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Corona-Effekt und Zukunftsangst: Warum Kinder- und Jugendpsychiatrie weiter stark gefragt ist

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Corona-Effekt und Zukunftsangst: Warum Kinder- und Jugendpsychiatrie weiter stark gefragt ist

Die Zahlen aus der Kinder- und Jugendpsychiatrie zeigen ein deutliches Signal: Die Belastung vieler Minderjähriger ist weiterhin hoch. Besonders seit der Corona-Pandemie berichten Fachleute von mehr psychischen Krisen, mehr Angststörungen und mehr depressiven Symptomen bei Kindern und Jugendlichen. Auffällig ist dabei, dass vor allem Mädchen betroffen sind.

Ein zentraler Begriff in diesem Zusammenhang ist die zwangsweise Unterbringung. Gemeint ist eine stationäre Aufnahme gegen den Willen der betroffenen Person, wenn eine akute Selbst- oder Fremdgefährdung vorliegt. Dass die Zahl solcher Fälle 2020 im Vergleich zu 2019 um rund ein Drittel gestiegen ist, zeigt: Der Bedarf an schneller Hilfe ist groß. Fünf Jahre später hat sich die Situation vielerorts noch immer nicht spürbar entspannt.

Expertinnen und Experten nennen mehrere Gründe. Erstens hat die Pandemie soziale Kontakte, Schulalltag und Freizeit stark eingeschränkt. Zweitens verstärken heute oft auch Zukunftsängste rund um Klima, Krieg, Leistung und soziale Medien die psychische Belastung. Drittens werden Probleme manchmal zu spät erkannt, etwa wenn Rückzug, Schlafstörungen oder ständige Gereiztheit als „normale Pubertät“ abgetan werden.

Zu den häufigsten Diagnosen zählen Depressionen, Angststörungen, Essstörungen und Selbstverletzungen. In der Fachsprache spricht man dabei von einer psychischen Komorbidität, wenn mehrere Belastungen gleichzeitig auftreten. Wichtig ist: Frühe Hilfe kann vieles abfangen. Kinder- und Jugendpsychiatrie bedeutet nicht automatisch lange stationäre Aufenthalte; oft helfen auch ambulante Angebote, Gesprächstherapie, Familienarbeit und Krisenintervention.

Für Eltern, Lehrkräfte und Angehörige gilt daher: Wer Veränderungen bemerkt, sollte aufmerksam bleiben. Anzeichen wie dauerhafte Niedergeschlagenheit, sozialer Rückzug, starke Ängste oder Leistungsabfall sind ernst zu nehmen. Je früher Unterstützung kommt, desto besser sind die Chancen auf Stabilisierung.

Das Thema betrifft nicht nur Jugendliche, sondern die ganze Gesellschaft. Denn psychische Gesundheit ist ein langfristiger Faktor für Bildung, Arbeitsfähigkeit und Lebensqualität. Gerade deshalb braucht es gut erreichbare Hilfsangebote, mehr Prävention und mehr Verständnis für die seelische Lage junger Menschen.

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