Oö. Volksblatt: „Optimismuss“ (von Manfred MAURER)
Vor zwei Jahren herrschte um diese Zeit Konsens: Nach dem Corona-Horror 2020 konnte es nur besser werden. Die Pandemietragödie strafte die Jahreswendeoptimisten Lügen und dominierte auch das darauffolgende Jahr, dessen Ende ein Schlimmer-kann-es-nicht-mehr-werden-Optimismus prägte. Wieder weit gefehlt: Der Kriegsverbrecher im Kreml erschuf 2022 eine schiache neue Welt. Nichts ist mehr so wie früher und es wird auch nie mehr so sein. Die Welt, Europa, die Ukraine erlebten ein Annus horribilis, dessen Grauen selbst die pessimistischeste Vorstellungskraft überfordert.
Die Politik, die Demokratie, stößt im Umgang mit dem nicht mehr für möglich Gehaltenen an ihre Grenzen. Sie kann Schmerzen lindern, aber nicht heilen. Sie kann Ausgleich für ökonomische Kollateralschäden schaffen, wohl wissend, dass die finanziellen Ressourcen endlich sind. Sie kann nach Frieden streben, aber einen Despoten mit dem Finger am Atomknopf nicht stoppen.
Wie soll vor diesem Hintergrund Optimismus aufkommen? Es ist doch absehbar, dass der Ukraine-Krieg nicht so bald enden wird. Und es ist nicht zu übersehen, dass an vielen anderen Pulverfässern dieser Welt die Zündschnüre brennen. Trotzdem gibt es keine Alternative: Optimismus ist ein Muss. Möge 2023 wider Erwarten zum Annus mirabilis werden. Wunder wird es dafür auch wirklich brauchen …
OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS. www.ots.at
(C) Copyright APA-OTS Originaltext-Service GmbH und der jeweilige Aussender. Oberösterreichisches Volksblatt