TIROLER TAGESZEITUNG, Leitartikel: "Absturzgefahr", von Benedikt Mair | Brandaktuell - Nachrichten aus allen Bereichen

TIROLER TAGESZEITUNG, Leitartikel: „Absturzgefahr“, von Benedikt Mair

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Klimawandel heißt nicht nur ein paar Grad mehr. Das zeigt sich immer öfter. Berge bröckeln, Felder verdorren, Wälder brennen, Gletscher schmelzen. Die Erderwärmung lässt sich noch stoppen – mit ehrlicher Politik und klaren Regeln.

   Es gibt kein Zurück mehr zu den guten alten Zeiten. In denen die Nächte im Sommer lau sind und der Schnee im Winter auch im Tal liegt. Das alles wird bald nur noch eine nostalgische Erinnerung sein. So viel Öl und Gas wurde verheizt, so viele Bäume gefällt, so viel Vieh für die tägliche Wurstsemmel gehalten, dass die Konzentration an Treibhausgasen in der Atmosphäre längst viel zu hoch ist. Die Erde erwärmt sich. Immer weiter. Ungebremst.
   Klimawandel bedeutet aber nicht nur ein paar Grad mehr, wie mancher Stammtischredner gern behauptet. Klimawandel heißt, dass die Dürren länger und die Unwetter heftiger werden. Felder verdorren und Wälder brennen, weil die Temperaturen steigen und der Regen ausbleibt. Existenzen zerfallen zu Staub und gehen in Rauch auf. Die Gletscher verschwinden, ein wichtiges, weil natürliches Trinkwasserreservoir versiegt. Immer öfter und mit immer größerer Wucht zeigt sich, was die globale Erwärmung anrichtet. Der Bergsturz am Fluchthorn bei Galtür, ausgelöst durch das Auftauen des Permafrostbodens, ist nur ein weiteres in einer Reihe von vielen Bei­spielen. 
Mit manchen Konsequenzen ihres bisher rücksichtslosen Umgangs mit der Natur wird die Menschheit leben lernen müssen. Egal, was jetzt passiert: Der Klimawandel löst sich nicht in Luft auf, lässt sich nicht annullieren, auch nicht rückgängig machen. Aber er ließe sich stoppen. Wenn Worten endlich Taten folgen und der notwendige Verzicht sowohl offen kommuniziert wie auch klar reglementiert wird.  
   Politiker haben zu lange versucht, die Bevölkerung mit Durchhalteparolen abzuspeisen. Von hohen Ambitionen im Klimaschutz gesprochen und dann doch so weitergemacht wie bisher. Auch in Österreich, auch in Tirol. Technische Innovationen, die, wenn überhaupt, erst in Jahrzehnten einsatzbereit sind, wurden als Heilsbringer angepriesen. Ein bisschen Ehrlichkeit täte gut. Ohne Zumutungen wird es nicht gehen. Alle müssen Emissionen einsparen – vom großen Industriebetrieb bis zum einfachen Bürger. Und weil das Maß an Einsparungen, das erforderlich wäre, mit Freiwilligkeit nur schwer zu erreichen sein wird, braucht es Gesetze und Verordnungen, die den Weg vorgeben.  
Die Klimakatastrophe hat längst begonnen, lässt sich aber noch stoppen. Es ist höchst an der Zeit. Sonst bricht nicht nur ein Berg ab, sondern Chaos aus. Sonst stürzt nicht nur ein Gipfelkreuz zu Tal, sondern die gesamte Gesellschaft sich selbst ins Verderben. 

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