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74 % der heimischen Obstvielfalt stark bedroht

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Die Vielfalt der heimischen Obstsorten ist stark gefährdet. Das zeigt der erste große Bericht für ganz Österreich, den heute 17 Obstsammlungen aus dem ganzen Land gemeinsam veröffentlicht haben. Von 2.506 dokumentierten Obstsorten sind drei Viertel bzw. 1.859 Sorten existenzbedroht oder stark gefährdet“, erklärt Manuela Friedler vom Verein ARCHE NOAH, die Expertin für Obstsorten. Nur etwa 24 Prozent der Sorten erfüllen die Mindestkriterien und sind in mindestens drei Sammlungen sicher aufbewahrt. Besonders kritisch ist die Lage bei Sorten, die nur in einer einzigen Sammlung vorkommen. Ihr Verlust wäre endgültig“, so Friedler.

Der Bericht „Obst-Monitoring Österreich – Bericht zum Zustand der Erhaltung und Erforschung der in Österreichs Sammlungen vorhandenen Obstsorten“ beschreibt zum ersten Mal ausführlich, wie es den Obstsorten in ganz Österreich geht. Er enthält auch Empfehlungen für die Politik. Am meisten Sorten gibt es beim Apfel: Insgesamt 1.578 sind in den Sammlungen gelistet. Etwa die Hälfte davon ist bedroht, weil sie nur in einer einzigen Sammlung wachsen. Bei den Birnen sind von 564 Sorten rund ein Drittel gefährdet. Bei Zwetschken sind mehr als 50 Prozent nur in einer Sammlung gesichert. Für Kirschen und Marillen gilt, dass nur jeweils eine Sorte gut abgesichert ist. Pfirsiche sind sogar alle als stark gefährdet oder bedroht eingestuft. Für andere Sorten wie Walnuss, Haselnuss, Edelkastanie, Quitte oder Mispel fehlen oft wichtige Daten, um die Lage richtig einzuschätzen.

Insgesamt zeigen die Ergebnisse, dass in fünf wichtigen Bereichen schnell gehandelt werden muss, um die Obstvielfalt in Österreich dauerhaft zu schützen:

  1. Sorten absichern – Die Obstsorten sollten in mehreren Sammlungen gleichzeitig gepflegt werden. So verringert sich das Risiko, sie zu verlieren.
  2. Sortennamen klären – Das ist wichtig, damit Wissenschaftler und Praktiker genau wissen, um welche Sorten es geht und Verwechslungen vermeiden.
  3. Sammlungen finanziell stärken – Die Obstsammlungen brauchen mehr Geld, damit sie auch in Krisenzeiten gut gepflegt und weiterentwickelt werden können.
  4. Sammlungslücken schließen – Es müssen weitere Sorten gesammelt und gesichert werden, damit keine wichtigen Arten verloren gehen.
  5. Koordination verbessern – Die verschiedenen Sammlungen, das Ministerium, Schulen und Forschungseinrichtungen sollten besser zusammenarbeiten.

Außerdem ist das Streuobst wirtschaftlich sehr wichtig für Österreich. Gerhard Höllinger, ein Produzent von Fruchtsaft, sagt: „Wir stellen Apfelsaft aus Streuobst her. Bäuer:innen aus der Weststeiermark liefern Äpfel verschiedenster Sorten direkt zur Presse. Die Früchte enthalten im Vergleich zu Tafelapfelsorten wie Golden Delicious und Gala mehr Säure und Gerbstoffe. Das macht im Endprodukt einen großen qualitativen Unterschied. Für diesen Direktsaft sind wir auf die Verfügbarkeit des Rohstoffs Streuobst und auf eine große Sortenvielfalt angewiesen.

Trotzdem ist die Sicherung von Sorten in Most- und Wirtschaftsobst in Österreich nicht ausreichend. Gerlinde Handlechner von der Sortensammlung Moststraße erklärt: „Besonders im Mostviertel fehlt eine systematische Sichtung und Dokumentation wertvoller Mostbirnensorten“, Viele Mostbirnensorten existieren nur noch als alte Bäume, junge Nachveredelungen bleiben aus. Die Zeit drängt: Ohne rasches Handeln droht ein unwiederbringlicher Verlust unserer Streuobstkultur.

Die 17 beteiligten Obstsammlungen sind über ganz Österreich verteilt und werden von privaten und öffentlichen Trägern betrieben. Der Verein ARCHE NOAH, der eine der größten Sammlungen hat, koordiniert das Projekt. Die Bedeutung dieser Sammlungen wächst, weil die Vielfalt in privaten Obstgärten und im Streuobstbau immer mehr abnimmt.

Für die genetische Sicherung von Obstsorten sind vor allem die HBLA und das Bundesamt für Wein- und Obstbau in Klosterneuburg zuständig. Karin Silhavy-Richter von diesen Einrichtungen betont: Unser Ziel ist es, die Absicherung der Sorten weiterhin deutlich zu verbessern und die Verifizierung der Sortennamen voranzutreiben. Das kann gelingen, wenn die öffentliche Hand Ressourcen bereitstellt und private und öffentliche Sammlungen an einem Strang ziehen.

Der aktuelle Bericht macht klar: Es braucht eine nationale Strategie, klare Zuständigkeiten, mehr finanzielle Unterstützung vor allem für private Sammlungen und eine systematische Schließung von Lücken in den Obstsammlungen. So kann die Vielfalt der österreichischen Obstsorten langfristig erhalten werden. „Stirbt der letzte Baum einer Sorte, ist sie unwiederbringlich verloren“, warnen die Obstsammlungen.

Mehr zum Bericht und zu den beteiligten Sammlungen erfahren Sie unter: www.obstmonitoring.at

Dieses Projekt wird vom Biodiversitätsfonds des Bundesministeriums für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft unterstützt.

Rückfragen

ARCHE NOAH, Gesellschaft zur Erhaltung und Verbreitung der
Kulturpflanzenvielfalt

Axel Grunt
Leitung Kommunikation
Tel.: +43 (0)680 2379245
E-Mail: axel.grunt@arche-noah.at

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