WWF-Renaturierungs-Atlas zeigt Flussfortschritte in Österreich, Lücken in Tirol | Brandaktuell - Nachrichten aus allen Bereichen

WWF-Renaturierungs-Atlas zeigt Flussfortschritte in Österreich, Lücken in Tirol

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Das Umweltministerium hat eine neue Onlinekarte veröffentlicht. Sie zeigt erstmals genau, wie Österreich die Ziele der EU-Renaturierungsverordnung bei Flüssen erreichen will. Diese Karte basiert auf einer Untersuchung, die das Potenzial für Renaturierung aufzeigt. Laut einer WWF-Studie könnten insgesamt 2.531 Kilometer Flüsse in Österreich wieder natürlich gestaltet werden – davon fast 450 Kilometer schon bis 2030.

WWF-Expertin Marie Pfeiffer erklärt: „Es gibt positive Ansätze in ganz Österreich, aber fachlich höchst fragwürdige Lücken im Tiroler Plan. Mit der Isel fehlt ein Flussjuwel mit besonders hohem Potenzial.“ Sie fordert, dass vor der Übergabe der Pläne an die EU-Kommission die Bundesländer ihre Pläne verbessern, weil derzeit noch viele wichtige Bereiche nicht ausreichend behandelt werden.

Auf EU-Ebene ist das große Ziel, bis 2030 insgesamt 25.000 Kilometer Flüsse wieder frei fließen zu lassen und die natürlichen Auen wiederherzustellen. Diese Auen sind wichtige Lebensräume für viele Tier- und Pflanzenarten sowie Schutzgebiete gegen Hochwasser. „Frei fließende Flüsse mit intakten Auen sichern die Biodiversität, bieten Hochwasserschutz und stabilisieren Wasserressourcen. Hingegen beschleunigen stark verbaute Flüsse das Artensterben und verschärfen Klimarisiken sogar noch“, sagt Marie Pfeiffer vom WWF.

Wie schneiden die Bundesländer ab?

Der Vergleich der Bundesländer zeigt große Unterschiede. Besonders negativ fällt der Plan aus Tirol auf. Zwar gibt es bereits Pläne, die Isel ökologisch aufzuwerten und den Hochwasserschutz zu verbessern. Diese Pläne wurden aber nicht gemeldet. „Das ist sachlich nicht zu rechtfertigen, Tirol hätte weit mehr Potenzial als die gemeldeten 26 Flusskilometer bis 2030“, sagt Pfeiffer. Außerdem wird am Beispiel des Kraftwerks Kaunertal kritisiert, dass frei fließende Abschnitte des Platzerbachs und der Venter Ache als zerstört gelten, obwohl die geplanten Bauprojekte noch nicht genehmigt sind. Pfeiffer weist darauf hin, dass wirtschaftliche Interessen der Wasserkraft hier nicht Vorrang haben sollten.

Weitere Bundesländer: Licht und Schatten

Die Steiermark plant mit 158 Kilometern bis 2030 die größte Renaturierungsstrecke. Besonders wichtig ist hier die Grenzmur mit ihrem umliegenden Auwald, dem zweitgrößten in Österreich, der dringend Schutz braucht. Die Niederösterreich setzt ebenfalls auf Renaturierungen (rund 140 Kilometer bis 2030), wobei die Möglichkeiten durch intensive Landnutzung begrenzt sind. An der March sind aber größere Projekte geplant.

Kärnten will Flussaufweitungen an der Drau umsetzen, nutzt aber Chancen an der Gail noch nicht voll aus. Salzburg unternimmt wichtige Schritte zum Hochwasserschutz an Salzach und Saalach. Im Burgenland sind umfangreiche Renaturierungen vorgesehen, etwa an der Lafnitz wegen der zunehmenden Klimarisiken. Oberösterreich zeigt wenig Aktivitäten bis 2030; wichtige Potenziale, beispielsweise an der Großen Naarn, bleiben ungenutzt. Vorarlberg plant den Rückbau von Querbauwerken und will einen vier Kilometer langen Flussabschnitt am Rasafeibach wieder frei fließen lassen. Wien will Querbauwerke im Mauerbach über etwa drei Kilometer entfernen.

Die Renaturierungs-Karte des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Regionen und Tourismus (BMLRT) kann man hier ansehen: maps.wisa.bmluk.gv.at/frei-fliessende-fluesse

Außerdem gibt es von WWF-Expertin Marie Pfeiffer und einigen ausgewählten Flüssen Bilder, die für die journalistische Berichterstattung genutzt werden können: hier.

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