Bundesjugendvertretung: 1 Million Kinder und Jugendliche in Österreich von psychischen Problemen betroffen
Wien (OTS) – Bei ihrem heutigen Pressegespräch zeigte die BJV auf, dass der diesjährige Mental Health Day am 10. Oktober im Zeichen der Coronavirus-Pandemie steht. „Kinder und Jugendliche sind enorm von den Auswirkungen der Pandemie betroffen. Bei vielen hat sich die psychische Gesundheit massiv verschlechtert“, so BJV-Vorsitzender Julian Christian.
Zahlreiche Studien belegen die dramatische Situation für Kinder und Jugendliche, verdeutlicht BJV-Vorsitzende Fiona Herzog: „Jede*r 4. Jugendliche hatte bereits vor der Pandemie psychische Beschwerden. Derzeit leidet mehr als die Hälfte der SchülerInnen an depressiven Symptomen, 16% haben sogar suizidale Gedanken. Für uns als Interessenvertretung ist diese Situation alarmierend.“
„Jedes 3. Kind und jede*r 3. Jugendliche ist von psychischen Belastungen betroffen. Das heißt: 1 Million junge Menschen leiden in Österreich unter psychischen Problemen“, untermauert Julian Christian. Dem gegenüber stehen mangelnde Versorgungskapazitäten, betont der Vorsitzende: „In einigen Bundesländern gibt es derzeit keine Kinder- und Jugendpsychiater*innen mit Kassenvertrag.“
BJV-Kampagne „Die Krise im Kopf“
Um Bewusstsein für die aktuelle Situation schaffen, hat die BJV die Kampagne „Die Krise im Kopf“ gestartet. Herzog erklärt: „Die Krise im Kopf gehört leider für viele Kinder und Jugendliche zum Alltag. Sie betrifft Kinder und Jugendliche unterschiedlichster Altersgruppen und in verschiedenen Situationen in ihrem Leben. Das zeigen wir mit unseren Postkarten, Plakaten und Social Media Sujets.“ Außerdem bindet die BJV junge Betroffene ein und lädt junge Menschen ein, sich kreativ mit dem Thema auseinanderzusetzen. Bei der Mitmachaktion „Und wie geht es dir wirklich“ werden über die BJV-Website Kreativbeiträge gesammelt, um die Situation junger Menschen sichtbar zu machen.
10-Punkte-Charta
Um den akuten Handlungsbedarf für die Politik aufzuzeigen, hat die BJV eine 10-Punkte-Charta für die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen erarbeitet, die an politische VertreterInnen übergeben wird. Im Zentrum steht die Verbesserung der Versorgungslage. „Es darf nicht sein, dass die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen von ihrem Wohnort oder von der Geldbörse ihrer Eltern abhängt“, betont Fiona Herzog. Weiters kommt dem Bereich der Prävention eine starke Rolle zu: „Wir brauchen präventive Maßnahmen, beispielsweise gegen Mobbing. In Österreich sind 10-20% der Schüler*innen Opfer von Mobbing. Aufmerksamkeit muss auch auf den Anstieg von Suchtphänomen gelegt werden, da diese Brandbeschleuniger für psychische Probleme sind“, untermauert Christian.
„Die psychische Krise junger Menschen darf nicht zur versteckten Krise der Pandemie werden. Unser Ziel ist, dass jedes Kind, das psychische Unterstützung braucht, diese unmittelbar erhält. 1 Million Kinder und Jugendliche, die jetzt von psychischen Problemen betroffen sind, dürfen nicht allein gelassen werden“, so Herzog abschließend.
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