Nelly Sachs gilt als eine der bedeutendsten Stimmen der jüdischen Literatur nach dem Zweiten Weltkrieg. Ihre Gedichte verarbeiten den unvergleichlichen Schmerz und die Tragödie des Holocaust mit einer tiefen, oft symbolisch aufgeladenen Sprache, die zwischen Trauer und Hoffnung oszilliert. Im Herzen Wiens, im Stadtteil Leopoldstadt, dem jüdischen Zentrum, schafft Theater Hamakom nun eine Bühne für diese poetische Auseinandersetzung mit Leid und Erinnerung.
Unter der Leitung von Ingrid Lang, einer erfahrenen Prinzipalin und Regisseurin, wurde ein Abend konzipiert, der Nelly Sachs’ Texte nicht einfach nur vorträgt, sondern vielseitig interpretiert. Die Inszenierung stellt sich bewusst sperrig und spröde dar, was der Komplexität und Tiefe von Sachs’ Werk entspricht. Mit einer vielgestaltigen Dramaturgie, die visuelle, akustische und performative Elemente vereint, entstehen Eindrücke, die die Zuschauer emotional fordern und intellektuell anregen.
Das Theater Hamakom ist dabei mehr als nur ein Veranstaltungsort: Es fungiert als ein Raum des kulturellen Erinnerns und der Begegnung mit der jüdischen Identität in Wien. Diese lokale Verankerung spielt eine bedeutende Rolle, da Nelly Sachs’ Werk stark von der jüdischen Erfahrung in Europa geprägt ist. Die bewusste Wahl des Ortes verstärkt die Symbolik und Authentizität der Aufführung.
Die Verbindung von Literatur und Theater bildet eine fruchtbare Schnittstelle, insbesondere wenn es um so komplexe Themen wie Shoah und Trauma geht. Fachbegriffe wie Intermedialität, Symbolismus und Performativität beschreiben hier das Zusammenspiel von Sprache, Bild und Körperlichkeit, das das Stück ausmacht.
Wichtig ist auch der didaktische Wert der Aufführung, die junge Menschen – etwa Maturanten – dazu einlädt, sich mit jüdischer Kultur, Geschichte und der Bedeutung von Poesie als Medium des Erinnerns auseinanderzusetzen. Die Inszenierung schafft so einen Zugang zu schwierigen Themen und regt zum Nachdenken über Menschlichkeit und Erinnerungskultur an.
Insgesamt zeigt das Theater Hamakom mit diesem Projekt eindrucksvoll, wie Theater als kulturelle Praxis des Erinnerns funktionieren kann. Die vielschichtige und anspruchsvolle Inszenierung für Nelly Sachs‘ Poesie des Schmerzes ist ein Ereignis, das sowohl ästhetisch als auch intellektuell bereichert.
Für weitere Informationen und aktuelle Termine besuchen Sie Theater Hamakom und das Nelly-Sachs-Gesellschaft.
Weiterführende Links
- https://www.hamakom.at
- https://www.nellysachs.de
- https://de.wikipedia.org/wiki/Nelly_Sachs
- https://www.literaturhaus.at/veranstaltungen/veranstaltungdetail/nelly-sachs