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Mythos Pflegeausbildung

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„Mit der Akademisierung fährt der Bund die Pflege an die Wand“, „Ohne Matura kann man nicht mehr in die Pflege gehen“, „Die Akademisierung schreckt Personen, die sich für den Pflegeberuf interessieren, ab“. Das sind nur drei der Aussagen, die in den vergangenen Wochen durch die österreichische, speziell die oberösterreichische, Medienlandschaft geisterten – initiiert von Ärztekammer, Arbeiterkammer und Soziallandesrat Wolfgang Hattmannsdorfer.

Der ÖGKV (Österreichischer Gesundheits- und Krankenpflegeverband) setzt nun der Panikmache der vergangenen Wochen Fakten entgegen. „Das Ausbildungsthema ist nicht das große Problem“, sagt ÖGKV Präsidentin Elisabeth Potzmann. Warum die Menschen nicht im Pflegeberuf bleiben wollen, wurde durch die Gferer & Gferer Studie „GuK-C19-Studie“ (nachzulesen auf www.oegkv.at ) erhoben. Seit 2016 gibt es neben dem Gehobenen Dienst (DGKP) und der Pflegeassistenz (PA) mit der Pflegefachassistenz (PFA) einen zusätzlichen Pflegeberuf. Diese neuen Ausbildungswege müssen im System ankommen dürfen. Es ist wenig hilfreich, wenn dieser Prozess durch wiederholte Änderungen behindert wird. Bezüglich einer völligen Überführung der Ausbildung zum Gehobenen Dienst an die Fachhochschule läuft eine Evaluierung. Diese ist abzuwarten. Potzmann: „Ich bitte aus Respekt gegenüber der professionellen Pflege von Querschüssen aus anderen Berufsgruppen Abstand zu nehmen.“ Den Pflegenotstand jetzt der Ausbildung, und hier im speziellen der Akademisierung, zuzuschreiben sei ein Versuch über Versäumnisse hinwegzutäuschen.

Durchlässigkeit gegeben

Ein Kritikpunkt am aktuellen Ausbildungssystem ist die hartnäckige Behauptung, dass den Pflegeassistenzberufen die Möglichkeit zur Weiterentwicklung verwehrt werde. Das Gegenteil ist der Fall, denn das Fachhochschulgesetz hat die Förderung der Durchlässigkeit des Bildungssystems dezidiert zum Ziel erklärt. „Derzeit können Angehörige der Pflegeassistenzberufe eine Studienberechtigungsprüfung, Pflegefachassistenten auch eine Berufsreifeprüfung ablegen oder durch Nachweis einschlägiger beruflicher Qualifikationen mit Zusatzprüfungen in Deutsch und Englisch zum Bachelorstudium für Gesundheits- und Krankenpflege zugelassen werden. Mit der Einführung von mittleren und höheren berufsbildenden Schulen für Pflege werden nun weitere Zugangsmöglichkeiten zu den Pflegeberufen und Durchlässigkeit zum Bachelorstudium der Gesundheits- und Krankenpflege geschaffen“, führt Thomas Pixner, Rechtswissenschaftler an der Universität Innsbruck aus. Abgangsbefragungen an Fachhochschulen (z.B. FH Salzburg) haben ergeben, dass über 95% der Absolvent:innen in die Pflegepraxis gehen, also am Bett arbeiten. In der SALK (Landeskliniken Salzburg) machen Akademiker:innen bereits 12 % des Pflegepersonals aus. Gerade in der Pflege wird niemand ausgeschlossen. Jene, die keine Matura haben, haben die Chance innerhalb von zwei Jahren die Ausbildung zur Pflegefachassistenz zu machen und in weiteren zwei Jahren den Bachelor abzuschließen.

Dass man sich in Österreich Sorgen um die gesundheitliche Versorgung der Bevölkerung macht, ist aber berechtigt. „Der demographische Wandel und die damit einhergehenden Herausforderungen sind seit Jahrzehnten bekannt und der daraus resultierende Personalmangel hat nichts mit der akademischen Ausbildung des gehobenen Dienstes in der Gesundheits- und Krankenpflege zu tun. Eher sind es die jahrzehntelangen Versäumnisse in der österreichischen Gesundheitspolitik, die uns in die heutige Situation gebracht haben“, sagt Wolfgang Kutter, Landesvorsitzender ÖGKV Oberösterreich. Vergleicht man Pflegefachberufe international, so ist es in den EU- und OECD-Ländern bereits seit Jahrzehnten Realität, dass der gehobene Dienst ausnahmslos an Fachhochschulen oder Universitäten ausgebildet wird. „Das hat auch seine guten Gründe, denn wir stehen in der Versorgung von chronisch kranken Menschen vor große Herausforderungen. Dieser Anteil in der Bevölkerung nimmt in der Anzahl und Behandlungskomplexität zu. Um diese Menschen optimal versorgen zu können, braucht es hochschulische Grundausbildungen in den Gesundheitsberufen“, so Kuttner. Es braucht den Ausbau der interprofessionellen Zusammenarbeit der Gesundheitsberufe und unsere Gesellschaft wird von einem akademisch ausgebildeten Pflegepersonal des gehobenen Dienstes profitieren. Klar erkennbar ist dies zum Beispiel schon seit langem in Skandinavien und von dort wissen wir, dass die gute Gesundheitsversorgung von der Bevölkerung laut European Health Consumer Index mit einem hohen Vertrauenszuschuss goutiert wird.

Der ÖGKV fordert die Entscheidungsträger:innen aus Politik und Ärzte- sowie Arbeiterkammer auf, sich mit uns konstruktiv zusammenzusetzen und gemeinsam Lösungen für die Gesundheitsversorgung der Bevölkerung Österreichs zu suchen.

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