Jugendstudie: Sinkende Zufriedenheit mit Demokratie
Heute stellten Bildungsminister Christoph Wiederkehr, Martina Ott, Hochschulprofessorin am Institut für Bildungssoziologie an der PH Vorarlberg, und Nikolaus Janovsky, Rektor der KPH Edith Stein und stellvertretender Vorsitzender der RÖPH die Ergebnisse einer großen Studie über Jugendliche vor.
Die neue Studie „Lebenswelten 2025“ gibt einen guten Einblick, wie junge Menschen zwischen 14 und 18 Jahren in Österreich leben. Im Frühjahr 2025 wurden mehr als 15.000 Schülerinnen und Schüler aus den Schulstufen 8 bis 12 befragt. Diese Studie wurde bereits zum zweiten Mal von allen 14 Pädagogischen Hochschulen in Österreich gemeinsam durchgeführt und ist repräsentativ für Jugendliche im Bildungssystem.
Die Ergebnisse zeigen ein buntes Bild: Die meisten Jugendlichen sind optimistisch, wenn sie an ihre Zukunft denken. Gleichzeitig haben gesundheitliche Probleme, Sorgen und gesellschaftliche Spannungen zugenommen.
Was Jugendlichen wichtig ist: Beziehungen, Bildung und Lebensqualität
Jugendliche finden stabile soziale Kontakte, eine gute Ausbildung und Freude im Leben sehr wichtig.
84 % der Befragten sagen, stabile Beziehungen sind besonders wichtig, 70 % legen Wert auf eine gute Ausbildung und 69 % möchten ihr Leben genießen. Zudem gibt es einen kleinen Wandel bei den Werten: Mehr Jugendliche wollen einen hohen Lebensstandard (von 44 % in 2020 auf 48 % in 2025), und sie möchten mehr Einfluss und ihre eigenen Interessen durchsetzen. Dagegen sind Werte wie Toleranz und Umweltbewusstsein etwas weniger wichtig geworden.
In ihrer Freizeit hören die Jugendlichen meist Musik (70 %), nutzen soziale Medien (68 %) oder verbringen Zeit zu Hause (50 %). Außerdem haben sie klare Vorstellungen von Beruf und Partnerschaft: Sie wünschen sich mehr Freizeit, höhere Einkommen und bessere Chancen beruflich aufzusteigen. Auch traditionelle Werte wie eine Familie zu gründen und gemeinsame Werte mit dem Partner sind weiterhin wichtig.
Wie es Jugendlichen geht: Optimismus trotz wachsender Belastung
Obwohl viele globale Krisen belasten, sind 88 % der Jugendlichen optimistisch oder eher optimistisch, was ihre Zukunft angeht. Dabei gibt es Unterschiede zwischen Jungen, Mädchen und verschiedenen sozialen Gruppen. Freundschaften sind sehr wichtig: 76 % reden bei Problemen mit Freund:innen. 11 % haben jedoch niemanden, mit dem sie sprechen können.
Die Gesundheit vieler Jugendlicher ist jedoch besorgniserregend:
Ein Drittel leidet häufig unter schlechten Stimmungen, Schlafproblemen oder Schmerzen. Seit 2020 ist die Belastung deutlich gestiegen, besonders junge Frauen, divers geschlechtliche Jugendliche sowie Jugendliche aus ärmeren Familien sind betroffen. Zu den größten Sorgen gehören familiäre Probleme (41 %), schwere Krankheiten (38 %) und Krieg in Europa (36 %).
Schule als Lebensraum: Hohe Erwartungen, begrenzte Mitbestimmung
Bildung ist für Jugendliche sehr wichtig:
22 % wollen eine Lehre machen, 24 % eine berufsbildende höhere Schule besuchen und 19 % planen ein Studium an der Universität. Die Qualität des Unterrichts wird generell positiv bewertet:
80 % sagen, die Klassen werden gut geleitet, etwa zwei Drittel finden den Unterricht geistig herausfordernd und 75 % bekommen hilfreiches Feedback. Allerdings gibt es wenig Möglichkeiten, persönliche Angebote zu wählen – nur etwa 20 % sehen individuelle Wahlmöglichkeiten.
