AIT-Forschung zu „Making“: Zugang für alle schaffen | Brandaktuell - Nachrichten aus allen Bereichen

AIT-Forschung zu „Making“: Zugang für alle schaffen

0 46

Wer ist eigentlich alles ein „Maker“ und wer nicht? „Making“, das kreative Selber-Machen mit neuen Technologien und unterschiedlichen Methoden und Materialien, hat viele Vorteile und sollte eigentlich alle Menschen adressieren. Es bietet somit auch Platz für neue Technologie-Erfahrungen – daher könnten alle Menschen „Maker“ sein. Wie das realistisch erreichbar ist, haben Forscherinnen des AIT Center for Technology Experience gemeinsam mit der Universität Salzburg, dem Happylab (größtes Makerlab Österreichs in Wien-Leopoldstadt) und Mz* Baltazar‘s Laboratory im FFG-Projekt All*Makers* untersucht.

„Making“ bietet viele Vorteile: Es bietet ein haptisches Lernerlebnis mit sichtbarem Erfolgs-Ergebnis, die Kreativität wird gefördert und die Technologie- und Problemlösungskompetenz steigt und Dinge werden im Sinne der Nachhaltigkeit repariert oder neu verwertet – lauter Faktoren, die von der Wirtschaft dringlich eingefordert werden – insbesondere die kreative kritische Problemlösungskompetenz ist hier sehr gefragt.

Making ist ein breites Feld, das von Elektronik, 3D Druck, Holzbearbeitung und Robotik bis hin zum Einsatz von Mini-Computern wie dem Raspberry Pi oder dem micro:bit reicht. Vielfach haben sich „Maker-Faires“ in vielen Städten etabliert, die auch die Maker-Community zusammenführen. Doch das Publikum der Maker-Faires ist vielfach männlich dominiert und klassisch wird technologisches Machen wie auch der „Do-it-yourself“ Markt mit Männern assoziiert. Frauen verstehen sich selbst vielfach nicht als „Maker“, haben die Forscher:innen festgestellt, obwohl viele von ihnen durchaus gerne technologienah basteln. Woran das liegt und wie sich das ändern lässt, an dieser Frage haben die Forscher:innen gearbeitet.

Dabei setzt die Forschungsgruppe auf einen innovativen Ansatz. Katrin Kober von der Universität Salzburg dazu: „Wir ändern die Perspektive und untersuchen die Frage des Zugangs zu Technologien ausgehend von den Dingen selbst. Wie prägen Tools die Interaktion zwischen Mensch und Maschine und in weiterer Folge auch zwischen den verschiedenen Nutzer:innen? Und wie gelingt es, dadurch Menschen zu erreichen, die sich noch nicht als „Maker“ fühlen?“

Making ist vielfältig und hat viel positives Potenzial

Anhand von „Maker“ Profilen zeigten die Forscher:innen, wie vielfältig „Making“ tatsächlich gelebt wird – vom Hightech Profi bis hin zum Reparatur-Fan. Nicht die die Wahl der Technologie ist entscheidend, sondern die Qualität der Beziehung und der Kontext spielen eine Rolle: die angebotene Maschinen, die räumliche Gestaltung, der Kommunikationsstil von Tutor:innen und nicht zuletzt das Verhalten anderer „Maker“ bestimmen maßgeblich mit, ob sich Menschen auf eine Lern- und Schaffensreise mit digitalen Technologien begeben.

Einige frühere Studien haben bereits nachgewiesen, dass nicht nur Frauen, sondern auch Personen mit Migrationshintergrund oder bildungsbenachteiligten Lebenshintergrund beim „Making“ deutlich unterrepräsentiert sind und sich nicht als „Maker“ sehen. Das sollte sich dringend ändern, so die klare Empfehlung des Forschungsteams. Die Botschaft der Forscher:innen lautet: Making ist für alle da und Makerspaces können sehr positive Orte sein wo Ideen wachsen, Kreativität viel Raum erfährt, wo die Grenzen zwischen angreifbarem und digitalem Arbeiten durchlässig werden und neue Gemeinschaften entstehen – wenn Offenheit und Achtsamkeit den Umgang miteinander prägen.

