Die Wiener Secession ist ein bedeutendes Kapitel der Kunstgeschichte, das oft mit männlichen Künstlern wie Gustav Klimt, Egon Schiele oder Koloman Moser assoziiert wird. Unbekannt hingegen ist vielen der Beitrag weiblicher Künstlerinnen, die in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts eigene Wege gingen. Eine neue Ausstellung in der Landesgalerie Niederösterreich in Krems schafft jetzt Abhilfe und rückt die kaum bekannte Vereinigung Wiener Frauenkunst in den Fokus.
Diese Künstlerinnengruppe, die sich bildende Kunst, insbesondere Malerei und Grafik, widmete, war eine Plattform für Frauen, die in der von Männern dominierten Kunstszene der Wiener Moderne oft kaum Beachtung fanden. Die Ausstellung beleuchtet nicht nur die Rolle der Secession als künstlerische Avantgarde, sondern zeigt auch, wie Frauen mit eigener Organisation und künstlerischer Identität aktiv und innovativ waren.
Im Mittelpunkt steht Fanny Harlfinger-Zakucka (1873–1954), eine herausragende Persönlichkeit der Vereinigung. Harlfinger-Zakucka war Malerin, Grafikerin und Kunstpädagogin, die mit ihrem Werk und Engagement wichtige Impulse setzte. Sie nutzte Elemente des Jugendstils und des Symbolismus, verband sie mit expressionistischen Ansätzen und trug damit zur Vielfalt der Wiener Kunstlandschaft bei.
Die Ausstellung zeigt zahlreiche Werke, darunter Gemälde, Druckgrafiken und Zeichnungen, die die künstlerische Bandbreite und die Innovationskraft weiblicher Secessionistinnen widerspiegeln. Dadurch wird deutlich, wie diese Künstlerinnen nicht nur gegen die Marginalisierung der Frau in der Kunst kämpften, sondern auch ästhetische Standards der Epoche maßgeblich mitprägten.
Die Ausstellung ist ein wichtiger Beitrag zur Revision der Kunstgeschichte, die lange Zeit männliche Perspektiven dominierte. Sie zeigt auf, dass die Secession auch eine weibliche Avantgarde kannte, die Anerkennung und Sichtbarkeit verdient.
Fakten und Hintergründe:
- Die Vereinigung Wiener Frauenkunst wurde 1910 gegründet, um Künstlerinnen eine eigenständige Plattform zu bieten.
- Fanny Harlfinger-Zakucka war Gründungsmitglied und engagierte sich über Jahrzehnte in der Gruppe.
- Die Wiener Secession wurde 1897 als Ausstellungsplattform für moderne Kunst ins Leben gerufen, dominierte aber zunächst männliche Künstler.
- Die Ausstellung wurde exklusiv in der Landesgalerie Niederösterreich in Krems kuratiert und läuft bis Herbst 2024.
Für Maturant:innen und alle kunstinteressierten Besucher:innen bietet die Ausstellung eine spannende Möglichkeit, mehr über die Rollenbilder und Geschlechterverhältnisse innerhalb der Kunst der Wiener Moderne zu erfahren und die Geschichte unter einem neuen, feministisch aufbereiteten Blick zu entdecken.
Die Präsentation macht es möglich, die Geschichte der Secession um eine ganz wichtige Perspektive zu erweitern: jene der weiblichen Künstlerinnen, die mit Mut und Kreativität gegen Konventionen und Diskriminierung ankämpften und damit einen wesentlichen Beitrag zur europäischen Moderne leisteten.
Weiterführende Links
- https://www.landesgalerie-niederoesterreich.at/ausstellungen/vereinigung-wiener-frauenkunst
- https://de.wikipedia.org/wiki/Wiener_Secession
- https://de.wikipedia.org/wiki/Fanny_Harlfinger-Zakucka
- https://www.kunstgeschichte.at/themenbereiche/modernismus/secession
- https://www.kunstgeschichte-online.com/lexikon/verein-wiener-frauenkunst