Offener Brief der Hotellerie und Gastronomie an vida-Hebenstreit
Dass seitens der Gewerkschaftsspitze kurz vor anstehenden Kollektivvertragsverhandlungen regelmäßig versucht wird, öffentlich Stimmung zu machen, ist bekannt. Ebenso, dass dabei Arbeitgeber:innen immer wieder pauschal angegriffen werden – unter Roman Hebenstreit sind wir diese Vorgangsweise leider fast schon gewohnt. Selbst den Medien sind die Ausritte von Roman Hebenstreit nur mehr Kurzmeldungen wert, weil Sie, Herr Hebenstreit, mit den immer gleichen negativen Botschaften versuchen Stimmung zu machen.
Mit der Aussendung vom 2. Februar wurde jedoch eine rote Linie überschritten: In einer vor populistischen Anwürfen nur so strotzenden Medienmitteilung wird anhand von Einzelbeispielen versucht, einen gesamten Wirtschaftszweig – und damit auch Arbeitnehmer:innen – zu kriminalisieren und zu diskreditieren. Wer eine ganze Branche in dieser Form unter Generalverdacht stellt, schadet allen Beteiligten. Nicht, weil Kritik unerwünscht wäre, sondern weil pauschale Unterstellungen Vertrauen zerstören, das die Basis der Sozialpartnerschaft ist.
Während wir auf eine langfristige, wertschätzende und zielführende Zusammenarbeit setzen, müssen wir nun zur Kenntnis nehmen, dass Sie als Gewerkschaftsvorsitzender der vida mit kurzfristiger Polemik genau diese über Bord werfen.
Wir haben uns für steuerliche Entlastungen für unsere Mitarbeiter:innen eingesetzt: abgabenfreies Trinkgeld, steuerfreies Feiertagsarbeitsentgelt und steuerfreie Überstunden. Von Ihnen gab es keinerlei Unterstützung im Sinne der Arbeitnehmer:innen.
Ihr untergriffiger Tonfall ist umso befremdlicher, da wir Arbeitgeber:innen erst im Mai 2025 die letzten Änderungen im neuen Rahmenkollektivvertrag für das Gastgewerbe umgesetzt haben. Die Gewerkschaft vida hat damals selbst von signifikanten Verbesserungen für Arbeitnehmer:innen im neuen Rahmenrecht gesprochen, und keine 12 Monate später ist das wohl vergessen.
Fakt ist: der Tourismus ist ein Top-Arbeitgeber der heimischen Wirtschaft. Gastronomie und Hotellerie zählen heute mehr Beschäftigte als noch vor der Corona-Pandemie. Und für diese Arbeitnehmer:innen setzten wir uns als Arbeitgebervertreter:innen auch ein.
Gerade jetzt, wo es insbesondere wieder der Tourismus ist, der als Wirtschaftsmotor Wertschöpfung und Beschäftigung schafft und in vielen Gemeinden und Tälern die wirtschaftliche und soziale Lebensader ist, betätigen Sie sich als politischer Geisterfahrer und diffamieren mehr als 65.000 Unternehmer:innen sowie deren Mitarbeiter:innen. Das ist kein Beitrag zu besseren Arbeitsbedingungen, sondern zur Spaltung der Bevölkerung.
Damit erweisen Sie letztlich auch den eigenen Mitgliedern einen Bärendienst: denn unsere Mitarbeiter:innen haben kein Interesse an gewerkschaftlichen Geplänkeln, sondern an sinnvollen und nachhaltigen Lösungen, an verlässlichen Perspektiven, fairen Rahmenbedingungen und einem respektvollen Umgang.
Solange von Ihrer Seite keine Bereitschaft zu einer konstruktiven Zusammenarbeit erkennbar ist, fehlt die Grundlage für seriöse Verhandlungen.
Daher sehen wir uns als Vertreter der Gastronomie und Hotellerie in Österreich gezwungen, die anstehenden KV-Verhandlungen auszusetzen: Sobald Sie, Herr Hebenstreit zu einer sachlichen Verhandlungskultur zurückkehren, Ihre Entgleisungen korrigieren und sich dafür entschuldigen, sind wir gerne bereit, die Verhandlungen mit Ihnen aufzunehmen. Wir appellieren an die konstruktiven Kräfte in der Gewerkschaft vida gemeinsam sachlich und konstruktiv als Sozialpartner an Rahmenbedingungen für die Branche zu arbeiten. Mit politischen Provokationen und unberechenbaren Alleingängen kommen wir nicht weiter. (PWK045)
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