Neues ÖIF-Factsheet zu ukrainischen Vertriebenen: Vertriebene kommen beim Deutschlernen gut voran
In Österreich leben derzeit über 94.000 Ukrainer/innen – sechsmal so viele wie vor Beginn des russischen Angriffskrieges im Jahr 2022. Wie sich ihre Lebenssituation, Erwerbsbeteiligung, Deutschkenntnisse und Zukunftspläne entwickeln, zeigt das neue Factsheet „Ukrainische Bevölkerung in Österreich 2026“ des Österreichischen Integrationsfonds (ÖIF). Das ÖIF-Factsheet steht ab sofort auf der ÖIF-Website zum Download zur Verfügung.
Franz Wolf, Direktor des Österreichischen Integrationsfonds: „Ukrainische Vertriebene lernen häufig, rasch und mit großem Engagement Deutsch. Sie nutzen die Angebote des ÖIF intensiv und erreichen überdurchschnittlich oft hohe Sprachniveaus. Viele haben sich in kurzer Zeit solide bis sehr gute Deutschkenntnisse erarbeitet. Diese sprachlichen Fortschritte sind ein zentraler Schlüssel für Integration, gesellschaftliche Mitwirkung und eine erfolgreiche Entwicklung in der Arbeit sowie eine Perspektive in Österreich.“
Ukrainische Bevölkerung versechsfacht – deutlich jünger und überwiegend weiblich
Seit 2022 hat sich die Zahl der in Österreich lebenden ukrainischen Staatsangehörigen deutlich erhöht: Waren es mit 1. Jänner 2022 noch rund 12.700 Personen, lebten mit 1. Jänner 2026 bereits über 94.000 Ukrainer/innen in Österreich. Die Bevölkerungsstruktur unterscheidet sich dabei deutlich von jener der Gesamtbevölkerung: Rund 61 Prozent der ukrainischen Bevölkerung in Österreich sind Frauen, 39 Prozent Männer (Gesamtbevölkerung: 51 % Frauen und 49 % Männer). Hintergrund ist das in der Ukraine geltende Kriegsrecht, das die Ausreise von Männern im wehrfähigen Alter einschränkt. Gleichzeitig ist die ukrainische Bevölkerung deutlich jünger als die Gesamtbevölkerung in Österreich: 30 Prozent sind unter 20 Jahre alt (Gesamtbevölkerung: 19 %), 58 Prozent befinden sich im erwerbsfähigen Alter zwischen 20 und 59 Jahren (Gesamtbevölkerung: 53 %). Nur 12 Prozent sind 60 Jahre oder älter – weniger als halb so viele wie im österreichweiten Durchschnitt (28 %). Rund jede/r zweite ukrainische Staatsangehörige in Österreich lebt in Wien.
Erwerbsbeteiligung unter Vertriebenen steigt – besonders bei Frauen
Seit Beginn des Krieges im Jahr 2022 erhebt der ÖIF regelmäßig Daten zur Lebenssituation ukrainischer Vertriebener, die beim ÖIF registriert sind. Im Jänner 2026 gab die Hälfte (49 %) der befragten ukrainischen Vertriebenen an, erwerbstätig zu sein. Am stärksten fällt der Anstieg der Erwerbsbeteiligung bei Frauen aus: Lag die Erwerbsbeteiligung ukrainischer Frauen im Jahr 2022 noch bei rund 10 Prozent, ist sie 2026 auf rund 48 Prozent gestiegen. Auch bei Männern ist mit 51 Prozent ein Anstieg der Erwerbsbeteiligung zu beobachten (2024: 47 %). Im Jahresdurchschnitt 2025 waren insgesamt rund 5.800 ukrainische Staatsangehörige als arbeitslos vorgemerkt.
