Wiederaufbau in der Ukraine: Chancen für NÖ Unternehmen
Bei der Informationsveranstaltung „Wiederaufbauprojekte in der Ukraine und Geschäftstätigkeit mit der Ukraine“ betonten Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner, WKNÖ-Präsident Wolfgang Ecker und IV-NÖ-Präsident Kari Ochsner einerseits die großen Herausforderungen und andererseits die große Bedeutung der wirtschaftlichen Zusammenarbeit für heimische Betriebe mit der Ukraine.
„Die Ukraine hat seit 2022 enorme Widerstandskraft bewiesen. Trotz massiver Zerstörungen und infrastruktureller Herausforderungen konnten zahlreiche Unternehmen ihre Leistungsfähigkeit erhalten. Jetzt geht es schon darum, dass sich unsere Betriebe die beste Startposition sichern, um bei Wiederaufbau-Deals bei den Ersten dabei zu sein“, betonen Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner, WKNÖ-Präsident Wolfgang Ecker und IV-NÖ-Präsident Kari Ochsner bei der Veranstaltung „Wiederaufbauprojekte in der Ukraine und Geschäftstätigkeit mit der Ukraine“ in der Wirtschaftskammer NÖ. Die teilnehmenden Betriebe erhielten einerseits umfassende, aktuelle Informationen über die wirtschaftlichen Herausforderungen in der Ukraine und konnten andererseits ihre Chancen auf Kooperations- und Geschäftstätigkeiten in der Ukraine ausloten.
Die ukrainische Wirtschaft zeigt trotz massiver Herausforderungen wie Energieinfrastruktur-Schäden, logistischen Einschränkungen und Arbeitskräftemangel eine bemerkenswerte Anpassungsfähigkeit und strukturelle Resilienz. Prognosen gehen für 2026 von 2 bis 2,8 Prozent BIP-Zuwachs aus, getragen von privatem Konsum und investitionsgetriebenem Wiederaufbau. Die Ukraine bleibt aber weiterhin stark von internationaler Finanzierung abhängig. Außerdem ist laut Prognosen für 2026 ein deutlicher Rückgang der Inflation zu erwarten, was zur Stabilisierung des Investitionsklimas beiträgt. Insgesamt bleibt die Lage schwierig, aber wichtige Sektoren wie Energie, Logistik, Agrarwirtschaft und Industrie weisen bereits steigende Nachfrage und klares Wachstumspotenzial auf.
LH Mikl-Leitner: „Wiederaufbau muss Nutzen für beide Seiten bringen“
„Europa braucht eine starke Ukraine, um die europäische Ostgrenze zu schützen. Und wenn es nun um den Wiederaufbau geht, dann ist für mich auch klar: Das geht nur, wenn die Ukraine ihre Hausaufgaben erledigt. Die wirksame Eindämmung der Korruption ist eine Grundvoraussetzung. Unternehmen aus Niederösterreich brauchen verlässliche Rahmenbedingungen für künftige Wiederaufbauprojekte. Niederösterreichische Unternehmen stehen bereit – aber Wiederaufbau heißt Verantwortung auf beiden Seiten und Nutzen für beide Seiten.“
Export-Warengruppen und österreichische Wirtschaftsbeziehungen
Die österreichischen Exporte in die Ukraine stiegen 2024 um 8,1 Prozent auf 665,6 Mio. Euro. Pharmazeutische Erzeugnisse machten dabei über 20 Prozent aus, gefolgt von Maschinen und Fahrzeugen (17,5 Prozent). Weitere bedeutende Exportgüter waren Kunststoffe sowie Papier und Pappe. Im Gegenzug gingen die österreichischen Importe aus der Ukraine auf 810 Mio. Euro zurück (–12 Prozent). Hauptimportgüter waren Erze (38,3 Prozent), elektrische Maschinen (8 Prozent) sowie Holz und Holzwaren (6,9 Prozent).
