Hochschulpolitik in Umbruchzeiten: Badelt-Appell an Universitäten | Brandaktuell - Nachrichten aus allen Bereichen

Hochschulpolitik in Umbruchzeiten: Badelt-Appell an Universitäten

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Wien (OTS) – Mit einem eindringlichen Appell schloss am Montagabend der Leiter des WIFO, Christoph Badelt, seinen Vortrag vor amtierenden und vormaligen Führungskräften der Universitäten. Mit Hinweis auf die globale „politische Umbruchphase, die durch wachsenden Populismus und bedrohliche Tendenzen zur Verhetzung von Menschengruppen oder Institutionen gekennzeichnet ist“, forderte der vormalige WU-Rektor und langjährige Präsident der Universitätenkonferenz (uniko) die Universitäten auf, „sich zu wappnen“ und untereinander Solidarität zu üben. Die Präsidentin der uniko, Eva Blimlinger, bedankte sich in der anschließenden Diskussion im Raiffeisenhaus Wien mit den Worten: „Ich nehme mir den Appell nicht nur zu Herzen, sondern auch zu Hirn.“

Badelt hatte seinen Vortrag unter das Motto „Hochschulpolitik – Außensicht eines früheren Insiders“ gestellt und mehrere Themen, darunter Universitätsfinanzierung und Effizienz, angesprochen, bevor er den Punkt „Universitäten, Populismus, gesellschaftliche Verantwortung“ ausführte. Die derzeit zu beobachtenden populistischen Entscheidungen bauten oft „auf Problemdiagnosen auf, die entweder frei erfunden oder maßlos übertrieben sind“; manchmal würden sie vereinfachende „Lösungsvorschläge“ enthalten, die jeder rationalen Basis entbehren. „Ihr natürlicher Feind ist damit Evidenzorientierung – in der Wissenschaft ebenso wie in der Politik“, erklärte der vormalige Rektor. Dabei komme vor allem den Universitäten, an denen kritisches Denken belohnt und nicht bestraft werde, eine besondere Rolle zu.

„Die Universitäten müssen ihre Rolle deutlicher wahrnehmen als vor 20 Jahren und damit rechnen, dass ihnen politischer Gegenwind entgegen bläst. Dieser beginnt meist mit unsachlicher Kritik, aber auch damit, dass tatsächlich bestehende Probleme übertrieben oder verzerrt dargestellt werden, mit dem Ziel, die Institution an sich zu diskreditieren“, fügte Badelt hinzu. Und weiter: „Der nächstliegende Schritt ist dann, die finanzielle Basis der Unis zu untergraben.“ Beispiele in Ungarn oder der USA zeigten, dass auf finanziellen Druck Regulierungen, Verbote, wie etwa der Genderforschung, und „andere juristische Barrieren“ folgten. Umso wichtiger sei es, so der Ex-Rektor, dass „Universitäten selbstkritisch sind und sich international vernetzen. Aber auch, dass sie untereinander solidarisch sind“.

Eva Blimlinger nahm als uniko-Präsidentin in der anschließenden Diskussion den Ball auf: Die Frage der Solidarität sei in diesem Kontext für die Universitäten „zentral“. Derzeit werden die Vorbereitungen für ein Treffen europäischer Hochschulen im Dezember in Wien organisiert, mit der Zielrichtung, dem Populismus entgegenzuwirken. Das Problem bestehe darin, dass die Evidenz von Fakten derzeit vielfach negiert werde, weil es bei vielen Themen um Emotion gehe. Blimlinger: „Es ist unsere Aufgabe, das Spanungsverhältnis zwischen Emotionalität und Rationalität aufzulösen.“

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