TIROLER TAGESZEITUNG, Leitartikel: „Gründe für zu wenig Boden“, von Marco Witting, Ausgabe vom Sonntag, 15. Oktober 2023
Tirol und Wien wären für Zielwerte beim Bodenverbrauch. Doch andere Länder blockieren. Ein kostspieliger Fehler.
Der Bodenfraß muss enden. Dafür gibt es gute Gründe. Schließlich ist es gerade in Tirol mit der unendlichen Weite nicht so weit her. Zumindest so weit, da muss man sich nur durch die Parteien fragen, ist man sich auch einig. Doch wenn sich die Länder nicht einmal eins werden, was eigentlich eine versiegelte Fläche ist, wenn jede Gemeinde dann doch ihre eigene Gewerbezone braucht und der Begriff von Bodenpolitik mit den Stereotypen der 70er-Jahre gedacht wird, dann brauchen wir uns nicht wundern, wenn auch weiterhin 16 Fußballfelder täglich in Österreich verbaut werden. Die Hälfte wird übrigens zubetoniert oder asphaltiert.
Natürlich ist nicht jedes Bauprojekt zu verteufeln. Der Wohnungsbedarf ist da, größer denn je, und die Baubranche ein wichtiger Wirtschaftszweig. Natürlich macht eine Gewerbeansiedlung gegebenenfalls auch Sinn. Aber die vergangenen Monate zeigen: Es ist, was Handel und Gewerbe betrifft, mehr Verlagerung von einem Ort in den anderen als tatsächliche Neuansiedlung. Es braucht ein Bewusstsein, welche Folgen die Versiegelung hat, und mehr Kreativität, wie man Weiterentwicklung trotzdem möglich macht.
Umso wichtiger wäre eine bundesweite Bodenschutzstrategie. Die jedoch liegt weiter auf Eis. Ein Fehler. Mit jedem Tag, an dem das Thema auf die lange Bank geschoben wird, gehen weitere Flächen verloren. Ein Acker dort. Eine Grünfläche da. Es gibt keine guten Gründe, die nicht für verbindliche Zielwerte sprechen, weil man diese Thematik eben nicht lokal lösen kann. Wien und Tirol wären diesen Schritt gegangen. Andere Bundesländer blockierten. Dabei ist Boden halt keine unerschöpfliche Ressource.
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