Eierknappheit in Österreich: Heimische Eierversorgung ist ein Erfolgsmodell – aber keine Selbstverständlichkeit | Brandaktuell - Nachrichten aus allen Bereichen

Eierknappheit in Österreich: Heimische Eierversorgung ist ein Erfolgsmodell – aber keine Selbstverständlichkeit

0 51

Leere Eierregale im österreichischen Lebensmittelhandel rund um Weihnachten sorgten vielerorts für Verwunderung. Gleichzeitig machten sie deutlich: Eine verlässliche Vollversorgung mit hochwertigen, heimischen Eiern ist keine Selbstverständlichkeit. Dabei gilt der österreichische Eiermarkt seit dem Ausstieg aus der Käfighaltung im Jahr 2009 europaweit als Vorzeigemodell.

Die Nachfrage nach heimischen Eiern steigt seit Jahren kontinuierlich. Ausschlaggebend dafür sind der im EU-Vergleich einzigartige hohe Tierhaltungs- und Umweltstandard in der österreichischen Legehennenhaltung sowie das klare Bekenntnis des Lebensmitteleinzelhandels zu Qualität und Herkunft. So bietet der heimische Lebensmitteleinzelhandel ausschließlich österreichische Frischeier mit dem AMA-Gütesiegel an.

Die heimische Produktion ist entsprechend darauf ausgerichtet, den österreichischen Lebensmitteleinzelhandel auch zu Spitzenzeiten zuverlässig mit heimischen Eiern zu versorgen – was im Regelfall auch gelingt. Doch externe Faktoren können das fein austarierte System rasch aus dem Gleichgewicht bringen. Die in anderen europäischen Ländern grassierende Vogelgrippe verursacht regelmäßig Angebotsengpässe, die Österreich zwar nicht direkt treffen, sich aber indirekt auf den Markt auswirken. Gastronomiegroßhändler erhalten ausländische Eier dann nur zu stark erhöhten Preisen. In der Folge deckt sich die heimische Gastronomie vermehrt im Lebensmitteleinzelhandel mit Eiern ein. Dieser zusätzliche, für die Geflügelwirtschaft kaum kalkulierbare Mehrbedarf legt strukturelle Schwachstellen im Gesamtsystem offen.

Vom Küken bis ins Regal: Eier haben eine Vorgeschichte
Was vielen Konsumentinnen und Konsumenten nicht bekannt ist: Bevor ein Ei im Regal liegt, durchläuft es einen langen, exakt geplanten Prozess. Dieser beginnt in der Brüterei, führt über die Junghennenaufzucht zur eigentlichen Legehennenhaltung und Eiererzeugung. Anschließend erfolgen die gesetzlich streng kontrollierte Sortierung und Qualitätsprüfung in der Eierpackstelle sowie eine hoch zeitsensible Logistik, die frische Eier innerhalb kürzester Zeit in den Handel bringt.

Alle diese Stufen sind eng miteinander verzahnt. Verzögerungen oder Ausfälle lassen sich kaum kurzfristig kompensieren. „Produktionssteigerungen sind mittelfristig nur möglich, wenn langfristige Partnerschaften zwischen Produzenten, Vermarktern und Abnehmern bestehen. Hohe Investitionen in tier- und umweltfreundliche Legehennenhaltung werden nur dann getätigt, wenn der Absatz nachhaltig abgesichert ist. Kurzfristig – bis Ostern – ist daher kaum mit einer Entspannung am Eiermarkt zu rechnen. Nach Ostern wird sich die Situation allerdings wieder normalisieren“, erklärt GWÖ-Obmann-Stellvertreter DI Heinz Schlögl.

Hoher Selbstversorgungsgrad – mit klaren Grenzen
„Mit knapp 7,5 Millionen registrierten Legehennen und rund 1,5 Millionen Legehennen in der Kleinsthaltung können wir rechnerisch für jede Österreicherin und jeden Österreicher eine Legehenne halten. Wir produzieren jährlich rund 2,3 Milliarden Eier und decken damit etwa 90 Prozent des heimischen Bedarfs. Dass Österreich heute weitgehend mit Eiern aus eigener Produktion versorgt werden kann, ist das Ergebnis jahrelanger Arbeit und bewusster Entscheidungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette“, betont GWÖ-Obmann-Stellvertreter DI Heinz Schlögl.

Eine vollständige Selbstversorgung ist unter den derzeitigen Rahmenbedingungen jedoch nicht realistisch. Ein zentraler Grund dafür ist die fehlende Transparenz hinsichtlich Herkunft und Haltungsform von Eiern in der Gastronomie sowie in der Lebensmittelindustrie. In diesen Bereichen bleiben Konsumentinnen und Konsumenten über Qualität und Herkunft der verwendeten Eier weitgehend im Unklaren. Entsprechend werden dort häufig günstige Importware aus deutlich niedrigeren Haltungsstandards – unter anderem aus Käfighaltung – eingesetzt.

Kommt es infolge der Vogelgrippe zu Engpässen am europäischen Markt und steigenden Preisen, wird kurzfristig wieder verstärkt auf heimische Eier zurückgegriffen. Nachhaltige und planbare Partnerschaften lassen sich auf diese Weise für die Geflügelwirtschaft kaum realisieren.

Qualität und Verlässlichkeit brauchen und faire Spielregeln
„Die heimischen Eierproduzenten und Vermarkter stehen für Qualität, Verlässlichkeit und Verantwortungsbewusstsein – gegenüber unseren Kundinnen und Kunden ebenso wie gegenüber Tieren und Umwelt. Wir wünschen uns langfristige, planbare Partnerschaften. Wir bieten nicht den billigsten Preis, sondern höchste Standards und Versorgungssicherheit im Interesse der Österreicherinnen und Österreicher“, betont der Obmann der EZG-Frischei, Günther Wenninger.

Um Versorgungsengpässe künftig besser abfedern zu können, braucht es daher klare politische und wirtschaftliche Rahmenbedingungen. Dazu zählt insbesondere eine verpflichtende Herkunfts- und Haltungskennzeichnung von Eiern und Eiprodukten in der Gastronomie sowie in der Lebensmittelverarbeitung. Transparenz schafft Vertrauen, stärkt bewusste Kaufentscheidungen und ist eine wesentliche Voraussetzung für eine stabile, nachhaltige Entwicklung der heimischen Eierversorgung.

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS. www.ots.at
(C) Copyright APA-OTS Originaltext-Service GmbH und der jeweilige Aussender. Geflügelwirtschaft Österreich - GWÖ

Hinterlasse eine Antwort

Deine Email-Adresse wird nicht veröffentlicht.