ORF-DialogForum: Verbot?
In Australien gibt es schon ein Gesetz, das Social-Media-Nutzung für Kinder unter 16 Jahren verbietet. In Österreich wird jetzt auch darüber gesprochen. Laut einer neuen Umfrage finden acht von zehn Österreichern Social Media gefährlich. Aber warum ist das so? Was sind die Risiken, wenn man zu viel Zeit in sozialen Netzwerken verbringt? Brauchen Jugendliche Verbote oder lieber andere Lösungen? Wie kann man den problematischen Handykonsum reduzieren? Und welche Methoden helfen gegen Hass im Netz und stärken die psychische Gesundheit?
Ingrid Brodnig, die mehrere Bücher geschrieben hat, zum Beispiel „Hass im Netz“, erklärte am Anfang die Gefahren der Algorithmen von Social-Media-Plattformen. Sie sagte: „Es gibt Hinweise, dass die Algorithmen von Social-Media-Plattformen die Spaltung unserer Gesellschaft fördern. Wenn Plattformen wie Twitter, Instagram und TikTok viel Feindseligkeit einblenden, ist die Gefahr, dass die Feindseligkeit in unserer Gesellschaft steigt. Studien deuten darauf hin, dass Algorithmen hier ein Teil des Problems sind.“ Damit meint sie, dass Computerprogramme genau die Inhalte zeigen, die uns länger auf der Plattform halten – oft auch streitbare oder negative Beiträge.
Thomas Lohninger, Chef von „epicenter.works“, hat klare Ideen dagegen. Er sagt: „Wir müssen das Geschäftsmodell dieser sozialen Netzwerke adressieren, das süchtig macht und mit ganz viel Geld darauf ausgelegt ist, unsere Aufmerksamkeit zu halten. Denn die wird an Werbetreibende verkauft. Wir müssen diese Geschäftsmodelle verbieten und bestehende Gesetze wie die Datenschutzgrundverordnung oder den Digital Services Act sowie neue Instrumente der Verbandsklage besser in Österreich einsetzen. Das würde helfen. Ein reines Verbot bei den Jüngsten führt am Ziel vorbei.“ Er meint also, dass es nicht reicht, Kinder einfach auszuschließen, sondern man muss das ganze System hinterfragen.
Matthias Jax, der bei der Organisation „Saferinternet“ arbeitet und Jugendlichen hilft, sicher mit digitalen Medien umzugehen, hält ein Social-Media-Verbot für Jugendliche für sinnvoll. Er erklärt: „Wir versuchen seit 20 Jahren mit dem Thema Medienbildung, Unterstützungsmaßnahmen auf ganz vielen Ebenen, direkt bei den Jugendlichen, in Workshops und bei den Eltern viel voranzubringen, um eine Awareness dafür zu schaffen, was die Auswirkungen von Fake News und Hass im Netz sind. Und es braucht einfach jetzt diesen nächsten Schritt. Es braucht jetzt einmal eine harte Grenze.“ Das heißt, er sieht Verbote als nächsten notwendigen Schritt nach viel Aufklärung.
Oliver Scheibenbogen, klinischer Psychologe am Anton Proksch Institut, hat eine Studie begleitet, die zeigt, wie sehr das Abschalten vom Smartphone hilft. Er berichtet: „Das Weglassen des Smartphones für drei Wochen hat das psychische Wohlbefinden um ungefähr 30 Prozent, also knapp ein Drittel, erhöht.“ Das bedeutet, dass weniger Handynutzung die Stimmung und das Wohlbefinden deutlich verbessern kann.
Aischa Sane, Redakteurin beim Jugend-Radiosender FM4, erzählte von einer ähnlichen Aktion, die ihr Sender zusammen mit der Donau-Universität Krems durchgeführt hat. Dabei ging es darum, täglich unter zwei Stunden Bildschirmzeit zu bleiben. Sie sagt: „Wir bei FM4 haben schon letztes Jahr zusammen mit der Donau-Uni Krems eine Screen-Time-Challenge durchgeführt. Bei dieser Studie haben wir versucht, auf unter zwei Stunden Screentime am Tag zu kommen. Wir haben zudem unsere FM4-Community mobilisiert, von der wir wissen, dass sie sehr viel online unterwegs ist, und aufgerufen, sich an der Challenge zu beteiligen. Die Teilnehmenden haben viel besser geschlafen, fühlten sich weniger gestresst und berichteten von einem höheren mentalen Wohlbefinden.“ Weniger Zeit vor dem Bildschirm bedeutet also mehr Ruhe und Gesundheit.
Golli Marboe, der die „mental health days“ organisiert, hat zum dritten Mal eine Studie dazu gemacht. Er fasst zusammen: „Eine Studie zeigt: Junge Erwachsene, die überdurchschnittlich oft auf sozialen Medien sind, haben mehr Probleme. Die, die überdurchschnittlich oft journalistische Angebote nutzen, sind gesünder. Insofern müssen wir unsere Kinder dazu bringen, journalistische Angebote wie sie der ORF und andere Qualitätsmedien erzeugen, auch zu nutzen.“ Das heißt, nicht alle Online-Inhalte sind schlecht – Nachrichten von guten Quellen sind wichtig für die mentale Gesundheit.
Auch zwei Schülerinnen, Marlene Kaindl und Katharina Suk, waren bei der Diskussion dabei. Sie sagen, dass soziale Netzwerke zwar schöne und inspirierende Sachen bieten können, aber auch negative Seiten haben. Beide finden ein Verbot sinnvoll. Marlene Kaindl meint: „Es ist wichtig, den Inhalt kritisch zu hinterfragen.“ Und Katharina Suk berichtet: „Auf Social Media zu verzichten war eine große Erleichterung und eine wertvolle Erfahrung für mich.“ Sie fühlt sich ohne Social Media besser.
Auf https://zukunft.ORF.at kann man die Studie „Dok 1 – 21 Tage ohne Handy“ anschauen. Die Ergebnisse sind wichtig: Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer hatten weniger depressive Symptome, trafen sich öfter persönlich, entdeckten neue Hobbys und wurden bewusster, wie abhängig sie von digitalen Medien sind.
Das Gespräch wurde von Klaus Unterberger geleitet. Er ist Leiter des Public-Value-Kompetenzzentrums beim ORF.
Das ORF-DialogForum, bei dem die Diskussion stattfand, ist eine Aktion vom ORF. Ziel ist es, den Austausch mit den Menschen in Österreich und verschiedenen Gruppen der Gesellschaft zu fördern.
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