicherheit bieten. Für das Gelingen des Projekts Energiezukunft forderte Strugl einen Schulterschluss von Unternehmen, Politik und Bevölkerung. Strugl: „Vor allem braucht es eine höhere Schlagzahl und mehr Tempo!“

Daten- und Stromnetze als Enabler

Christian Helmenstein, Chefökonom der österreichischen Industriellenvereinigung (IV), sieht die E-Wirtschaft als einen wichtigen Hebel für das Wirtschaftswachstum und eine prosperierende Gesellschaft, Daten- und Stromnetze spielten in diesem Zusammenhang eine wichtige Rolle als „Enabler“. Eine aktuelle Harvard Studie belege, dass neben Human- und Sachkapital der Energieeinsatz ein wichtiger Motor für die Volkswirtschaften sei. Die Herausforderung: Strom müsse ökologisch kompatibel hergestellt werden. Er plädiert neben der reinen finanzwirtschaftlichen Betrachtung auch für einen Blick auf den „ökonomischen Fußabdruck“ von Investitionen in den Energiebereich.

3 Prozent Wirtschaftsleistung für Energieimporte

Österreich würde bis zu 2,5 Prozent des BIP in ausländische Energielieferungen investieren. Im Vorjahr hätte Österreich im Zuge der Energiekrise fünf Prozent seiner Wirtschaftsleistung für den Import fossiler Energieträger aufgewendet. Heuer gehe dieser Wert auf drei Prozent zurück – in absoluten Zahlen wendet Österreich aber im laufenden Jahr immer noch 9 Milliarden Euro für Energieimporte auf. Für eine Stärkung der österreichischen Erzeugung brauche es mehr Investitionen. Helmenstein ortet aber nicht die Finanzierung als den größten „Verknappungsfaktor“, sondern vielmehr die überlangen Verfahrensdauern, überbordende Bürokratisierung und die ökologischen Zielkonflikte.

Energieversorgung als soziale Frage

Helene Schuberth, Chefökonomin des ÖGB, fokussiert auf zwei weitere wesentliche Punkte: zum einen darf nicht auf sozioökonomische Aspekte vergessen werden, dazu müssen die Menschen abgeholt und mitgenommen werden: „Energieversorgung ist, wie Wasser, immer noch Teil der Daseinsvorsorge. Nur gemeinsam mit den Sozialpartnern und einer partizipativen Planung kann die Transformation hin zur Energiewende gelingen.“ Der zweite wichtige Aspekt, den Schuberth hervorstreicht ist, dass die Energiezukunft nicht nur geplant, sondern auch in einer industrie-, sozial- und arbeitsmarktpolitischen Strategie verankert werden muss.

Renditen mit Impact

Angelika Delen, Global Head of Impact Investing, Mercer, sieht einen Richtungswechsel in der Bevölkerung: die nachfolgenden Generationen wollen sinnstiftend investieren – mit positiver Wirkung und Rendite. „Invest with impact“ wird immer ausschlaggebender – auch im Energiebereich: „Wer unternehmensinterne Prozesse optimiert und sowohl die Vorteile als auch die Herausforderungen von Beginn an am Schirm hat, kann auch gute Renditen erzielen.“ Beispielsweise müssen bei der Errichtung einer Windparkanlange neben der positiven Auswirkung auf die Klimabilanz auch Aspekte wie Umwelt, Mitarbeitende oder das Thema Sicherheit mitbetrachtet werden. Innovationen allein seien dafür nicht genug. 

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