„Culture and Health: Time to Act“: EU-Bericht fordert strukturelle Verankerung von Kultur als Gesundheitsfaktor | Brandaktuell - Nachrichten aus allen Bereichen

„Culture and Health: Time to Act“: EU-Bericht fordert strukturelle Verankerung von Kultur als Gesundheitsfaktor

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ARTS for HEALTH AUSTRIA (AfHA), das Bundesministerium für Wohnen, Kunst, Kultur, Medien und Sport (BMWKMS) sowie die Gesundheit Österreich GmbH (GÖG) haben am Donnerstag im Haus der Musik in Wien zur Veranstaltung „Culture and Health: Time to Act“ eingeladen. Anlass war die Präsentation des neuen EU-Berichts „Culture and Health: Time to Act“, der Kunst und Kultur erstmals systematisch als gesundheitsrelevanten Faktor auf EU-Ebene verankert. Der Bericht fordert einen klaren Schritt weg von projektbezogenen Einzelmaßnahmen hin zu dauerhaften Strukturen, Zuständigkeiten und Finanzierung.

„Dieser Bericht ist nur Papier, wenn wir ihn nicht nutzen. Nehmen Sie ihn, machen Sie ihn lebendig und tragen Sie ihn zu Ihren Entscheidungsträger:innen – in Institutionen, Städten, Regionen und Ländern“, sagte Monica Urian von der Europäischen Kommission, Generaldirektion Bildung, Jugend, Sport und Kultur. „Es gibt jetzt ein Momentum. Wir haben diese Brücke zwischen Kultur und Gesundheit gebaut – aber wir müssen sie am Leben halten.“

Vom Projekt zur Systematik

Der EU-Bericht basiert auf einem mehrjährigen offenen Koordinierungsprozess aller Mitgliedstaaten und bündelt internationale Evidenz sowie Good Practice Beispiele. Er zeigt, dass kulturelle Aktivitäten Stress reduzieren, Wohlbefinden stärken und soziale Isolation verringern können – mit Relevanz für zentrale gesellschaftliche Herausforderungen wie Einsamkeit und mentale Gesundheit.

„Kunst und Kultur sind kein Luxus. Sie sind wirksame Elemente von Gesundheitsförderung, Prävention und psychosozialer Unterstützung“, sagte Klaus Ropin vom Fonds Gesundes Österreich, der die Veranstaltung gefördert hat. „Die entscheidende Frage ist nicht mehr, ob Kultur wirkt, sondern wie wir diese Wirkung nachhaltig absichern – jenseits von Projektlogiken.“

Als zentralen Umsetzungshebel nennt der Bericht Social Prescribing – die strukturierte Anbindung von Menschen mit psychosozialen Bedürfnissen aus der Gesundheitsversorgung an kulturelle, soziale und gemeinschaftliche Angebote.

Rolle von ARTS for HEALTH AUSTRIA

ARTS for HEALTH AUSTRIA hat den Prozess in Österreich maßgeblich mit aufgebaut und begleitet die Umsetzung europäischer Empfehlungen in die Praxis.

„Die internationale Evidenz zeigt klar, dass kulturelle Teilhabe gesundheitsrelevant ist. Die Aufgabe besteht nun darin, diese Erkenntnisse in tragfähige Strukturen zu übersetzen – gemeinsam mit Gesundheitswesen, Kulturpolitik und Praxis“, sagte Edith Wolf Perez, Obfrau von ARTS for HEALTH AUSTRIA. Entscheidend sei, „vom Projektdenken wegzukommen und Kultur und Gesundheit als gemeinsame Verantwortung zu begreifen“.

Österreich: Social Prescribing als Brücke

Österreichische Erfahrungen zeigen, dass dieser Ansatz wirksam und im System anschlussfähig ist. Auswertungen aus Pilotprojekten belegen hohe Zufriedenheit bei Patient:innen und eine Entlastung der medizinischen Versorgung.

