Frauentag 2026: Intersektionale Diskriminierung behinderter Frauen im Arbeitsmarkt bekämpfen
Am Internationalen Frauentag macht die Expertin für Gleichbehandlung von Menschen mit Behinderungen, Mag.a Christine Steger, auf die besondere Lage von Frauen mit Behinderungen aufmerksam. Sie erleben oft mehrere Arten von Diskriminierung gleichzeitig. Diese sogenannten intersektionalen Diskriminierungen entstehen wegen ihres Geschlechts, ihrer Behinderung und oft auch durch andere Faktoren wie Alter, Herkunft oder soziale Situation. Das erschwert Frauen mit Behinderungen besonders den Zugang zum Arbeitsmarkt.
Diskriminierung zeigt sich vom Lernen bis zum Arbeiten
Daten aus Österreich zeigen, dass Benachteiligungen schon in der Schule beginnen. Menschen mit Behinderungen erreichen oft niedrigere Schulabschlüsse als andere. So haben etwa 38 % von ihnen nur den Pflichtschulabschluss, während das in der gesamten Bevölkerung 23,7 % sind. Besonders betroffen sind Frauen mit Behinderungen.
Diese Unterschiede bei der Bildung wirken sich direkt auf die Jobsuche und den Beruf aus. Menschen mit Behinderungen sind viel seltener berufstätig als Menschen ohne Behinderungen. Viele sind auf Pension oder staatliche Unterstützung angewiesen.
Außerdem hat sich die Lage auf dem Arbeitsmarkt zuletzt verschlechtert: Die Arbeitslosigkeit bei Menschen mit Behinderungen ist schneller gestiegen als bei anderen. Anfang 2026 waren über 17.000 Menschen mit Behinderungen arbeitslos, deutlich mehr als im Vorjahr.
„Frauen mit Behinderungen stehen am Arbeitsmarkt häufig vor mehrfachen Hürden,“ sagt Steger. „Geschlechterbezogene Ungleichheiten und Teilhabebarrieren verstärken sich gegenseitig. Wenn wir Gleichstellung ernst nehmen, müssen wir diese intersektionalen Diskriminierungsstrukturen gezielt adressieren.“
Ungleiche Erwerbswege führen zu mehr Armut
Menschen mit Behinderungen sind außerdem öfter arm oder sozial ausgegrenzt. In Österreich sind 21,5 % dieser Gruppe armuts- oder ausgrenzungsgefährdet, während es in der Gesamtbevölkerung 16,2 % sind.
Frauen mit Behinderungen trifft das besonders stark zu. Sie arbeiten oft in Teilzeit, verdienen weniger und haben weniger Chancen auf Aufstieg. Häufig sind ihre Arbeitsplätze nicht barrierefrei oder es fehlen wichtige Hilfen.
Mehr Inklusion und gezielte Politik sind nötig
Viele Maßnahmen für den Arbeitsmarkt betrachten entweder nur das Geschlecht oder die Behinderung, selten aber beides zusammen. Dadurch werden Frauen mit Behinderungen oft übersehen.
Deshalb fordert die Anwältin eine Arbeitsmarktpolitik, die beide Aspekte berücksichtigt und besser auf die Lebenssituation von Frauen mit Behinderungen eingeht. Folgende Vorschläge werden gemacht:
- Langfristige und ausreichende Finanzierung des Ausgleichstaxfonds für Menschen mit Behinderungen, um Programme zur Beschäftigung zu sichern und auszubauen
- Gezielte Beseitigung von Barrieren im Bildungs- und Ausbildungssystem
- Stärkung der staatlichen Gleichbehandlungsstellen, um gegen Diskriminierung vorzugehen
- Mehr Berücksichtigung von Frauen mit Behinderungen in Arbeitsmarktprogrammen und Förderungen
- Einbeziehung von Frauen mit Behinderungen in politische Entscheidungen
Der Internationale Frauentag erinnert uns daran, dass Gleichstellung erst dann erreicht ist, wenn alle Frauen die gleichen Chancen auf Bildung, Arbeit und Selbstbestimmung haben.
„Eine inklusive Arbeitswelt bedeutet, dass niemand aufgrund von Geschlecht oder Behinderungen vom Arbeitsmarkt ausgeschlossen wird,“ sagt Steger. „Frauen mit Behinderungen müssen endlich jene Chancen erhalten, die ihnen zustehen.“