Weltnierentag: Wiener Gesundheitsverbund betreute 2025 über 30.000 Nieren-Patienten
Chronische Nierenerkrankungen nehmen schnell zu. In Österreich hat schon etwa jeder zehnte Mensch Probleme mit den Nieren. Bis zum Jahr 2040 könnte sogar jede*r fünfte betroffen sein. Damit werden Nierenerkrankungen häufiger als viele Krebsarten und könnten weltweit zu den fünf häufigsten Todesursachen gehören. Der Wiener Gesundheitsverbund spielt dabei eine wichtige Rolle. Im Jahr 2025 wurden dort insgesamt 30.750 Patient*innen mit Nierenerkrankungen, einschließlich Nierenkrebs, behandelt. Davon mussten 15.500 stationär, also im Krankenhaus, versorgt werden. Die häufigsten Diagnosen waren akutes Nierenversagen, Nieren- und Harnleitersteine sowie chronische Niereninsuffizienz, das bedeutet eine dauerhafte Leistungsschwäche der Niere.
Die Niere leidet leise
„Die Niere ist das vergessene Organ. Viele Menschen wissen gar nicht, dass sie krank sind, weil lange keinerlei Beschwerden auftreten“, sagt Sabine Schmaldienst, Leiterin der 1. Medizinischen Abteilung der Klinik Favoriten. Oft werden Probleme mit der Niere nur zufällig entdeckt oder leider erst, wenn Dialyse (Blutwäsche) oder eine Transplantation notwendig werden. Einfache Urin- und Bluttests beim Hausarzt könnten frühzeitig helfen, die Erkrankung zu erkennen. Diese Tests werden aber noch nicht regelmäßig genug genutzt. Besonders für Menschen, die ein höheres Risiko haben, ist es wichtig, mindestens einmal im Jahr solche Kontrollen machen zu lassen. So können mögliche Nierenschäden früh erkannt und behandelt werden.
Zusätzlich helfen neue Biomarker, also spezielle Messwerte im Blut oder Urin, das Risiko einer Nierenerkrankung besser einzuschätzen. Moderne Medikamente können das Fortschreiten der Krankheit verlangsamen. Es entstehen auch neue Fachbereiche wie die Onko-Nephrologie, die sich an der Schnittstelle von Krebs- und Nierenmedizin um betroffene Patient*innen kümmern. „Die Nephrologie erlebt aktuell einen wissenschaftlichen und klinischen Aufschwung, das ist gut für unsere Patient*innen“, sagt Schmaldienst.
Die Niere: Täterin und Opfer
Die Niere gerät oft durch weit verbreitete Krankheiten unter Druck, zum Beispiel durch Bluthochdruck, Diabetes, Übergewicht und Bewegungsmangel. Auch die Menschen werden älter und profitieren von modernen Therapien, zum Beispiel in der Krebsbehandlung, die aber die Niere zusätzlich belasten können. Die Niere kann dabei selbst krank werden, aber auch durch andere Krankheiten geschädigt werden. Für das Gesundheitssystem bedeutet das: Mehr Menschen brauchen Dialyse, mehr Nierentransplantationen sind nötig, und die Behandlungskosten steigen. Ebenso wächst der Bedarf an spezialisierten Ärzt*innen und Pflegepersonal.
Prävention als Schlüssel zum Erfolg
Die beste Chance, Nierenerkrankungen zu verhindern, ist die Vorbeugung. Das bedeutet regelmäßige Kontrollen für Menschen mit Risikofaktoren wie Bluthochdruck oder Diabetes. Außerdem sind eine gesunde Ernährung mit wenig Salz und Zucker, genug Bewegung und das Nicht-Rauchen wichtig. Erste Pilotprojekte in Bundesländern zeigen, dass strukturierte Vorsorgeprogramme Nierenschäden früher entdecken und so bessere Behandlungserfolge ermöglichen.
„Was heute noch als Nischenfach gilt, ist jetzt schon ein zentraler Pfeiler der Medizin“, betont Sabine Schmaldienst. „Je früher wir handeln, desto mehr Menschen können wir vor erkrankungsbedingten Folgeschäden oder einem Leben an der Dialyse bewahren.“