WKNÖ-Präsident Wolfgang Ecker: „Service vor Ort für Unternehmen“
„Trotz der kriegerischen Angriffe Russlands zeigt die Ukraine ungebrochene wirtschaftliche Stärke“, weiß WKNÖ-Präsident Wolfgang Ecker und nennt Zahlen. „Im ersten Halbjahr 2025 betrugen die Exporte niederösterreichischer Unternehmen in die Ukraine 58 Mio. Euro, die Importe aus der Ukraine nach NÖ 38 Millionen Euro. Um diese Zusammenarbeit weiter zu unterstützen, bieten unser AußenwirtschaftsCenter Kyjiw und ein eigenes Außenwirtschaftsbüro in Lemberg umfassende Services für österreichische Firmen vor Ort – vom Markteintritt über Investitionsberatung bis zu Projekten im Wiederaufbau.“
Entwicklung der wichtigsten Wirtschaftssektoren
Der Energiesektor ist weiterhin ein kritischer Engpass: 60 Prozent der Erzeugungskapazitäten wurden zerstört, lokale Stromausfälle treten regelmäßig auf. In den kommenden Jahren liegt der Fokus auf Reparaturinfrastruktur, dezentraler Energieerzeugung und Investitionen in erneuerbare Energien sowie Kernkraft. Parallel dazu gewinnt der Eisenbahnsektor an strategischer Bedeutung: Modernisierung der Gleise, Lokomotiven und Signaltechnik ist notwendig, um den grenzüberschreitenden Gütertransport abzusichern und den Wiederaufbau zu unterstützen.
IV-NÖ-Präsident Kari Ochsner: „Wiederaufbau eröffnet Chancen“
„Der Krieg in der Ukraine verursacht unermessliches Leid und massive Zerstörung. Auch wenn wir nicht wissen, wann er endet, ist es wichtig, über das Danach zu sprechen. Denn um das zerstörte Land wieder aufzubauen und Stabilität zu schaffen, braucht es frühzeitig verlässliche Partner. Aus diesem Verständnis heraus ist die niederösterreichische Industrie gemeinsam mit Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner und der Wirtschaftskammer bereits vor rund einem Jahr im Rahmen einer von der IV-NÖ organisierten Wirtschaftsdelegation in die Ukraine gereist – als erste große österreichische Delegation seit Kriegsausbruch. Österreich war vor dem Krieg der sechstgrößte ausländische Investor in der Ukraine, unsere Betriebe genießen dort einen exzellenten Ruf, vor allem in den Bereichen Energie, Infrastruktur, Bahn und Green-Tech. Auf diese Expertise und auf österreichisches Know-how will die Ukraine auch beim Wiederaufbau zurückgreifen. Für unsere Industrie ergeben sich daraus Chancen, zugleich geht es auch um unsere moralische Pflicht, die Ukraine zumindest wirtschaftlich und indirekt im Einsatz für unsere gemeinsamen demokratischen Werte in Europa zu unterstützen“, unterstreicht IV-NÖ-Präsident Kari Ochsner.
Ausblick und Chancen
Angesichts des Wiederaufbaubedarfs von mindestens 486 Mrd. USD eröffnen sich langfristig große Chancen für österreichische und niederösterreichische Unternehmen. Schwerpunktbranchen bleiben Landwirtschaft, Energie, Eisenbahn und Infrastruktur. Eine enge Kooperation, aktive Marktbetreuung und die Nutzung internationaler Finanzhilfen sind entscheidend, um am Wiederaufbau teilzuhaben und nachhaltige Partnerschaften zu sichern.
„Die Ukraine zeigt trotz des anhaltenden Angriffskrieges großen wirtschaftlichen Widerstand und enorme Chancen für österreichische Unternehmen. Schon jetzt können niederösterreichische Betriebe Projekte im Wiederaufbau, in Energie, Infrastruktur, Landwirtschaft und Industrie umsetzen. Wir stehen partnerschaftlich an der Seite der Ukraine, um Know-how einzubringen, Arbeitsplätze zu sichern und gemeinsam die Zukunft zu gestalten“, bekräftigen Mikl-Leitner, Ecker und Ochsner.
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