„Making ist in Maker Labs oder Makerspaces nach wie vor von männlichen Besuchern geprägt und in Stereotypen verhaftet. Um das zu ändern und neue Zielgruppen für Making zu motivieren, müssen wir weiter an der Bewusstseinsbildung arbeiten. Wir haben im Projekt beispielsweise ein Quiz entwickelt, das eine spielerische Reflexion mit dem Selbstbild als Maker:in ermöglicht“, stellt AIT-Forscher Georg Regal fest.

Um weitere Gruppen zu erreichen und Making auch an anderen Orten zu ermöglichen, wurde vergangenen November das neue FFG-Forschungsprojekt Pop*Up gestartet. Bei Pop*Up (Places Of Possibility. Unfolding Potentials of Making for Diversity) sind als Partner das AIT Austrian Institute of Technology/Center for Technology Experience (Leitung), die Universität Salzburg/Fachbereich Artificial Intelligence and Human Interfaces, das Happylab, The Cool Tool (Spezialist für Maschinen und Produkte für den Bereich technische Bildung) und Wunderwuzzi Roboter (Anbieter von Roboter-Selbstbaukursen und Vertrieb von Kursmaterialien) beteiligt. Studien belegen, dass erste Interessensverluste an Technik und Wissenschaften bei Kindern, insbesondere bei Mädchen schon frühzeitig im Alter zwischen 8 und 14 Jahren auftreten.

Mobile Makerspaces für diversitätssensible MINT-Bildung

„Die Idee ist daher ein ortsungebundener, mobiler und langfristig angelegter Ansatz: durch einen mobilen Pop*Up Makerspace MINT-Kompetenzen (MINT: Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) bei Kindern zu fördern“, erklärt Georg Regal. Der mobile Makerspace soll einen flexiblen Lernraum schaffen – jenseits klassischer Bildungseinrichtungen. Der mobile Makerspace kann außerdem gezielt auch in strukturschwachen Regionen und Orten mit geringer MINT-Infrastruktur eingesetzt werden. „Wir wollen damit einen nachhaltig und sozial gerechten Raum für MINT-Bildung schaffen, der flexibel gestaltet ist und Jugendliche dort erreicht, wo sie sich aufhalten – in Schulen und Jugendzentren“, so Regal.

Neben der Entwicklung und Evaluierung der mobilen Makerspaces ist im Projekt auch die Entwicklung neuer Vermittlungsformate geplant, die einen neuen Zugang zu Making für diverse Zielgruppen ermöglichen sollen. Auch die intersektionale Perspektive (Geschlecht und soziale Schicht) wird hier berücksichtigt. Aktuell ist das Forschungsteam mit der Erhebung von Anforderungen gemeinsam mit Jugendlichen und diversen Stakeholdern (Lehrkräfte, Mitarbeitende aus Makerspaces, Lehrlings-Ausbildungs-Verantwortliche, Betreuer:innen von Jugendzentren etc.) und der Konzept-Erstellung beschäftigt. Nach dieser Analyse erfolgt auch die Auswahl der Werkzeuge, Maschinen und Technologien, die im mobilen Makerspace zum Einsatz kommen sollen. Dazu werden auch Materialien und Unterlagen für die diversitätssensible Vermittlung vom Projekt-Team erarbeitet. Die Fertigstellung des ersten Prototyps für den mobilen Makerspace ist für Ende 2026 geplant.

Über das AIT Austrian Institute of Technology

Über das AIT Center for Technology Experience

Über die Abteilung Human-Computer Interaction (HCI) an der Universität Salzburg

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS. www.ots.at
(C) Copyright APA-OTS Originaltext-Service GmbH und der jeweilige Aussender. AIT Austrian Institute of Technology GmbH

Hinterlasse eine Antwort

Deine Email-Adresse wird nicht veröffentlicht.