Neurodermitis: Juckreiz lindern, Schübe vermeiden
Wien (OTS) – Zwischen fünf und 20 Prozent der Kinder leiden an Neurodermitis, bei Erwachsenen sind bis zu zehn Prozent betroffen. Typisch für die Erkrankung, bei der die Barrierefunktion der Haut gestört ist, sind sehr trockene Haut, ausgedehnte Ekzeme und quälende Juckreizattacken. Die verschiedenen Hautareale sind dabei unterschiedlich stark betroffen. Bis zum zweiten Lebensjahr herrschen meist Ekzeme im Gesicht, auf der Kopfhaut und an den Streckseiten der Extremitäten vor; später sind es oft Beugeekzeme – etwa im Bereich der Ellenbeugen oder Kniekehlen. Neurodermitis verläuft sehr wechselhaft – sowohl was die Dauer als auch was die Schwere anlangt.
Die einzelnen Krankheitsschübe selbst können durch unterschiedliche Auslöser (Trigger) verursacht werden. „Vorrangig müssen die Trigger für den Schub ermittelt werden, was oft nicht ganz einfach ist“, erklärte MR Dr. Johannes Neuhofer, Dermatologe und Obmann der Bundesfachgruppe Dermatologie der ÖÄK bei der Pressekonferenz im Vorfeld des Europäischen Neurodermitis-Tages am 14. September. Mögliche Auslöser für einen Schub können beispielsweise häufiges Waschen, Hausstaubmilben, Pollen, Tierhaare oder aber auch bestimmte Nahrungsmittel wie Zitrusfrüchte sein; ebenso auch Umweltfaktoren wie Dieselabgase oder Tabakrauch, psychische Belastung und Stress, extreme Hitze und extreme Kälte. Wichtigster Risikofaktor ist die Vererbung: Das höchste Risiko für die Entstehung einer Neurodermitis hat ein Kind, wenn beide Elternteile an der Erkrankung leiden.
In den letzten Jahrzehnten ist ein deutlicher Anstieg der Zahl an Neurodermitis-Betroffenen zu verzeichnen – dafür verantwortlich sind in erster Linie veränderte Umweltbedingungen und auch der westliche Lebensstil. „Da Neurodermitis die Lebensqualität der Betroffenen massiv beeinträchtigt, ist es von besonderer Bedeutung, dass rasch die Diagnose gestellt und umgehend mit einer zielgerichteten Behandlung begonnen wird“, betonte Univ. Prof. Dr. Thomas Szekeres, Präsident der Österreichischen Ärztekammer.
Die Behandlung der Neurodermitis selbst setzt sich aus einer Vielzahl von Maßnahmen zusammen, die „individuell auf den Patienten abgestimmt werden“, erklärt Univ. Prof. Dr. Matthias Schmuth, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Dermatologie und Venerologie (ÖGDV). Individuelle Faktoren, die eine Neurodermitis auslösen können, sollten reduziert oder vermieden werden. Die Hautpflege mit rückfettenden Präparaten steht – auch in beschwerdefreien Zeiten – an erster Stelle. Je nach dem Ausmaß der befallenen Hautstellen erfolgt die Therapie lokal mit Cremen oder Salben. Reicht das bei mittelschwerer bis schwerer Neurodermitis nicht aus, ist eine systemische Therapie in Form von Tabletten oder Injektionen erforderlich. Dabei kommen Immunsuppressiva wie Cyclosporin, Azathioprin oder Methotrexat zum Einsatz, die aus der Transplantationsmedizin bekannt sind. Weiters gibt es seit dem Vorjahr eine gezielte Antikörpertherapie. Dabei blockiert ein monoklonaler Antikörper einen Abschnitt des Interleukin 4-Rezeptors auf der Oberfläche von Immunzellen, wodurch die Immunreaktion und in der Folge auch die typischen Erscheinungsformen der Neurodermitis gedämpft werden.
Neurodermitis beeinträchtigt nicht nur die Lebensqualität, sondern auch die schulische Leistung und die Berufstätigkeit und stellt somit insgesamt eine massive psychische Belastung für die Betroffenen dar. Durch die quälenden Juckreizattacken ist auch der Schlaf beeinträchtigt.
Um Betroffene und auch Angehörige im Umgang mit der Erkrankung zu unterstützen, werden strukturierte Neurodermitis-Schulungen – genannt „AGNES“ (Arbeits-Gemeinschaft NEurodermitis-Schulung) – angeboten. Dabei werden Betroffene und Angehörige mit den medizinischen Grundlagen der Neurodermitis vertraut gemacht. „Darauf aufgebaut werden – gemeinsam mit Psychologen – Maßnahmen für den Umgang mit der Krankheit erarbeitet“, erzählt Univ. Prof. Dr. Beatrix Volc-Platzer, Vorstand der Dermatologischen Abteilung am Krankenhaus Donauspital -SMZ Ost in Wien. Die Betroffenen lernen Strategien, um weitere Hautirritationen zu vermeiden, um den starken Juckreiz zu kontrollieren und das Kratzen zu vermeiden. Die positiven Auswirkungen der Schulungen sind mittlerweile in zahlreichen kontrollierten klinischen Studien nachgewiesen.
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