Lebensmittelhilfe am Limit: Die Tafel Österreich zieht Bilanz 2025
Mehr als 85.000 armutsbetroffene Menschen hat Die Tafel Österreich im letzten Jahr mit rund 1.500 Tonnen geretteten Lebensmitteln versorgt. Es könnten noch deutlich mehr sein – doch während die Nachfrage weiter massiv steigt, bremsen wachsende Komplexität, Aufwand und Kosten die notwendige Ausweitung der kostenfreien Lebensmittelhilfe.
1.522.000 kg genussfähige Lebensmittel hat Die Tafel Österreich 2025 vor der Entsorgung bewahrt und damit kostenfrei über 85.000 armutsbetroffene Menschen – mehr als 20 % davon Kinder und Jugendliche – in rund 170 Sozialeinrichtungen österreichweit versorgt. Eindrucksvolle Zahlen, doch in Anbetracht von 1,5 Mio. Menschen in diesem Land, die von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht sind, und rund einer Million Tonnen Lebensmitteln, die jährlich im Müll landen, gibt es für die karitative Lebensmittelrettung noch viel Luft nach oben.
Vor allem angesichts der stetig wachsenden Nachfrage: In einer jährlich von der Tafel Österreich durchgeführten Umfrage geben über 50 % der belieferten sozialen Einrichtungen an, dass ihr Bedarf gegenüber dem Vorjahr gestiegen ist. Der durchschnittliche Anstieg betrug fast 40 % im Vergleich zu 2024. Mehr als drei Viertel (79 %) aller sozialen Einrichtungen gaben an, dass durch die Lieferungen der Tafel Österreich ein positives Beratungs- und Betreuungsumfeld geschaffen wird; 72 % bestätigen, dass die Warenspenden einen regelmäßigeren Kontakt der Sozialarbeiter:innen mit ihren Klient:innen ermöglichen. Und fast zwei Drittel (64 %) aller Sozialeinrichtungen bestätigen die gesundheitsfördernde Wirkung des Warenangebots der Tafel Österreich.
Die Zahlen untermauern: Die kostenfreie Lebensmittelhilfe der Tafel Österreich wird mehr denn je gebraucht. Doch das zuletzt massive Wachstum der Sozialspedition durch Skalierung des internationalen Tafel-Modells auf alle Bundesländer (+114 % versorgte Personen, +52 % gerettete Lebensmittel allein von 2023 auf 2024) wird durch immer schwierigere Rahmenbedingungen gebremst.
Alexandra Gruber, Geschäftsführerin Die Tafel Österreich: „Wir tun unser Möglichstes, um den – nicht zuletzt aufgrund der Teuerungen – stark gestiegenen Bedarf an kostenfreier Lebensmittelhilfe zu decken. Dank größter Anstrengungen unseres haupt- und ehrenamtlichen Teams konnten wir das Ergebnis 2025 stabil halten. Doch wir können gar nicht mehr alle Sozialeinrichtungen annehmen, die unsere Hilfe erbitten. Denn der höheren Nachfrage stehen auch höhere Kosten, Aufwand und eine deutlich schwieriger gewordene Spenden- und Förderlandschaft sowie sehr herausfordernde Rahmenbedingungen gegenüber. Lebensmittelrettung und -umverteilung sind heute nicht nur eine logistische Herausforderung, sondern ein hochkomplexer Prozess. Unsere Hürden jedoch sind oft sehr konkret – wie Hilfe bei der letzten Meile oder ein zusätzliches E-Kühlfahrzeug.“
Mit Innovation gegen Stagnation
Die Tafel Österreich setzt sich seit vielen Jahren auf politischer Ebene dafür ein, die Rahmenbedingungen für die karitative Lebensmittelhilfe zu verbessern und Ernährungsarmut in Österreich zu bekämpfen. So wurde im Jahr 2025 gemeinsam mit der Elite-Universität Harvard und dem europäischen Tafelnetzwerk FEBA (European Food Bank Federation) der Global Food Donation Policy Atlas nach Österreich geholt, der die fördernden und hemmenden Bedingungen der kostenfreien Lebensmittelhilfe nun auch bei uns (als erst drittem Land in Europa) analysiert. Ergebnisse werden für Mitte 2026 erwartet.
Trotz der schwierigen Umstände hat Die Tafel Österreich auch im letzten Jahr neue Wege beschritten, um gegen Ernährungsarmut und Lebensmittelverschwendung anzugehen. So konnten erstmals 300 Tonnen (+50 %) Obst- und Gemüse-Überschüsse aus der Landwirtschaft gerettet und österreichweit direkt an armutsbetroffene Menschen in sozialen Einrichtungen umverteilt werden. Ebenso wurden erfolgreich Pilotaktivitäten zur Fleischrettung aus Filialen des Lebensmitteleinzelhandels sowie die Weitergabe von bereits zubereiteten Speisen aus Betriebsküchen – beides komplexe Themen in der Lebensmittelweitergabe – getestet.
Als innovatives Tool erwies sich dabei die Anfang 2025 offiziell gelaunchte digitale Tafel-Drehscheibe, die Warenspender:innen und -empfänger:innen österreichweit noch schneller als bisher miteinander vernetzt und ein umfassendes Tracking aller Warenströme garantiert. Unter anderem dafür wurde Die Tafel Österreich als Sozialspedition 2025 mit dem „Pacemaker Award“ des thinkport VIENNA im Rahmen des Forums Green Logistics ausgezeichnet.
Bewusstseinsbildung macht Schule
Die gemeinsam mit der BOKU entwickelte Wanderausstellung „GewissensBISS“ gegen Lebensmittelverschwendung konnte im Jahr 2025 in Form einer zweiten Ausstellung erfolgreich auf ganz Österreich ausgeweitet werden. Dadurch wurden alleine im letzten Jahr rund 10.000 Besucher:innen – mehr als drei Viertel davon Schüler:innen – erreicht. Über 60 % der Schüler:innen gaben an, dass sie aufgrund der Ausstellung etwas an ihrem Umgang mit Lebensmitteln verändern werden.
Zusätzlich zum Sensorik Labor hat Die Tafel Österreich damit ein Angebot in der Bewusstseinsbildung geschaffen, das auf fruchtbaren Boden fällt und über Kinder und Jugendliche als Multiplikator:innen viele Haushalte erreicht.
Die Tafel Österreich 2025 in Zahlen:
- 85.000 armutsbetroffene Menschen versorgt
- 170 kooperierende Sozialeinrichtungen in allen Bundesländern
- 1.522 Tonnen Lebensmittel gerettet
- 260 Warenspender:innen
- 342 ehrenamtliche Mitarbeiter:innen
- 19.959 geleistete Ehrenamtsstunden
Weiteres Bildmaterial erhalten Sie unter tafel-oesterreich.at/presse oder auf Anfrage.
Über Die Tafel Österreich
Die Tafel Österreich versorgt seit 1999 armutsbetroffene Menschen durch soziale Einrichtungen kostenfrei mit geretteten Lebensmitteln. So haben sie eine essenzielle Sorge weniger und können mit professioneller Hilfe Wege aus der Not finden. Allein 2025 konnten über 1.500 Tonnen gerettete Lebensmittel an mehr als 85.000 Menschen in ganz Österreich weitergegeben werden. Die Non-Profit-Organisation ist überwiegend spendenfinanziert und auf Geld-, Zeit- und Warenspenden angewiesen. Mehr Infos unter tafel-oesterreich.at.
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