Jänner 2026: Historischer Tiefstand bei Laufwassereinspeisung
In den ersten fünf Wochen des Jahres 2026 war der Stromverbrauch in Österreich wegen des kalten Wetters besonders hoch. Gleichzeitig gab es deutlich weniger Strom aus erneuerbaren Quellen. Deshalb konnte der große Strombedarf im Januar nur gedeckt werden, weil viel Strom aus dem Ausland importiert wurde, alle verfügbaren Gaskraftwerke liefen und Pumpspeicherkraftwerke genutzt wurden.
17,1 Prozent weniger Strom aus erneuerbaren Energiequellen
Wegen der starken Trockenheit und Kälte gab es am 25. Januar mit 27,7 GWh die geringste tägliche Strommenge aus Laufwasserkraft, die je gemessen wurde. Im Vergleich zum Januar 2025 sank die Stromproduktion aus Wasserkraft auf 2.280 GWh, also um 7,2 Prozent. Bei den Photovoltaik-Anlagen gab es wegen einer langen Nebelphase in Ostösterreich und einer um fast 60 Prozent reduzierten Sonneneinstrahlung deutlich weniger Strom als im Vorjahr. Nur die Windkraft konnte zulegen: Besonders in den ersten beiden Januarwochen war viel Wind, sodass die Windstromproduktion um 29,2 Prozent höher war als im Januar 2025.
Gerhard Christiner, Vorstandssprecher von Austrian Power Grid (APG), sagt dazu: „Im Jänner konnten wir die Versorgungssicherheit nur durch Gaskraftwerke und Importe gewährleisten. Wind und Sonne spielten bei der Deckung des Strombedarfs nur eine untergeordnete Rolle. Das zeigt, wie wichtig es ist, ein gut ausgebautes Übertragungsnetz für den Stromimport verfügbar zu haben. Aber auch die Gaskraftwerke sind auf Hochtouren gefahren und haben einen wichtigen Beitrag zur Versorgungssicherheit geleistet. Diese hohe Import-Abhängigkeit Österreichs von bis zu 5.300 MW trotz gleichzeitig hohem Einsatz aller kalorischen Kraftwerke (3.500 MW) belegt einmal mehr die hohe Bedeutung eines leistungsfähigen Stromsystems. Umso wichtiger ist es, das Stromnetz in Abstimmung mit einer gut geplanten Kraftwerks- und Speicherstrategie koordiniert auszubauen.“
Importe sind nötig, um Stromversorgung sicherzustellen
Da die Produktion aus erneuerbaren Energiequellen gering war und gleichzeitig der Stromverbrauch 8,7 Prozent höher als im Vorjahr lag, musste Österreich im Januar erneut viele Stromimporte nutzen. Insgesamt wurden 7.130 GWh Strom aus dem öffentlichen Netz bezogen, also mehr als vor einem Jahr. Das Stromnetz von APG wurde dabei fast an seine Grenzen belastet.
Redispatch ist entscheidend gegen Netzüberlastungen
Um zu verhindern, dass Stromleitungen zu stark belastet werden, wurden auch Gaskraftwerke aus einer Reserve eingesetzt, um den sogenannten Redispatch zu unterstützen. Dabei erhöhen Gaskraftwerke in Österreich ihre Produktion, während gleichzeitig Erzeugungsanlagen in Deutschland weniger Strom erzeugen, damit die Leitungen nicht überlastet werden.
Für diese Maßnahmen entstanden im Januar Kosten von 3,8 Millionen Euro – im Vergleich zu 4,3 Millionen Euro im Januar 2025. Insgesamt waren solche Eingriffe an 26 Tagen notwendig, also fast jeden Tag. Zum Vergleich: Im Januar 2025 war der Redispatch an 21 Tagen nötig. Dies zeigt, wie wichtig eine starke und zuverlässige Strominfrastruktur ist, die solchen Belastungen standhält.
*Diese Zahl beschreibt den Stromverbrauch aus dem öffentlichen Netz in der APG-Region (einschließlich Netzverluste, jedoch ohne den selbst erzeugten und verbrauchten Solarstrom).
Über Austrian Power Grid (APG)
Die Austrian Power Grid (APG) ist ein unabhängiger Übertragungsnetzbetreiber, der für die sichere Stromversorgung in Österreich verantwortlich ist. Mit modernster Technologie und einer leistungsstarken Strominfrastruktur sorgt APG dafür, dass erneuerbare Energien besser ins Netz integriert werden und die Abhängigkeit von Stromimporten sinkt. APG ist auch die Plattform für den Strommarkt und schafft Zugang zu preiswertem Strom. Das Netz von APG erstreckt sich über etwa 3.500 km Leitungen und verbindet 67 Umspannwerke in ganz Österreich, die über die zentrale Steuerung in Wien kontrolliert werden. Das Team von rund 1.000 Expert:innen arbeitet daran, das Netz ständig zu verbessern und den steigenden Anforderungen durch Elektrifizierung von Gesellschaft, Wirtschaft und Industrie gerecht zu werden.
Im Jahr 2025 lag die Versorgungssicherheit dank der engagierten Mitarbeiter:innen bei 99,99 Prozent – damit zählt Österreich weltweit zu den Spitzenreitern. Für das Jahr 2026 plant APG Investitionen von 680 Millionen Euro, um das Stromnetz weiter auszubauen. Insgesamt will APG bis 2034 rund 9 Milliarden Euro in den Netzaus- und Umbau stecken. Diese Investitionen sind ein wichtiger Motor für die Wirtschaft und notwendig, um die Energieziele Österreichs zu erreichen.