Haustierabschüsse sind keine Einzelfälle. Über 20.000 Menschen schlagen Alarm
Mehr als 20.000 Haustierbesitzer:innen fordern ein Umdenken in der Jagdgesetzgebung. Die Petition gegen den Haustierabschuss gewinnt rasant an Unterstützung, nachdem innerhalb von nur zwei Wochen 15 Fälle von verletzten oder getöteten Hunden und Katzen gemeldet wurden. Die Bilanz ist eindeutig: Es handelt sich nicht um tragische Einzelfälle, sondern um ein strukturelles Problem.
Auslöser der aktuellen Debatte sind mehrere tödliche Vorfälle. Ende Dezember wurde Bordercollie Cooper in Oberösterreich bei Tageslicht erschossen – wenige Meter vor seinem Besitzer, trotz neonfarbenem Brustgeschirr. Kurz darauf traf es in der Steiermark Bailey, einen Australian-Shepherd-Husky-Mix. Auch sie trug eine Warnweste. Abstand zum Hochstand: 17 Meter. In beiden Fällen gaben die Schützen an, die Hunde für Füchse gehalten zu haben.
„Wenn Hunde mit Warnwesten oder neonfarbenem Geschirr für Wildtiere gehalten werden, dann läuft in diesem System etwas grundlegend falsch
“, sagt Martin Aschauer, Sprecher von Tierschutz Austria. „Das geltende Jagdrecht schützt Haustiere nicht ausreichend – und genau diese Lücke führt immer wieder zu vermeidbaren Todesfällen.
“
15 dokumentierte Fälle in 2 Wochen – kein Randphänomen
Tierschutz Austria rief über soziale Medien dazu auf, Vorfälle zu melden. Innerhalb von zwei Wochen gingen 15 dokumentierte Fälle ein. Darunter Hunde und Katzen wie Cooper, Bailey und Peach – geliebte Familienmitglieder, die durch Jäger:innen verletzt oder getötet wurden. Der Fall der Katze Peach zeigt die Dramatik der geltenden Regeln: Sie wurde in einer Lebendfalle gefangen und anschließend per Kopfschuss getötet. Trotz Anzeige kam es zu einem Freispruch.
Rechtsgutachten bestätigt massive Rechtslücke
Ein aktuelles Rechtsgutachten von Univ.-Prof.in Dr.in Erika Wagner (2025) kommt zu einem klaren Ergebnis: Der Abschuss von Haustieren sei verfassungswidrig, unverhältnismäßig und ethisch nicht vertretbar. Die geltenden Normen beruhten teils auf jahrhundertealten Regelungen und widersprächen dem heutigen Mensch–Tier-Verhältnis. Besonders brisant: Jagdhunde sind ausgenommen, Familienhunde nicht – eine sachlich kaum haltbare Ungleichbehandlung.
„Warnwesten sind kein Schutzschild
“, so Aschauer. „Österreichische Jagdgesetze stammen aus einer Zeit, in der Haustiere rechtlich kaum eine Rolle spielten. Heute sind Hunde und Katzen Familienmitglieder – und genau so müssen sie auch geschützt werden.
“
Haustierabschuss auf 98 % der Landesfläche erlaubt
Aktuell dürfen Hunde und Katzen in nahezu allen Jagdgebieten – rund 98 % der Landesfläche – getötet werden. Die Regelungen variieren je nach Bundesland, sind aber durchwegs problematisch:
- Oberösterreich & Tirol: Tötung nach Fang in Lebendfallen erlaubt.
- Steiermark: Saisonale Kriterien; oft reichen vage Begriffe wie „wild jagend“.
Forderungen an die Politik
Auf Basis der dokumentierten Fälle und des Rechtsgutachtens fordert Tierschutz Austria:
- Ein österreichweites, ausdrückliches Verbot des Haustierabschusses
- Psychologische Eignungstests für Jagdscheinbesitzer:innen
- Alkoholverbot bei der Jagd und verbindliche Alkoholtests
- Sofortiger Entzug von Jagd- und Waffenkarte bei Verstößen
Waffengesetz: Sicherheitslücken für Jäger:innen
Während die Waffengesetz-Novelle 2025 für viele Waffenbesitzer:innen psychologische Gutachten vorsieht, sind Jäger:innen weiterhin ausgenommen. Zudem gibt es weder eine einheitliche Promillegrenze noch ein generelles Alkoholverbot bei der Jagd. Andere Länder zeigen Alternativen: In Frankreich ist die Jagd unter Alkoholeinfluss seit 2023 ausdrücklich verboten.
20.000 Stimmen – Politik am Zug
„Jeder erschossene Hund, jede getötete Katze ist ein Opfer politischer Versäumnisse
“, sagt Aschauer. „Über 20.000 Menschen fordern ein Umdenken. Diese Stimmen werden unter anderem an Norbert Totschnig sowie die zuständigen Landesrät:innen – in Niederösterreich etwa Stephan Pernkopf – übergeben.
“
Aufruf: Fälle melden und Petition unterschreiben
Tierschutz Austria ruft alle Betroffenen auf, weitere Fälle an news@tierschutz-austria.at zu melden, um das tatsächliche Ausmaß sichtbar zu machen. Gleichzeitig appelliert die Organisation an die Bevölkerung, die Petition zu unterschreiben und damit den politischen Druck zu erhöhen. „Es kommt wirklich auf jede einzelne Unterschrift an
“, so Aschauer abschließend. „Der unkontrollierte Haustierabschuss muss gestoppt werden.
“
Fotos (honorarfrei):
https://flic.kr/s/aHBqjCHdMT
Petition zum Haustierabschuss unterschreiben:
Petition: Haustierabschuss stoppen – JETZT!
OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS. www.ots.at
(C) Copyright APA-OTS Originaltext-Service GmbH und der jeweilige Aussender. Tierschutz Austria