Erneuerbare Gase: Leistbarkeit und Verfügbarkeit müssen sichergestellt werden | Brandaktuell - Nachrichten aus allen Bereichen

Erneuerbare Gase: Leistbarkeit und Verfügbarkeit müssen sichergestellt werden

0 346

Der Aufbau eines Marktes für grüne Gase ist eine der wesentlichen Säulen einer gelungenen Energiewende. Die Österreichische Papierindustrie geht bereits seit vielen Jahren einen konsequenten Weg der Dekarbonisierung und setzt rund 70 Prozent Energie aus erneuerbaren Quellen in der Produktion ein. Die 23 Austropapier-Mitglieder begrüßen daher Maßnahmen zur weiteren Senkung der CO2-Emissionen in der Industrie. Dazu kann auch erneuerbares Gas beitragen.

Das Potenzial für die heimische Produktion von grünem Gas ist jedoch stark limitiert. Eine Studie der Arbeiterkammer zeigt, dass nur rund ein Viertel des zukünftigen Bedarfs an erneuerbaren Gasen durch inländische Produktion zu decken sein wird. Es ist jedoch von entscheidender Bedeutung, dass sowohl die Verfügbarkeit als auch die Leistbarkeit von grünen Gasen langfristig sichergestellt werden. Ein gesamtgesellschaftlich nützlicher und sinnvoller Übergang von fossilem zu erneuerbarem Gas darf nicht auf Kosten der Wettbewerbsfähigkeit des Industriestandorts Österreich stattfinden.

Hohe Kostenbelastung für Energiekunden
Der Marktaufbau für erneuerbares Gas kann nur dann erfolgreich sein, wenn er kosteneffizient erfolgt, sodass nur die tatsächlichen Gestehungskosten vergütet werden. Grüne Gase sollten überall dort eingesetzt werden, wo sie aufgrund ihrer technischen Eigenschaften unersetzlich sind, etwa bei Hochtemperaturanwendungen in der Industrie. Bei Niedertemperaturanwendungen wie beispielsweise in der Raumwärme gibt es effizientere Lösungen wie Wärmepumpen. Grüne Gase sind dafür ein viel zu wertvoller Brennstoff. Dies ist im aktuellen Entwurf des Erneuerbaren-Gas-Gesetz (EGG) leider nicht berücksichtigt.

Grund dafür ist der starre und viel zu hohe Ausgleichsbetrag von 150 Euro pro MWh bei einer stark ansteigenden Quotenverpflichtung für die Versorger. „Die Produktionskosten für Biomethan betragen laut einer Studie des Energieinstituts der Universität Linz zwischen 62 und 94 Euro pro MWh bei Neuanlagen. Durch den Ausgleichsbetrag von 150 Euro, der weit über den Gestehungskosten von Biogas liegt, wird ein Preisboden eingeführt, der zu einer viel höheren Kostenbelastung von Energiekunden führt,“ rechnet Austropapier-Energiesprecher Enzo Zadra vor.

Die Vergütung von grünen Gasen sollte sich vielmehr in einem marktbasierten System wie den Marktprämien im EAG an den tatsächlichen Gestehungskosten von Biomethan orientieren, um nicht ein künstlich überhöhtes Preisniveau zu schaffen. Eine regelmäßige Anpassung der Förderung ist notwendig, da die Kosten im Zuge des Marktaufbaus weiter fallen werden.

Keine Bestrafung für Gasproduzenten
Importierte grüne Gase mit Herkunftsnachweisen sowie dekarbonisierte Gase müssen auf die Quote angerechnet werden können, um ausreichende Mengen zu vertretbaren Kosten bereitzustellen. Im Sinne der Energieeffizienz sollte selbsterzeugtes Biomethan, das direkt am Erzeugungsort genutzt wird, angerechnet werden können, ohne dass eine Netzeinspeisung erforderlich ist. Der Umweg über ein Gasleitungsnetz ist immer weniger effizient als der Einsatz am Standort, und sollte deshalb nicht durch Quotenverpflichtungen erzwungen werden. Im Sinne des effizienten Wettbewerbs müssen die Kunden von Energieversorgern auch die Möglichkeit bekommen, selbstständig die Biogasquote zu erfüllen und folglich wählen können, ob sie Biogas vom Gasversorger oder über eigenen Einkauf beziehen möchten.

Viele Mitgliedsbetriebe von Austropapier zählen bereits heute sowohl zu Produzenten als auch Verbrauchern von grünen Gasen. „Diese Pionierleistung sollte anerkannt und nicht durch einen Einspeisezwang bestraft werden, der Ressourcen nicht effizient nutzt. Die Mehrkosten für die Energiekunden und die Industrie müssen daher auf ein Minimum beschränkt bleiben,“ erklärt Zadra abschließend.

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS. www.ots.at
(C) Copyright APA-OTS Originaltext-Service GmbH und der jeweilige Aussender. Austropapier - Vereinigung der Österreichischen Papierindustrie

Hinterlasse eine Antwort

Deine Email-Adresse wird nicht veröffentlicht.