Wahrnehmung von KI als "Jobkiller" beeinflusst Einstellung zu Demokratie negativ | Brandaktuell - Nachrichten aus allen Bereichen

Wahrnehmung von KI als „Jobkiller“ beeinflusst Einstellung zu Demokratie negativ

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München (ots)

  • Eine neue Studie der Ludwig-Maximilians-Universität und der Universität Wien zeigt: In den meisten Ländern überwiegt die Einschätzung, dass Künstliche Intelligenz mehr Arbeitsplätze vernichtet als schafft.
  • Menschen, die Künstliche Intelligenz als arbeitsplatzvernichtend einschätzen, sind laut der Studie signifikant unzufriedener mit dem Funktionieren der Demokratie und engagieren sich politisch weniger.
  • Die Ergebnisse basieren auf Umfragedaten aus 38 europäischen Ländern mit über 37.000 Befragten sowie repräsentativen Experimenten in Großbritannien und den USA.

Künstliche Intelligenz verändert die Wirtschafts- und Arbeitswelt rasant. Eine neue Studie zeigt, dass die Mehrheit der Menschen glaubt, Künstliche Intelligenz verdränge mehr menschliche Arbeit, als dass sie neue Möglichkeiten schafft. Die Autoren von der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München und der Universität Wien konnten dabei einen kausalen Zusammenhangen nachweisen: Je stärker diese Wahrnehmung ist, desto unzufriedener sind Menschen mit der Demokratie – und desto weniger beteiligen sie sich an politischen Debatten über technologische Zukunftsfragen. Diese Effekte treten auf, obwohl Künstliche Intelligenz bislang nur begrenzte Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt hat. Die Studie wurde aktuell in der Fachzeitschrift PNAS veröffentlicht.

Wie nimmt die Bevölkerung Künstliche Intelligenz wahr?

Die Wirtschaftswissenschaftler analysierten zunächst Umfragedaten aus 38 europäischen Ländern mit über 37.000 Befragten. Das Ergebnis ist eindeutig: In den meisten Ländern überwiegt die Einschätzung, dass Künstliche Intelligenz mehr Arbeitsplätze vernichtet als schafft. Studienautor Dr. Armin Granulo von der LMU Munich School of Management erklärt: „Die tatsächlichen Auswirkungen von Künstlicher Intelligenz auf den Arbeitsmarkt sind derzeit noch begrenzt. Unabhängig davon nehmen viele Menschen Künstliche Intelligenz jedoch primär als Ersatz für menschliche Arbeit wahr. Diese Wahrnehmung ist erstaunlich stabil und in wirtschaftlich entwickelten Ländern besonders verbreitet.“

Was bedeutet das für die Demokratie?

In der aktuellen Studie zeigt das Team aus München und Wien, dass diese wahrgenommene Verdrängung politisch nicht folgenlos bleibt. Menschen, die Künstliche Intelligenz als arbeitsplatzvernichtend einschätzen, sind signifikant unzufriedener mit dem Funktionieren der Demokratie. Zudem engagieren sie sich weniger politisch – etwa bei Diskussionen, Bürgerbeteiligung oder der Mitgestaltung von Technologiepolitik. „Wenn Menschen das Gefühl haben, von Künstlicher Intelligenz verdrängt zu werden, äußern sie Zweifel am politischen System – diese Leute sind weniger zufrieden mit Demokratie und ihren Institutionen“, fasst Studienautor Professor Christoph Fuchs von der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften der Universität Wien zusammen.

Kausaler Zusammenhang: Experimente in Großbritannien und den USA

Um zu prüfen, ob diese Zusammenhänge tatsächlich kausal sind, führten die Wissenschaftler zwei repräsentative Experimente in Großbritannien und den USA durch. Dabei wurden Teilnehmende gezielt mit unterschiedlichen Zukunftsbildern von Künstlicher Intelligenz konfrontiert: einerseits als arbeitsplatzersetzend, andererseits als arbeitsplatzfördernd. Das Ergebnis: Personen, die Künstliche Intelligenz als arbeitsplatzersetzend beschrieben bekamen, äußerten deutlich weniger Vertrauen in demokratische Institutionen und eine geringere Bereitschaft, sich politisch mit Künstlicher Intelligenz zu befassen.

Warum das wichtig ist

Die Studie macht deutlich, dass die gesellschaftlichen Folgen Künstlicher Intelligenz nicht erst dann beginnen, wenn Arbeitsplätze tatsächlich verschwinden. Laut den Studienautoren können bereits Erwartungen, Befürchtungen und die Art und Weise, wie wir als Gesellschaft über Künstliche Intelligenz sprechen, demokratische Einstellungen beeinflussen. Wenn sich öffentliche Debatten stark auf Arbeitsplatzverluste konzentrieren, könne das unbeabsichtigte Nebenwirkungen für die Demokratie haben.

Die Autoren betonen zugleich, dass die Ergebnisse auch Chancen aufzeigen. Armin Granulo erklärt: „Unsere experimentellen Befunde zeigen, dass die öffentliche Wahrnehmung der Auswirkungen von Künstlicher Intelligenz auf die Arbeitswelt veränderbar ist – etwa durch gezielte Kommunikation darüber, dass ihre Zukunft nicht festgeschrieben ist, sondern durch demokratische Entscheidungen mitgestaltet werden kann.“

Die Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU)

Die LMU ist eine der führenden Universitäten in Europa mit einer über 500-jährigen Tradition. Sie bietet ein breites Spektrum aller Wissensgebiete – die ideale Basis für hervorragende Forschung und ein anspruchsvolles Lehrangebot. Es reicht von den Geistes- und Kultur- über Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften bis hin zur Medizin und den Naturwissenschaften. 22 Prozent der 53.000 Studierenden kommen aus dem Ausland – aus insgesamt 140 Nationen. Das Know-how und die Kreativität der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bilden die Grundlage für die herausragende Forschungsbilanz der Universität. Der Erfolg der LMU in allen drei Phasen des Exzellenz-Wettbewerbs und die dauerhafte Förderung als „Exzellenzuniversität“ dokumentiert eindrucksvoll die Forschungsstärke der Münchener Universität. www.lmu.de

Die Universität Wien:

Die Universität Wien setzt seit über 650 Jahren Maßstäbe in Bildung, Forschung und Innovation. Heute ist sie unter den Top 100 und damit den Top 4 Prozent aller Universitäten weltweit gerankt sowie in aller Welt vernetzt. Mit über 180 Studien und mehr als 10.000 Mitarbeitenden ist sie einer der größten Wissenschaftsstandorte Europas. Hier treffen Menschen aus unterschiedlichsten Disziplinen zusammen, um Spitzenforschung zu betreiben und Lösungen für aktuelle und künftige Herausforderungen zu finden. Ihre Studierenden und Absolvent*innen gehen mit Innovationsgeist und Neugierde komplexe Herausforderungen mit reflektierten und nachhaltigen Lösungen an.

Publikation:

Granulo, A., Raff, A., & Fuchs, C. (2026).

Perceiving AI as labor-replacing reduces democratic legitimacy and political engagement.

Proceedings of the National Academy of Sciences, 123(4), e2523508123.

https://doi.org/10.1073/pnas.2523508123

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