Bessere Deutschkenntnisse führen zu mehr Zufriedenheit
Eine überwiegende Mehrheit der befragten ukrainischen Vertriebenen gibt an, über mündliche und schriftliche Ausdrucksfähigkeiten im Deutschen zu verfügen. Rund ein Drittel (30 %) der Befragten schätzt seine Deutschkenntnisse als „fortgeschritten“ ein; ein weiteres Drittel (38 %) der Befragten gibt an, über Grundkenntnisse zu verfügen. Die Befragungsergebnisse zeigen zudem, dass ukrainische Vertriebene mit guten Deutschkenntnissen deutlich häufiger mit ihrem Leben in Österreich zufrieden sind als Personen mit geringen Deutschkenntnissen.
Ukrainische Vertriebene sind mit ÖIF-Deutschlernangeboten hochzufrieden
Die Angebote des ÖIF zum Deutschlernen werden von ukrainischen Vertriebenen sehr positiv bewertet. Über 80 Prozent der Befragten zeigen sich mit den Deutschkursen zufrieden oder sehr zufrieden. Zudem wird die gute Vereinbarkeit der Kurse mit Kinderbetreuung hervorgehoben. Auch die Online-Deutschlernangebote des ÖIF spielen eine zentrale Rolle: Sie werden als flexibel, alltagstauglich und gut mit bestehenden Verpflichtungen vereinbar bewertet.
Kaum kurzfristige Rückkehrpläne in die Ukraine
Die Zukunftspläne der ukrainischen Vertriebenen haben sich seit Kriegsbeginn deutlich verändert: Nur mehr rund 2 Prozent der Befragten geben an, in naher Zukunft in die Ukraine zurückkehren zu wollen. Mehr als 6 von 10 Ukrainer/innen planen langfristig keine Rückkehr, während 3 von 10 derzeit noch unentschieden sind. Als entscheidender Faktor für die Rückkehrentscheidung wird vor allem die Sicherheitslage in der Ukraine genannt.
Über die Befragung
Im Jänner 2026 führte der ÖIF eine Befragung unter ukrainischen Vertriebenen durch, die zum Zeitpunkt der Erhebung beim ÖIF registriert waren. Insgesamt nahmen 2.608 Personen im Alter von 18 bis 55 Jahren an der Online-Befragung teil. Der Erhebungszeitraum erstreckte sich vom 20. bis 26. Jänner 2026. 72 Prozent der Befragten waren Frauen, 28 Prozent Männer. Mehr als die Hälfte der Befragten (57 %) erhielt ihren Aufenthaltstitel in den Jahren 2024 oder 2025. Bei den abgefragten Werten handelt es sich um Selbsteinschätzungen der Teilnehmer/innen. Der ÖIF führt regelmäßig Befragungen und Erhebungen durch, um integrationsrelevante Entwicklungen frühzeitig zu erkennen und Angebote im Bereich Deutschlernen, Arbeitsmarktintegration und Beratung bedarfsgerecht weiterzuentwickeln. Die Ergebnisse werden in ÖIF-Factsheets aufbereitet und in der ÖIF-Mediathek veröffentlicht.
ÖIF-Angebote für ukrainische Vertriebene in Österreich
Der Österreichische Integrationsfonds (ÖIF) ist die zentrale Anlaufstelle für Integration und Deutschlernen für Asyl- und subsidiär Schutzberechtigte sowie ukrainische Vertriebene gemäß Integrationsgesetz. Der ÖIF stellt österreichweit Deutschkurse, Werte- und Orientierungskurse, Integrationsberatung sowie ergänzende Angebote bereit. Seit Beginn des Krieges haben ukrainische Vertriebene rund 90.000 ÖIF-Deutschkursplätze in Anspruch genommen, im Jahr 2025 nahmen ukrainische Vertriebene die meisten Deutschkursplätze beim ÖIF in Anspruch und kommen beim Deutschlernen gut voran. Darüber hinaus unterstützt der ÖIF beim Einstieg in den Arbeitsmarkt, bietet Beratungen zu Bildung und Beruf, organisiert Karriereplattformen mit Unternehmen und stellt über das frei zugängliche ÖIF-Sprachportal umfangreiche Online-Deutschlernangebote zur Verfügung.
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