TIROLER TAGESZEITUNG "Leitartikel" Ausgabe vom Samstag, 14. Oktober 2023, von Max Strozzi: "Bäder sitzen auf dem Trockenen" | Brandaktuell - Nachrichten aus allen Bereichen

TIROLER TAGESZEITUNG „Leitartikel“ Ausgabe vom Samstag, 14. Oktober 2023, von Max Strozzi: „Bäder sitzen auf dem Trockenen“

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Tirols Bäderlandschaft ist finanziell ausgedörrt und warnt vor einem weiteren Schwimmbadsterben. Es geht um wichtige Infrastruktur für die Menschen, aber auch um eigene Fehler. Jedenfalls ist Eile geboten, das gilt auch für die Bäderstudie.

Es war nicht der erste Hilfeschrei der Tiroler Schwimmbäder und der betroffenen Standort-Bürgermeister, aber einer der lautesten. Nun geht mit Axams das nächste Indoor-Becken vorübergehend baden: Kein Badebetrieb im Winter, immerhin die Sauna bleibt offen. So weit wie in den Wörgler Wasserwelten, in Ehrwald oder im Freizeitzentrum Neustift, die ihre Pforten dauerhaft geschlossen haben, ist die Olympiaregion südlich von Innsbruck noch nicht, zumal dort nächsten Sommer die Becken wieder öffnen sollen. Doch es ist die nächste Einrichtung, die strauchelt. Sie setzt den Trend fort, der sich seit etlichen Jahren abzeichnet. 
   Dass viele Bäder finanziell ausgetrocknet sind, ist nicht neu. Sie galten schon vor der Energiekrise als Zuschussbetriebe, die mit viel Steuergeld betrieben werden. Für die Bevölkerung kann man sich eine solche Infrastruktur leisten, selbst wenn sie defizitär läuft. Es geht um Kinderschwimmkurse, die zum Großteil indoor stattfinden, und um einen Breitensport, der garantiert tödlich ausgeht, wenn man ihn nicht beherrscht. Es geht aber auch um ein Bewegungsangebot für Erwachsene und Senioren, um sich möglichst lange fit zu halten. Es geht um Physiotherapien, um sinnvolle Freizeitbetätigung und erfüllende Familienerlebnisse, um soziale Kontakte, um den reinen Spaß, um ein abgerundetes touristisches Angebot in der Region.
   Die explodierten Energiepreise haben die finanziellen Probleme der Schwimmbäder nun deutlich verschärft – das gilt für Axams, Telfs und Leutasch wie auch für viele andere der rund 20 Hallenbäder in Tirol. Der erneute Ruf nach Finanzhilfen aus dem Landestopf sollte aber auch nicht von eigenen Fehlern ablenken. Betrieb und die laufende Instandhaltung der Schwimmbäder verschlingen viel Geld, das ist jedem vom Start weg klar. Dass sich zwei solche Einrichtungen innerhalb weniger Kilometer auf Dauer nur schwer ausgehen – wie etwa in Seefeld und Leutasch oder wie es im Stubaital der Fall war –, ist damit auch ohne Energiekrise absehbar. Dass früher oder später Renovierungsbedarf besteht oder neue Investitionen nötig sind, ist auch keine Überraschung.
   Unter diesen Vorzeichen ist die Verzögerung bei der Bäder-Bedarfsstudie schwer nachvollziehbar. Im Frühjahr als praktisch gestartet angekündigt, wurde sie erst vergangene Woche in Auftrag gegeben. Am Ende soll sie die Richtung für Tirols Bäderlandschaft vorgeben, etwa einen finanziellen Schulterschluss der Umlandgemeinden. Bis dahin dürfte aber – in Abwandlung einer Redewendung – noch viel Wasser durch die Schwimmbäder fließen. Oder eben nicht mehr.

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