Heute fällt die Entscheidung: SPAR vs. VGT – das finale Duell am Wiener Handelsgericht!
Im Juni 2022 hat die Supermarktkette SPAR den Verein gegen Tierfabriken (VGT) verklagt. Der Grund: Der VGT hatte gegen den Verkauf von Schweinefleisch protestiert, das aus Haltung auf Vollspaltenboden stammt, also einem Boden aus durchlässigen Spalten, wo die Tiere stehen. SPAR verkauft in ganz Österreich am meisten Schweinefleisch aus dieser Haltung und ist daher mitverantwortlich für das damit verbundene Tierleid. Statt diese Kritik anzunehmen, ging SPAR mit einer sogenannten SLAPP-Klage dagegen vor. SLAPP-Klagen sind Verfahren, die kritische Stimmen mit langwierigen und teuren Prozessen einschüchtern sollen. Gestern fand der letzte Verhandlungstag in erster Instanz am Handelsgericht Wien statt.
Im Prozess wurde unter anderem Andreas Hubmann gehört. Er hält seine Schweine auf einer tiefen Strohmatte im Freien, in einem Zelt am Feld. Er erklärte, wie wichtig Stroh und andere organische Materialien als Einstreu für Schweine sind. Damit können die Tiere wühlen und sich beschäftigen, was Verletzungen wie angeknabberte Ohren oder Schwänze verhindert. Deshalb müssen bei Strohhaltung die Schwänze nicht kupiert (also gekürzt) werden. Hubmann rechnete vor, dass die gesamte Schweinebranche in Österreich für ca. 200 Millionen Euro auf reine Strohhaltung umstellen könnte. Diese Summe wäre durch bestehende Förderungen für Investitionen wahrscheinlich gut abgedeckt – leider werden diese Förderungen bisher hauptsächlich für den Bau von Vollspaltenboden-Ställen vergeben. Hubmann nannte Schweden als gutes Beispiel: Dort ist der Vollspaltenboden verboten, Stroheinstreu vorgeschrieben, und 85 % des Schweinebedarfs werden im eigenen Land produziert; dieser Anteil steigt weiter.
Auch Prof. Johannes Baumgartner von der Veterinärmedizinischen Universität wurde befragt. Er beschäftigt sich seit vielen Jahren mit Schweinehaltung. Er widerlegte Behauptungen von Zeugen, die SPAR aus der Vollspaltenboden-Branche geschickt hatte. Er sagte: „Der Vollspaltenboden bringt Vorteile für die Tierhalter:innen, aber auf Kosten der Tiere. Bei Strohhaltung ist es genau umgekehrt.“ Beim Vollspaltenboden werden Schweinebabys routinemäßig die Schwänze kupiert, obwohl das in der EU verboten ist – weil sie sich sonst beißen würden. Trotzdem passieren weiterhin Verletzungen durch Beißen. Außerdem beträgt die Sterblichkeit bei Schweinen über ihr gesamtes Leben 20–25 % – das ist sehr hoch.
Zeug:innen von den Supermarktketten Hofer und REWE berichteten, dass sie bereits 35 % bzw. 50 % ihres Schweinefleischs aus Haltungsformen mit besserem Tierschutz verkaufen. Dort stammen die Schweinehaltung mit viel Tiefstroh und Auslauf ins Freie. Das sogenannte „Tierwohlfleisch“ von SPAR dagegen kommt meist aus deutlich schlechteren Haltungsbedingungen, ohne Auslauf und ohne Tiefstroh. Deshalb bezeichneten weder der Tierschutzzeuge noch der Schweinehalter Hubmann dieses Fleisch als „Tierwohlfleisch“. Nach dieser Zeugenaussage war das Beweisverfahren nach vier Jahren vorbei, das Urteil wird schriftlich verkündet.
VGT-Obmann DDr. Martin Balluch sagte dazu: „Diese Klage bedroht uns als Tierschutzverein mit Kosten von Ꞓ 100.000 oder sogar mehr! Im gesamten Verfahren ist klar geworden, dass es SPAR auf einen möglichst langen und ausufernden Prozess anlegt. Unser Angebot auf außergerichtliche Einigung hat SPAR einfach abgelehnt. Das Ziel derartiger SLAPP-Klagen ist es ja, den beklagten Kritiker möglichst lange zu beschäftigen und mit möglichst hohen Kosten zu bedrohen. SPAR will uns mundtot machen. Doch das wird nicht gelingen. Heute nach Ende der Verhandlung haben wir wieder vor SPAR in der Wiener Schottengasse gegen den Vollspaltenboden protestiert!“
Zusätzlich ist zu erwähnen, dass Vollspaltenboden-Haltung aus Tierschutzsicht sehr umstritten ist, da die Tiere wenig Kontakt mit weichen Materialien haben und oft Verhaltensprobleme zeigen. Die Umstellung auf ökologische oder tierfreundlichere Haltungssysteme wird von vielen Experten und Aktivist:innen als dringend notwendig betrachtet. Förderungen, die bisher in intensive Landwirtschaft investiert werden, könnten stattdessen die Umstellung auf bessere Haltung unterstützen. Das Bildungs- und Informationsangebot für Verbraucher:innen zu tierfreundlichen Produkten wächst ebenfalls, was den Markt für solche Fleischangebote verbessert.