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Debatte über aktuelle Herausforderungen im Bildungsbereich

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Wien (PK) – Der Nationale Bildungsbericht 2018 bildete den Auftakt eines längeren Bildungsblocks auf der Tagesordnung der heutigen Nationalratssitzung. Die Abgeordneten machten auf Basis des vom Bundesinstitut für Bildungsforschung, Innovation und Entwicklung des Bildungswesens (BIFIE) verfassten Berichts unter anderem die Vermittlung digitaler Grundkompetenzen, Ganztagsschulen und Maßnahmen zur Gewaltprävention zum Thema.

Der Umgang mit unterschiedlichen Potentialen, die Kosten im Bildungsbereich und die Verteilung der Schülerströme sind drei der zentralen bildungspolitischen Themen, die der 900-seitige Bildungsbericht auf Grundlage nationaler und internationaler Studien behandelt. So geht daraus etwa hervor, dass sich LehrerInnen in Österreich immer öfter fragen müssen, wie man mit dem Fähigkeitsspektrum von SchülerInnen unterschiedlicher Herkunft umgeht. Als Gründe für die wachsende Heterogenität im Bildungssystem werden unter anderem die Migrationsbewegungen nach Österreich und Vorgaben der Vereinten Nationen zur Inklusion genannt.

Faßmann: Migrationshintergrund hat größeren Einfluss auf Bildungsstandard als Bildungshintergrund

Bildungsminister Heinz Faßmann strich aus dem detailreichen Bericht drei Faktoren heraus, die für die Nichterreichung von Bildungsstandards maßgeblich sind. Erstsprache und Migrationshintergrund seien dafür deutlich gewichtiger als der Bildungshintergrund der Eltern, betonte der Minister. Weiterarbeiten müsse man auch an der negativ stringenten geschlechtsspezifischen Differenzierung bei der Schulwahl. Bei der Ausbildung würden sich Burschen nämlich nach wie vor vorwiegend für Berufe im technischen bzw. gewerblichen Bereich, Mädchen vor allem für Berufe aus dem sozial- und wirtschaftsberuflichen Bereich entscheiden. Einen positiven Befund liefere der Bericht zur Dualausbildung, die eine klare Schnittstelle zum Arbeitsmarkt darstelle.

Im EU-Vergleich gibt Österreich überdurchschnittlich viel Geld für Bildung aus, das unterstrich ÖVP-Abgeordnete Angelika Kuss-Bergner. Die derzeitige Regierung sei nun auch am richtigen Weg, die Bildungsziele mit einem differenzierten Schulsystem zu erreichen, meinte sie. Die Maßnahmen von Bundesminister Faßmann hätten ja noch keinen Eingang in den Bericht gefunden, sondern gingen auf seine Vorgängerin zurück. Unter der SPÖ-Führung seien die Probleme mit nicht-deutschsprachigen SchülerInnen nicht angegangen sowie Hochbegabten nicht die notwendige Aufmerksamkeit geschenkt worden, so Kuss-Bergner.

Sonja Hammerschmid (SPÖ) bezeichnete den Bericht als „Daten- und Wissensschatz“. Er sei eine sehr umfassende Zusammenschau über das österreichisches Bildungswesen mit objektiven Handlungsempfehlungen, an dem viele WissenschaftlerInnen mitgearbeitet haben. Es sei das „Gebot der Stunde“, mit diesen Fakten zu arbeiten. Sie sprach sich für autonomes Gestalten an den Schulstandorten sowie für moderne Unterrichtsmethoden und neue Lehrformen aus, die das „Lernen lernen“ und die Talente der SchülerInnen in den Vordergrund stellen. Die Wiedereinführung von Leistungsgruppen bezeichnete sie als bedauerlichen Rückschritt, weil er Team-Teaching immer unattraktiver mache.

