ÖGK-Huss fordert radikale Reformen: So verändern faire Wahlarzt-Regeln und mehr Primärversorgung unser Gesundheitssystem! | Brandaktuell - Nachrichten aus allen Bereichen

ÖGK-Huss fordert radikale Reformen: So verändern faire Wahlarzt-Regeln und mehr Primärversorgung unser Gesundheitssystem!

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Andreas Huss, der Arbeitnehmer:innen-Vertreter der Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK), macht deutlich: „Unser Gesundheitssystem darf nicht in Richtung Zwei-Klassen-Medizin kippen.“ Das bedeutet, die Versorgung soll für alle Menschen gleich bleiben – egal ob jung oder alt, gesund oder krank, arm oder reich. Dieses System basiert auf Solidarität und genau das muss gestärkt werden. Momentan wird viel darüber diskutiert, wie das Wahlarztsystem reformiert werden soll.

Huss unterstützt die Pläne von Gesundheitsministerin Korinna Schumann sehr. Er sagt: „Die Ministerin setzt die richtigen Schwerpunkte. Es geht nicht darum, Privatmedizin abzuschaffen. Es geht darum, klare und faire Rahmenbedingungen zu schaffen, damit Gesundheit kein Luxusgut wird und jede/r wieder den gleichen schnellen Zugang zu notwendigen medizinischen Leistungen erhält.“ Im Klartext bedeutet das: Medizin darf nicht nur für Menschen mit Geld schnell und einfach zugänglich sein.

Hohe Kosten für Wahlarzt-Leistungen – mehr Transparenz und Kostengrenzen nötig

Im Jahr 2025 haben Patient:innen über die ÖGK Wahlarzthonorare im Wert von 768 Millionen Euro eingereicht. Davon wurden aber nur 267 Millionen Euro erstattet, das sind 80 Prozent des Kassenhonorars. Das zeigt, wie stark die Kosten für Wahlarztleistungen gestiegen sind. Huss erklärt: „Das sind enorme Summen, die zeigen, wie stark sich das System verschoben hat. Während Kassenstellen am Land oft schwer zu besetzen sind, wächst der Wahlarztbereich kontinuierlich.“

Für die Patient:innen bedeutet das oft hohe Eigenkosten und Unsicherheit, wie viel sie am Ende zahlen müssen. Huss fordert: „Niemand darf erst mit der Rechnung erfahren, welche finanzielle Belastung auf ihn oder sie zukommt. Transparente Preisspannen bzw. Höchstgrenzen und klare Informationspflichten sind ein Gebot der Fairness.“ Damit könnten Patient:innen besser planen und würden nicht von unerwartet hohen Kosten überrascht.

Die ÖGK unterstützt deshalb die Einführung von bundesweit einheitlichen Regeln zur Transparenz und die Begrenzung der Wahlarzthonorare. In Deutschland gibt es bereits ähnliche Systeme, bei denen klare Regeln eine faire Mischung aus freiberuflicher ärztlicher Arbeit und Patientenschutz schaffen.

Außerdem braucht es einheitliche Regeln für Nebenjobs von Ärzt:innen in öffentlichen Spitälern. Derzeit gelten in den neun Bundesländern unterschiedliche Vorschriften. Zum Beispiel dürfen Ärzte in manchen Bundesländern, die hauptberuflich im öffentlichen Spital arbeiten, nicht zusätzlich in Privatkliniken operieren. Solche Unterschiede führen zu Unklarheiten und Ungerechtigkeiten. Auch das sogenannte „Vorreihen“ von Privatpatient:innen bei Operationen in öffentlichen Spitälern soll gestoppt werden. Die öffentlich bezahlte Spitalsinfrastruktur muss vor finanziellen Interessen einzelner Wahlarzt-Ärzt:innen geschützt werden.

Primärversorgung hilft gegen lange Wartezeiten

Gleichzeitig müssen öffentliche Gesundheitseinrichtungen besser finanziert werden. Huss begrüßt, dass der Gesundheitsreformfonds jährlich 500 Millionen Euro für fünf Jahre zur Verfügung stellt. Dieses Geld soll unter anderem in den Ausbau der Primärversorgung fließen, also in Angebote, die die Grundversorgung verbessern. Dazu gehören Gesundheitszentren für Frauen, psychosoziale Beratungsstellen, Schmerzzentren und Diabeteszentren sowie Präventionsmaßnahmen.

Bis zum Jahr 2030 sollen in Österreich 300 Primärversorgungseinheiten entstehen, aktuell gibt es etwa 112 solcher Zentren. Huss erklärt: „Primärversorgungszentren sind ein Erfolgsmodell. Sie bieten längere Öffnungszeiten, Teamarbeit verschiedener Gesundheitsberufe und entlasten Spitäler ebenso wie Einzelordinationen. Sie bieten auch die von vielen Ärzt:innen gewünschte Teilzeitarbeit. Sie machen Kassenstellen wieder attraktiver und verbessern die Versorgung spürbar.“

Diese neue Organisationsform ist besonders wichtig, weil viele Ärzt:innen bald in Pension gehen und junge Medizinerinnen und Mediziner motiviert werden sollen, im solidarischen Gesundheitssystem zu bleiben.

Solidarität statt Marktwirtschaft

Huss warnt davor, dass das öffentliche Gesundheitssystem langsam geschwächt wird: „Wenn schnelle medizinische Versorgung zunehmend vom Einkommen abhängt, gerät unser solidarisches Modell unter Druck. Das dürfen wir nicht zulassen.“

Er betont, dass Privatmedizin zwar Teil des Systems sein kann, aber in ein klares und gerechtes Regelwerk eingebunden sein muss. „Patientinnen und Patienten sind keine Kundinnen und Kunden in einem beliebigen Markt. Wer krank ist, hat keine, `aktive gestaltbare Marktposition´, befindet sich in einer Ausnahmesituation und braucht Schutz, Transparenz und Verlässlichkeit“, so Huss.

Zum Abschluss sagt Huss: „Wir stehen voll hinter dem Reformkurs der Ministerin. Mit fairen Regeln im Wahlarztsystem und einem konsequenten Ausbau der Primärversorgung sichern wir die Balance zwischen öffentlicher und privater Versorgung – und garantieren auch in Zukunft ein Gesundheitssystem, das für alle gut funktioniert.“

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