In Scheidungsverfahren tauchen immer häufiger psychologische Begriffe wie „toxisch“ oder „narzisstisch“ auf, um das Verhalten des Gegenübers zu beschreiben. Dieses Phänomen wird als Therapy Speak bezeichnet – also die Verwendung spezifischer psychologischer Fachtermini in alltäglichen oder juristischen Kontexten.
Obwohl diese Begriffe in der Alltagssprache weit verbreitet sind und in Therapiesitzungen helfen können, führen sie vor Gericht oft zu mehr Verwirrung und Misstrauen als zu einer klaren Konfliktlösung. Richter:innen und Rechtsanwält:innen legen Wert auf konkrete und nachvollziehbare Beschreibungen statt auf subjektive Werturteile. So kann etwa das Label „toxisch“ als wertend und wenig objektiv wahrgenommen werden.
Studien aus dem Bereich Forensische Psychologie zeigen, dass Gerichtsverfahren, die auf klar strukturierten Beobachtungen und empirisch belastbaren Aussagen basieren, erfolgreicher sind als jene, die von stark emotional gefärbten Begriffen geprägt sind. Das bedeutet, dass es effektiver ist, konkrete Beispiele von Verhalten wie „regelmäßige verbale Herabsetzungen“ oder „Systematisches Ignorieren von Absprachen“ zu nennen, anstatt solche Pauschalbegriffe zu verwenden.
Im Kontext des Familienrechts ist außerdem zu beachten, dass Gutachter:innen und Richter:innen sich auf evidenzbasierte Feststellungen stützen. Daher raten Expert:innen, Konflikte so genau wie möglich, sachlich und nachvollziehbar zu schildern, um im schlimmsten Fall das Sorgerecht, Unterhaltsfragen oder Besuchsrechte nicht negativ zu beeinflussen.
Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass Therapy Speak zwar in der psychotherapeutischen Arbeit wichtige Funktionen hat, in juristischen Auseinandersetzungen jedoch oft kontraproduktiv wirkt. Wer vor Gericht seine Position stärken und Verständnis für die eigene Sichtweise schaffen möchte, sollte lieber auf konkrete, objektive und präzise Formulierungen setzen.
Weitere hilfreiche Tipps zur Konfliktbewältigung vor Gericht und zur wahren Bedeutung psychologischer Fachbegriffe können Ihnen speziell ausgebildete Mediator:innen und Familienrechtsanwält:innen geben.
Weiterführende Links
- https://www.familienrecht.de/entscheidungen/psychologische-begriffe-vor-gericht/
- https://www.psychologie-heute.de/news/detailansicht/psychologische-begriffe-und-ihr-missbrauch.html
- https://www.forensischepsychologie.de/therapyspeak-und-familienrecht/
- https://de.statista.com/themen/1241/scheidungen-in-oesterreich/