Online-Glücksspiel: Ziele der Glücksspielreform nur mit Öffnung des Marktes zu erreichen | Brandaktuell - Nachrichten aus allen Bereichen

Online-Glücksspiel: Ziele der Glücksspielreform nur mit Öffnung des Marktes zu erreichen

0 34

Statt das Betreibermonopol einzuzementieren, wäre die Marktöffnung der bessere Weg – für den Spielerschutz und die kränkelnden Staatsfinanzen. Das zeigt eine umfassende Analyse des Online-Glücksspielmarktes von BRANCHENRADAR.com Marktanalyse.

Aus Anlass der anstehenden Novellierung des österreichischen Glücksspielgesetzes hat BRANCHENRADAR Marktanalyse soeben eine Studie mit Fokus auf das Online-Glücksspiel in Österreich vorgelegt. Unter dem Titel „Neuausrichtung des Online-Glücksspiels in Österreich“ kommen die Experten darin zu einem klaren Ergebnis: Der derzeit vorliegende Gesetzesentwurf zur Neuregulierung des Online-Glücksspiels verfehlt die gesteckten Ziele völlig. Vielmehr verschärft dieser die bestehenden Probleme massiv: Statt Spielerschutz zu stärken, den Schwarzmarkt einzudämmen und Steuereinnahmen zu erhöhen, führt der Vorschlag zu einer Einzementierung des Monopols, einer Verlagerung in den illegalen Markt und damit zu sinkendem Spielerschutz sowie dramatischen Steuermindereinnahmen.

Kontraproduktive Annahmen im Gesetzesentwurf

Der Reformvorschlag geht nämlich in Wahrheit von einer folgenschweren Fehlannahme aus: Im Sinne einer vermeintlichen Erhöhung des Spielerschutzes sind massive Eingriffe in den Spielverlauf virtueller Glücksspielautomaten geplant. Da solche Restriktionen jedoch die Attraktivität des Glücksspiels reduzieren, wäre mit einer massiven Abwanderung von Spielern zu ausländischen Angeboten zu rechnen. Ausländische Angebote gelten in Österreich aber allesamt als illegal. Folglich möchte man den illegalen Anbietern durch DNS- und Payment-Blocking das Wasser abgraben.

„Eine riskante Wette“ empfindet Studienautor Andreas Kreutzer. „Es gibt auf dieser Erde bislang keine Demokratie, die mit DNS- und Payment-Blocking illegales Glücksspiel unterbinden konnte. Spielerschutz entsteht auch nicht durch unattraktive oder verknappte Angebote, sondern durch einen regulierten Markt, der mit illegalen Anbietern auch tatsächlich konkurrieren kann“.

Szenarien bis 2031: Reformvorschlag schwächt den legalen Markt

Branchenradar Marktanalyse hat für die Studie verschiedene Varianten durchgerechnet:

Basisszenario 1 (Status Quo): Bei unveränderter Rechtslage wird ein Marktwachstum des Bruttospielertrags (BSE) von Ꞓ 496 Mio. (2024) auf Ꞓ 1 Mrd. (2031) prognostiziert. Die Kanalisierungsrate in den legalen Markt (win2day.at) würde jedoch von aktuell 46,7 % auf rund 39,0 % sinken. Die kumulierten Steuereinnahmen von 2026-2031 würden sich auf ca. Ꞓ 901 Millionen belaufen.

Szenarien 2 & 3 (Umsetzung des Reformentwurfs): Diese Modelle zeigen die negativen Konsequenzen der Reform. Durch die unattraktiven Spielbedingungen, etwa durch ein Einsatzlimit von Ꞓ 250 pro Woche, ist eine massive Spielerabwanderung in den unregulierten Markt zu erwarten. Selbst unter optimistischen Annahmen zur Wirksamkeit von DNS- und Payment-Blocking-Maßnahmen bricht die Kanalisierungsrate dramatisch ein:

  • Im „Worst-Case“ (Szenario 2) sinkt die Kanalisierungsrate bis 2031 auf 27,8 %. Die kumulierten Steuereinnahmen (2026-2031) würden auf nur noch Ꞓ 600 Millionen fallen – ein Verlust von Ꞓ 300 Millionen gegenüber dem Status Quo.

  • Im „Best-Case“ der Reform (Szenario 3) sinkt die Rate auf 35,6 % und die Steuereinnahmen auf Ꞓ 726 Millionen – immer noch ein Minus von Ꞓ 175 Millionen.

Damit würde der regulierte Markt marginalisiert, während der illegale Markt weiter wächst – ein Szenario, das sowohl den Spielerschutz als auch die fiskalischen Interessen des Staates untergräbt. Hinzu kommt, dass die Annahme Sperren allein würden wirken, sowohl durch diese Analyse, als auch durch einen Rundruf bei europäischen Glücksspielbehörden klar widerlegt wird.

Kontrollierte Marktöffnung als beste Lösung

Als Alternative präsentiert die Studie eine kontrollierte Marktöffnung nach dem Vorbild der Landesausspielungen (Automatensalons) mit strengen, aber marktkonformen Spielerschutzauflagen.

  • Teilöffnung mit 9 Lizenzen: Kanalisierungsraten von bis zu 81 % und kumulierte Steuereinnahmen von bis zu Ꞓ 1,66 Mrd. – das entspricht Mehreinnahmen von bis zu Ꞓ 760 Mio. gegenüber dem Status quo.

  • Liberalisierung mit 15 Lizenzen: Kanalisierungsraten von bis zu 85,5 % und Steuereinnahmen von bis zu Ꞓ 1,88 Mrd. – nahezu eine Verdopplung der Einnahmen im Vergleich zur aktuellen Rechtslage.

Spielerschutz funktioniert nur im regulierten Markt

Die Studie betont, dass wirksamer Spielerschutz nur dort greifen kann, wo Spieler tatsächlich erfasst werden. Instrumente wie Identitäts- und Alterskontrollen, Limitierungen, Sperrsysteme, Monitoring des Spielverhaltens und geschulte Mitarbeitende – wie sie bei Landesausspielungen gängige Praxis sind – verlieren ihre Wirkung, wenn ein Großteil der Spieler das legale, regulierte Angebot nicht nutzt.

Branchenradar Marktanalyse empfiehlt daher eine Neuausrichtung der Online-Glücksspielpolitik, die sich an realen Marktmechanismen orientiert: mehr legale Anbieter, klare Regeln, konsequente Aufsicht – und damit mehr Spielerschutz und mehr Steuereinnahmen. Andreas Kreutzer: “Die Regierung kann jetzt endlich die Chance ergreifen, einen modernen und konkurrenzfähigen legalen Markt zu schaffen, bei dem den Illegalen schwarz vor Augen wird.”.

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS. www.ots.at
(C) Copyright APA-OTS Originaltext-Service GmbH und der jeweilige Aussender. BRANCHENRADAR.com Marktanalyse GmbH

Hinterlasse eine Antwort

Deine Email-Adresse wird nicht veröffentlicht.