Förderung digitaler Kompetenzen

Laut Bericht sollte die Vermittlung digitaler Kompetenzen im schulischen Bildungsangebot in Österreich noch mehr Bedeutung erhalten. Diese Einschätzung teilten neben der SPÖ-Bildungssprecherin auch die ÖVP-Abgeordneten Nico Marchetti und Maria Theresia Niss sowie Douglas Hoyos-Trauttmansdorff (NEOS). Im Bereich Digitalisierung gebe es viel Aufholbedarf – nicht nur in der Schule, sondern auch bei der Erwachsenenbildung, meinte Marchetti. Auch bei der Medienkompetenz und bei der politischen Bildung gelte es seiner Ansicht, die Lücken zu füllen. Die digitale Transformation erfordere Flexibilität und kritisches Denken, um die Herausforderungen der Zukunft lösen und wirtschaftlich beständige Produkte entwickeln zu können, sagte seine Fraktionskollegin Niss. Den SchülerInnen sollte man neben Basiswissen auch Motivation und Neugierde vermitteln. Der Bildungsminister sagte dazu, dass man bei der Förderung digitaler Kompetenz auf die richtige Balance achten müsse, besonders im Kindergartenalter.

Ausbau der Ganztagsschulen

Mit Blick auf die Schülerströme zeigt der nationale Bildungsbericht auf, dass ganztägige Schulformen und das Gymnasium vor allem im städtischen Bereich genutzt werden. Durch die Berufsbildenden Höheren Schulen werden regionale Unterschiede bei der Schulwahl etwas ausgeglichen. Den Ausbau der Ganztagsschulen erachtete Mandatarin Hammerschmid (SPÖ) als dringend notwendig. Auch Elisabeth Feichtinger (SPÖ) appellierte an die Regierung, darin weiter zu investieren. Weil Angebot und Wahlmöglichkeiten am Land fehlen, erschwere das die Vereinbarkeit von Beruf und Familie und führe zur Abwanderung qualifizierter Frauen, sagte sie. Ebenso gelte es, bei der Nachmittagsbetreuung eine Verbesserung im ländlichen Raum zu schaffen, brachte FPÖ-Abgeordneter Christian Schandor in die Debatte ein. Hoyos-Trauttmansdorff (NEOS) forderte die Möglichkeit einer kostenlosen Ganztagsschule insbesondere für Brennpunktschulen. Er kritisierte, dass die Bundesregierung hierbei die Mittel ausdünne und schlug vor, Gelder indexbasiert zu verteilen, um sie dorthin zu bringen, wo sie von SchülerInnen und Lehrpersonal besonders gebraucht werden.

Maßnahmen zur Gewaltprävention

Gerald Hauser (FPÖ) ortete die aktuellen Herausforderungen im Bereich der Bildung anderswo. Die „wirklichen Probleme“ des österreichischen Schulwesens sind ihm zufolge Gewalt und zunehmende Parallelgesellschaften in den Schulen sowie fehlende Deutschkenntnisse. Davor hätte seine Fraktion stets gewarnt, so Hauser. Künftig werden diese Themen nicht mehr unter den Tisch gekehrt, betonte er. Auch Abgeordnete Stephanie Cox (JETZT) griff das Thema Gewalt an Schulen auf. Mobbing und Gewalt seien leider Alltag an Österreichs Schulen, sowohl für SchülerInnen als auch für das Lehrpersonal, meinte Cox. Dies gelte es in einem ganzheitlichen Denkansatz nachhaltig zu bekämpfen, etwa durch die stärkere Miteinbeziehung der Eltern, Personalaufstockung, einen gemeinsamen Ethikunterricht sowie durch mehr Schulautonomie. Abgeordnete Feichtinger (SPÖ) sieht die hierfür von Bildungsminister Faßmann angedachten „Time-out“-Klassen als allerletzte Instanz zur Gewaltprävention. Wichtiger wäre es ihr, mehr SchulpsychologInnen und SozialarbeiterInnen einzusetzen. Dazu sagte der Minister, dass er dem komplexen Problem mit einem ausgewogenen Programm begegne, bestehend aus Präventionsmaßnahmen, der Stärkung von Konfliktresilienz sowie Akutmaßnahmen. (Fortsetzung Nationalrat) fan

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