„Social Prescribing ist eines der wenigen Themen, das im Gesundheitssystem derzeit wirklich positiv diskutiert wird“, erklärte Herwig Ostermann, Geschäftsführer der Gesundheit Österreich GmbH. „Man sieht einen Nutzen, mit dem man oft gar nicht gerechnet hat – und genau das macht es so wichtig, diese Best Practices zu professionalisieren, zu skalieren und dauerhaft abzusichern.“

Keynote: Mentale Gesundheit junger Menschen

In seiner Keynote betonte der Jugendpsychiater Paul Plener von der Medizinischen Universität Wien und dem Allgemeinen Krankenhaus Wien, dass die mentale Gesundheit junger Menschen zu den drängendsten Fragen der Gegenwart zählt.

„Eine der zentralen Herausforderungen unserer Zeit ist, wie wir die mentale Gesundheit junger Menschen unterstützen“, so Plener. Internationale Daten zeigten steigende psychische Belastungen bei Jugendlichen; kulturelle und künstlerische Aktivitäten könnten messbare Effekte auf Wohlbefinden und Resilienz haben – vorausgesetzt, sie seien in wirksame Strukturen eingebettet.

Kulturpolitische Perspektive

„Es gibt eine blühende Wiese an Projekten. Was wir jetzt brauchen, sind bessere Strukturen und vor allem Finanzierung“, sagte Kathrin Kneissel vom Bundesministerium für Wohnen, Kunst, Kultur, Medien und Sport. Entscheidend sei das gemeinschaftliche Erleben von Kunst und Kultur als Kern von Arts & Health.

Ausblick

Die Veranstalter:innen sehen die Tagung als Auftakt für weitere Schritte in Österreich. Im Fokus stehen der Ausbau von Social Prescribing, gemeinsame Qualitäts- und Evaluationsstandards sowie eine stärkere sektorübergreifende Zusammenarbeit – insbesondere mit Blick auf Prävention und Jugend-Mental-Health.

Zur weiteren Umsetzung der Empfehlungen wird 2026 erneut ein nationaler Call von ARTS for HEALTH AUSTRIA ausgeschrieben, um die Entwicklung, Professionalisierung und Verstetigung von Kultur-und-Gesundheit-Initiativen in Österreich gezielt zu unterstützen. Die Ausschreibung des Calls erfolgt im Rahmen der CultureAndHealth Platform, einem von der Europäischen Union und dem Bundesministerium für Wohnen, Kunst, Kultur, Medien und Sport geförderten Projekt.

Fakten aus dem EU-Bericht „Culture and Health: Time to Act“

  • Erstes EU-Policy-Dokument seiner Art: Der Bericht ist das erste offizielle Strategie- und Politikpapier der Europäischen Union, das Kultur und Gesundheit systematisch zusammenführt.

  • Breite Evidenzbasis: Der Bericht stützt sich auf internationale Forschung sowie auf den WHO-Scoping-Review (2019) mit über 3.000 Studien, die positive Effekte von Kunst und Kultur auf Gesundheit und Wohlbefinden belegen.

  • Hohe subjektive Wirkung: Laut Eurobarometer geben 87 Prozent der Europäer:innen an, dass kulturelle Teilhabe ihr emotionales und körperliches Wohlbefinden verbessert.

  • Ökonomischer Nutzen: Internationale Studien – insbesondere aus Großbritannien – zeigen einen Return on Investment von bis zu 1:9 bei kultur- und gesundheitsbezogenen Interventionen.

  • Zentraler Umsetzungshebel: Der Bericht empfiehlt Social Prescribing als Schlüsselmechanismus, um kulturelle und gemeinschaftliche Angebote strukturiert in Gesundheits- und Versorgungssysteme einzubinden.

  • Fokus auf vulnerable Gruppen: Besondere Wirkung wird bei älteren Menschen, Kindern und Jugendlichen, Personen mit psychischen Belastungen sowie bei sozialer Isolation gesehen.

Link zum EU-Bericht: https://op.europa.eu/en/publication-detail/-/publication/be89805d-9cf8-11f0-97c8-01aa75ed71a1/language-en

Link zum nationalen Call: National Call 2026 | ARTS for HEALTH AUSTRIA

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