Viele fühlen sich in der Schule wohl, aber es gibt auch Probleme: Über die Hälfte hat Sorgen wegen der Schule, 28 % haben körperliche Beschwerden im Zusammenhang mit der Schule und 14 % fühlen sich ausgeschlossen. Schulen sind wichtige Orte für demokratisches Lernen, etwa um Meinungen zu verstehen und zu diskutieren. Trotzdem fehlt vielen Jugendlichen echte Mitbestimmung: 57 % sagen, dass Entscheidungen ohne sie getroffen werden.
Politik und Gesellschaft: Engagement trifft auf Vertrauensverlust
Das Vertrauen in die Demokratie sinkt:
Waren 2020 noch 70 % zufrieden mit der Demokratie, sind es 2025 nur noch 42 %. Das Interesse an Politik steigt aber leicht auf 49 %. Die meisten Jugendlichen unterstützen demokratische Werte, z.B. Wahlen (82 %) und Kompromisse (81 %). Gleichzeitig sagen 56 %: „eine starke Hand“ sollte für Ordnung sorgen – das zeigt gemischte Meinungen.
Das Vertrauen in Institutionen ist unterschiedlich: Wissenschaft und Bundesheer genießen viel Vertrauen (je 77 %), die Bundesregierung und das Parlament nur 52 %, politische Parteien sogar nur 38 %. Die Haltung zur Vielfalt in der Gesellschaft ist meist positiv, aber es gibt auch Vorbehalte. Diskriminierung erleben vor allem divers geschlechtliche, weibliche, mehrsprachige Jugendliche und Jugendliche mit Behinderung.
Mehrwert für Bildung und Gesellschaft
Die Studie liefert wichtige Informationen für bessere Bildungs- und Jugendpolitik. Sie hilft Schulen, Lehrer:innen, Bildungsbehörden und der Jugendarbeit, die Bedürfnisse von Jugendlichen besser zu verstehen.
Dazu Bildungsminister Christoph Wiederkehr:
„Die Ergebnisse der Jugendstudie sind vielschichtig und umfassend. Sie zeigen, wie reflektiert und zugleich herausgefordert junge Menschen heute sind. Es ist unsere gemeinsame Aufgabe, ihnen nicht nur eine hochwertige Ausbildung zu ermöglichen, sondern auch ihre psychische Gesundheit zu stärken und ihre Mitbestimmung in Schule und Gesellschaft auszubauen. Einen besonderen Fokus möchte ich auf die Demokratiebildung legen, denn dass die Zufriedenheit mit der Demokratie so massiv abgenommen hat, muss für uns alle ein Warnsignal sein. Deshalb ist es so wichtig, dass in den Schulen ein Fokus auf Demokratiebildung gelegt wird.“
Martina Ott, Hochschulprofessorin am Institut für Bildungssoziologie an der PH Vorarlberg, ergänzt:
„Die Ergebnisse der Jugendstudie Lebenswelten 2025 verdeutlichen, dass junge Menschen stark nach Sicherheit in einer als unsicher wahrgenommenen Welt suchen. Sicherheit finden sie dabei in der Familie, bei den Freund:innen und einer möglichst planbaren Zukunft. Es ist wichtig, junge Menschen beim Umgang mit Unsicherheit noch stärker zu unterstützen.“
Nikolaus Janovsky, Rektor der KPH Edith Stein und Stellvertretender Vorsitzender der RÖPH:
„Mit der Jugendstudie Lebenswelten gelingt es den Pädagogischen Hochschulen Österreichs, eine Lücke in der sozial- und Jugendforschung zu schließen und belastbare Daten, der Situation der Jugendlichen in unserem Land zu liefern.“
Weiterführende Informationen finden Sie unter:
www.jugendstudie.at
Rückfragen
Bundesministerium für Bildung
Manfred Kling, Mediensprecher
Telefon: 01/531205034
E-Mail: Manfred.Kling@bmb.gv.at
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