Über 10.000 Haustierbesitzer:innen schlagen Alarm | Brandaktuell - Nachrichten aus allen Bereichen

Über 10.000 Haustierbesitzer:innen schlagen Alarm

0 57

Zwei erschossene Hunde, tausende empörte Tierfreunde – und ein Jagdrecht, das offenbar aus der Zeit gefallen ist. Nur sieben Tage nach dem Start der Petition „Haustierabschuss stoppen – JETZT!“ haben über 10.000 Menschen unterschrieben. Ein klares Signal: So kann es nicht weitergehen.

Das sind keine tragischen Einzelfälle mehr – das ist das Ergebnis eines Jagdrechts, das Haustiere nicht schützt. Wenn Hunde mit Warnwesten erschossen werden, läuft in diesem System etwas fundamental falsch. Dieses Gesetz gehört dringend reformiert,“ so
Martin Aschauer, Sprecher von Tierschutz Austria.

Auslöser für die Petition waren zwei tödliche Vorfälle binnen weniger Wochen.

Ende Dezember wurde Bordercollie Cooper in Oberösterreich erschossen.
Bei Tageslicht.
Wenige Meter neben seinem Besitzer.
Trotz neonfarbenem Brustgeschirr.

Nur kurze Zeit später der nächste Schock: In der Steiermark traf es Hündin Bailey, einen Australian-Shepherd-Husky-Mix. Auch sie trug eine Warnweste. Auch sie wurde erschossen. Abstand zum Hochstand: 17 Meter.

Die Begründung der Schützen in beiden Fällen:
Man habe die Warnwesten tragendenden Hunde für Füchse gehalten.

Seit wann tragen Füchse Warnwesten?

„Wenn Hunde mit Warnweste oder neonfarbenem Geschirr mit Füchsen verwechselt werden, haben wir ein massives Sicherheitsproblem“, sagt Michaela Lehner, Leiterin der Stabstelle Recht von Tierschutz Austria. „Cooper und Bailey sind Opfer eines Systems, das Tiere unzureichend schützt und Jäger:innen bis heute Befugnisse einräumt, die aus einer anderen Zeit stammen.“

Rechtslücke begünstigt Haustierabschuss

Ein aktuelles Rechtsgutachten der Juristin Univ.-Prof.in Dr.in Erika Wagner (2025) bestätigt diese Rechtslücke: Der Abschuss von Haustieren sei verfassungswidrig, unverhältnismäßig und ethisch nicht vertretbar. Er beruhe auf teils jahrhundertealten Normen, die dem heutigen Mensch–Tier-Verhältnis widersprechen. Außerdem sind Jagdhunde ausgenommen, Familienhunde aber nicht, was eine sachlich kaum haltbare Ungleichbehandlung darstellt. Eines ist sicher: „Neonfarbene Warnwesten beschützen Hunde nicht vor Kugeln“, so Lehner. „Die österreichischen Jagdgesetze stammen aus Zeiten, wo es noch kaum Haustiere in Österreichs Familien gab. Unsere Familienmitglieder gehören deutlich besser geschützt.“

Tierschutz Austria fordert umfassende Reform der Jagdgesetze

Auf Basis der bisherigen Fälle und des Rechtsgutachtens fordert Tierschutz Austria:

  • Ein ausdrückliches, österreichweites Verbot des Haustierabschusses

  • Psychologische Eignungstests für Jagdscheinbesitzer:innen

  • Ein Alkoholverbot bei der Jagd und verbindliche Alkoholtests

  • Sofortiger Entzug von Jagd- und Waffenkarte bei Verstößen

Haustierabschuss auf 98 % der Landesfläche erlaubt – teils sogar verpflichtend

Aktuell dürfen Hunde und Katzen in sämtlichen Jagdgebieten getötet werden, also auf rund 98 % Österreichs. Die Regelungen sind je nach Bundesland unterschiedlich, aber durchwegs problematisch, beispielsweise:

  • Niederösterreich: Abschuss in bestimmten Fällen verpflichtend.

  • Oberösterreich & Tirol: Erlauben die Tötung nach Fang in Lebendfallen.

  • Steiermark: Abschusskriterien wechseln saisonal; oft reichen vage Formulierungen wie „wild jagend“.

Der Fall der Katze Peach zeigt, wie dramatisch diese Regelungen wirken können: Sie wurde in einer Lebendfalle gefangen und anschließend durch einen Kopfschuss getötet. Trotz Anzeige von Tierschutz Austria kam es zu einem Freispruch.

Waffengesetz: Psychologische Gutachten & Alkoholverbot auch für Jäger:innen nötig

Tierschutz Austria kritisiert seit Langem gravierende Sicherheitslücken: Während nach der Waffengesetz-Novelle 2025 viele Waffenbesitzer:innen verpflichtende psychologische Eignungsgutachten vorlegen müssen, sind ausgerechnet Jäger:innen davon weiterhin ausgenommen. Lehner dazu: „Das ist ein untragbares Sicherheitsrisiko, zumal diese Personen mit scharfen Waffen im öffentlichen Raum unterwegs sind.“

Zusätzlich gibt es für die Jagd in Österreich weder eine verbindliche Promillegrenze noch ein einheitliches Alkoholverbot. Andere Länder zeigen, dass es besser geht: In Frankreich ist die Jagd unter Alkoholeinfluss seit 2023 ausdrücklich verboten, „offensichtliche Trunkenheit“ ist dort ein eigener Straftatbestand. Für Tierschutz Austria ist klar: Alkohol und Waffen vertragen sich nicht.

Jeder erschossene Hund, jede getötete Katze ist ein Opfer politischer Versäumnisse“, sagt Lehner abschließend. „Die Menschen in Österreich haben genug. Das 10.070 Unterschriften in nur sieben Tagen. Jetzt ist die Politik am Zug.

Die Unterschriften werden u.a. Minister Totschnig als auch den zuständigen Landesrät:innen, in Niederösterreich etwa Landesrat Pernkopf „übergeben“.

Wir bitten die Bevölkerung uns dabei zu unterstützen und die Petition tatkräftig zu unterstützen. „Es kommt wirklich auf jede einzelne Unterschrift an„, so Michaela Lehner abschließend.

Link
Petition: https://www.tierschutz-austria.at/haustierabschuss-stoppen

Fotos (honorarfrei)
8 Fotos dokumentieren das Ausmaß der Haustierabschüsse

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS. www.ots.at
(C) Copyright APA-OTS Originaltext-Service GmbH und der jeweilige Aussender. Tierschutz Austria

Hinterlasse eine Antwort

Deine Email-Adresse wird nicht veröffentlicht.