„Chiemsee – Juwel der Alpen“ im „Universum“-Porträt
Wien (OTS) – Vor 10.000 Jahren, am Ende der letzten Eiszeit, aus einem sterbenden Gletscher hervorgegangen, ist der Chiemsee – obwohl auch er ständig schrumpft – der größte See in Bayern. 80 Quadratkilometer Wasserfläche am Nordrand der Alpen sind nicht nur ein wichtiges Etappenziel für Kraniche und andere Zugvögel auf ihrem Wechsel zwischen Nord und Süd, sondern auch kostbarer Lebensraum für ganzjährige Seebewohner. Von der Zwergmaus bis zum Haubentaucher, vom Wasserfloh bis zum Hecht haben sie alle ihren Platz in Jan Hafts „Universum“-Dokumentation über das „Juwel der Alpen“ – den Chiemsee –, die ORF 2 am Dienstag, dem 4. September 2018, um 20.15 Uhr zeigt.
Wenn der Frühling mit seinen Schmelzwassermassen für teils verheerende Überschwemmungen sorgt, ist es für die Hechte Zeit, den See zu verlassen. Gezielt schwimmen die gut einen Meter langen Raubfische ins gefährlich seichte Wasser der überfluteten Wiesen. Dort legen sie ihren Laich ab – und kehren rasch wieder in die sicheren Tiefen des Sees zurück. Für die winzigen Fische, die aus den Hechteiern schlüpfen, ist das flache Wasser mit seinem Dickicht aus Halmen und Stängeln jedoch die ideale Kinderstube: Hier können sie sich gut vor Fressfeinden verstecken – und proteinreiche Insektenlarven gibt es auch in Hülle und Fülle. Auch in der Vogelwelt ist im Frühling der Nachwuchs das Hauptthema. Für Haubentaucher, Rohrweihe und viele Singvogelarten bietet das Schilf entlang des Sees ideale Brutplätze. Während die Rauchschwalben für ihre Brut unermüdlich Insekten aus der Luft holen, überlässt der Kuckuck die Aufzucht seines Jungen dem ahnungslosen Teichrohrsängerpaar. Ein – nördlich der Alpen – verblüffender Anblick ist eine kleine Schar Flamingos. Aus Volieren entkommen, haben sie erstaunlicherweise am Chiemsee eine neue Heimat gefunden.
Im sogenannten Deutschen Eck gelegen, wird der See von der Tiroler Ache und der Prien mit Wasser aus den Chiemgauer Alpen und dem Kaisergebirge gespeist. Sein einziger Abfluss – die Alz – mündet in den Inn und führt das Wasser weiter in die Donau. Die Bayern nennen ihren größten See liebevoll das Bayerische Meer. Mit der majestätischen Alpenkulisse im Hintergrund zieht der See jährlich auch gut eine halbe Million Urlauber an. Sie kommen nicht zuletzt wegen Schloss Herrenchiemsee, Ludwigs II. ehrgeizigem Projekt, auf der größten Insel im See ein Pendant zu Schloss Versailles entstehen zu lassen. Das Schloss blieb unvollendet, doch des Bayernkönigs Vision hat die Insel vor rigorosem Abholzen bewahrt und somit einen kostbaren Wald erhalten, der im Dunkel der Nacht ein faszinierendes Schauspiel bietet: Wenn die Pilze an den alten Baumriesen ihre Sporen dem Wind anvertrauen, finden sich die Larven der Pilzmücke ein, um sich an den Sporen satt zu fressen. Sie verströmen dabei ein bläuliches Licht, das über die Baumpilze huscht und dem Wald auf der Herreninsel eine märchenhafte Atmosphäre verleiht.
Im Wasser des Sees wachsen die Larven der Gemeinen Stechmücke heran. So lästig uns Menschen die blutsaugenden Quälgeister auch sind, in der Nahrungskette des Chiemsees sind sie – ebenso wie die Eintagsfliegen und viele andere Insekten – unentbehrlich. Wenn sie die Wasseroberfläche zur Eiablage ansteuern, warten schon jede Menge hungrige Mäuler und Schnäbel auf sie, die Larven von Halmfliege und Gallmücke wiederum bilden die Lebensgrundlage für viele Singvogelarten und Amphibien. Auch die unzähligen winzigen Fische, die mit der Zeit – und mit reichlich Nahrung – zu stattlichen Exemplaren von Barsch, Mairenke und Hecht heranwachsen, wären ohne die Myriaden Mücken am See chancenlos. Fast unsichtbar – obwohl gut eineinhalb Zentimeter lang – ist der Glaskrebs. Er ist der größte Wasserfloh der Welt und macht im Chiemsee Jagd auf kleinere Wasserflöhe und Hüpferlinge. Tagsüber hält er sich in gut 20 Metern Tiefe auf, in den Nachtstunden kommt er auch in höhere Wasserschichten.
Drei Jahre lag Naturfilmer Jan Haft auf der Lauer, um auch noch die verborgensten Bewohner des Chiemsees mit der Linse einzufangen. In eindrucksvollen Bildern zeigt seine Dokumentation auch die faszinierenden Zusammenhänge, die dieses Ökosystem möglich machen.
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