Bautätigkeit zur Kontextualisierung des Lueger-Denkmals hat begonnen
Die Kontextualisierung des Lueger-Denkmals befindet sich in der entscheidenden Phase – der Realisierung am Platz selbst. Seit Mitte Jänner wurde am Stubentor die Baustelle eingerichtet, das Denkmal eingerüstet und vor wenigen Tagen mit dem Anbringen der Informationstafeln zum Projekt und zum künstlerischen Entwurf „Schieflage (Karl Lueger 3,5)“ von Klemens Wihlidal abgeschlossen. Zu den für die Umsetzung des künstlerischen Entwurfs notwendigen Bauarbeiten, gehört die Abnahme der Bronzefigur; diese erfolgte am heutigen Donnerstag. Die Fertigstellung der Kontextualisierung kann voraussichtlich im Sommer 2026 abgeschlossen werden.
Im Zuge der Vorbereitungsarbeiten wurde in Abstimmung mit dem Bundesdenkmalamt das zukünftige Erscheinungsbild der Oberflächen des Monuments festgelegt. Bis zur Fertigstellung der Kontextualisierung wird die Reinigung der Bronzefigur unter Beibehaltung der darunter liegenden typischen, grünen Patina erfolgen. Die abgeschlagenen Teile an den Skulpturen und Reliefs des Podests werden wiederhergestellt, ebenso werden die im Zuge der Proteste aufgebrachten Farb- und Bitumenschichten am Denkmal entfernt (Generalplanung: Architekt Neumayer ZT GmbH).
Vorgeschichte
Lange wurde Karl Lueger, Wiener Bürgermeister von 1897-1910, als herausragender Kommunalpolitiker geehrt, ohne dass über seine Rolle als Begründer des populistischen Antisemitismus in Österreich gesprochen wurde. Heute wird diese unkommentierte Würdigung Luegers von der Öffentlichkeit nicht mehr akzeptiert. 2020 flammte im Zuge der weltweiten Auseinandersetzung rund um historisch belastete Denkmäler auch die Diskussion in Zivilgesellschaft, Politik und Wissenschaft über die Person Lueger und das Lueger-Denkmal wieder auf.
Die Stadt Wien antwortete auf den gesellschaftlichen Diskurs und den sich auch sichtbar am Denkmal entladenden Protest mit einem partizipativen Dialogprozess. Es folgte die Entscheidung, ein starkes künstlerisches Zeichen zu setzen, dass sich mit gesellschaftlichem Nachdenken über Geschichte, Antisemitismus und Verantwortung im Heute auseinandersetzt und einen Ort des Diskurses schafft. Im ausgelobten Wettbewerb zur permanenten Kontextualisierung des Denkmals überzeugte der Entwurf des Wiener Künstler Klemens Wihlidal in einem internationalen Teilnehmer*innenfeld die Jury aus Kunst, Wissenschaft, Verwaltung und Politik.
Weiterführende Informationen am Bauzaun und im Internet
Der Bauzaun am Karl-Lueger-Platz dient auch der Information der interessierten Öffentlichkeit. Hier finden sich ausführlichere Informationen zur Umgestaltung des Denkmals, zur Vorgeschichte, zu Luegers Antisemitismus, zum künstlerischen Wettbewerb und zum Entwurf „Schieflage (Karl Lueger 3,5°)“.
Alle Hintergründe lassen sich auch auf der Projektwebseite www.schieflage-lueger.wien nachlesen, ergänzt um regelmäßige Updates zur Bautätigkeit. Heute erscheint dort ein Interview mit Künstler Klemens Wihlidal, in dem er seine Herangehensweise erläutert und unterstreicht: „Die dezentere Form der Neigung hat eine viel brutalere Aussagekraft, als wenn das Lueger-Denkmal beispielsweise um 45 Grad geneigt wäre.“ Die Irritation sorge immer für ein Unwohlsein und rege einen zweiten Blick an, ein Näher- Hinschauen und Hinterfragen.
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