37. Wiener Gemeinderat (2)
Wien (OTS/RK) – Gemeinderatsvorsitzender Mag. Thomas Reindl (SPÖ) sagte in seiner Rede, dass es von Dr. Michael Häupl (SPÖ) immer ein klares Bekenntnis zu Europa gegeben habe. Häupl habe die Außenbeziehungen der Stadt ausgebaut, den UNO-Standort Wien gestärkt und das Wien-Haus in Brüssel gegründet. Als zweiten Schwerpunkt nannte er Kultur, Wissenschaft und Forschung. Häupl habe nicht nur große Projekte wie das Wien Museum forciert, sondern auch die freie Szene und die Jugendkultur. Zudem sei Wien eine der größten Universitätsstädte Europas. Der Bürgermeister sah Wien stets als „Gesamtkunstwerk Stadt“. Wohnbedürfnisse der Menschen, Sicherheit der Menschen, Freizeit und Qualifikation der ArbeitnehmerInnen seien für den Wirtschaftsstandort wichtig. Er habe für den bedingungslosen Einsatz sozialdemokratischer Werte und für „seine Liebe zu Wien“ gekämpft. Abschließend dankte er auch Häupls Team: „Seite an Seite habt ihr Wien weitergebracht.“
GRin Mag.a Beate Meinl-Reisinger, MES (NEOS)sprach dem scheidenden Bürgermeister Häupl ihren Respekt aus, es sei „viel Gutes passiert in den letzten 24 Jahren“. Dennoch hätte sie sich ein „Mehr an Miteinander in diesem Haus“ gewünscht. Als Beispiel nannte sie die Bildung: „Jedes Kind soll auf dem Bildungsweg mitgenommen werden.“ Wien sei „sauber, lebenswert und sicher“, das sei als Stadt eine enorme Qualifikation, es würde sie jedoch mehr freuen, wenn die Schulden der Stadt geringer wären. Auch das Prinzip, „die Stadt“ gleichzusetzen mit „der SPÖ“, sei nicht mehr „auf der Höhe der Zeit“. Sie selbst habe Häupl als „scharfsinnigen und intellektuellen Menschen“ kennengelernt, der sich am Ende der Arbeitswoche „in den Spiegel schauen“ könne. Außerdem verbinde der Kampf gegen Nationalismus und Rechtspopulismus sowie die Sorge um die Demokratie. Und abschließend: „Ja, Sie werden mir fehlen.“
GR Mag. Manfred Juraczka (ÖVP) war der Meinung, dass eine „harte, humorlose Abrechnung kindisch, unhöflich und einseitig“ wäre. Denn bei „allen Unterschieden“ sei es „kein Zufall, 24 Jahre an der Spitze“ der Stadtregierung zu stehen. Juraczka erinnerte, dass im Jahr 1983, als Häupl als Mandatar in den Gemeinderat gewählt wurde, gerade Bruno Kreisky die politische Bühne verließ. Später, 1994, als Häupl Bürgermeister wurde, sei der Rennfahrer Ayrton Senna verunglückt und die österreichische Bevölkerung habe mit Zweidrittelmehrheit für den EU-Beitritt gestimmt. Als Abschiedsgeschenk gab es von der ÖVP ein „Kochbuch des Sozialismus“, und: Häupl sei als geborener Niederösterreicher zum „Inbegriff des echten Wieners“ geworden.
GR Mag. Christoph Chorherr (Grüne) betonte, dass es bei Häupls Antritt als Bürgermeister „weder Google noch Facebook, weder die U2 noch die Seestadt“ gab. Als wesentliche Charakterzüge nannte er Häupls „Vielgesichtigkeit“, seine Stärke Verbinder unterschiedlicher Milieus zu sein und seine Versöhnlichkeit. Humorvoll und selbstironisch sei er außerdem. Die Grünen würden ihm besonders „seinen Mut zu Innovation im richtigen Moment“ anrechnen – damit gemeint war die Bildung der ersten rot-grünen Koalition im Jahr 2010. „Es war eine gute Zeit mit dir“, bedankte sich Chorherr.
GR Anton Mahdalik (FPÖ) begann sehr launig und hoffte, dass sich für Häupl auch in Zukunft „viele Spritzweine“ ausgehen werden. Mahdalik sagte weiters, dass sich in der Stadt viel verändert habe, „viel positiv, aber auch negativ“. Menschen würden sich in ihrer Wohnumgebung nicht mehr sicher fühlen, „Parallelgesellschaften sind ein Fakt“. Hier bedürfe es eines Paradigmenwechsels, er hoffte dabei auf den künftigen Bürgermeister Dr. Michael Ludwig (SPÖ). Mahdalik war auch der Meinung, dass „jeder Mandatar hier nur ein Ansinnen“ habe: „unsere Stadt besser zu machen“, nur die Zugänge seien „unterschiedlich“. Bei FPÖ-Kritik seien „immer nur politische Taten“ gemeint, nie die Person. Er wünschte Häupl abschließend „ein langes Leben und Gesundheit“.
(Forts.) hie
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