Belvedere 21: Tamuna Sirbiladze. Not Cool but Compelling
In den rund dreißig Jahren ihrer Karriere befragt Tamuna Sirbiladze (1971–2016) so kompromisslos wie beständig die Möglichkeiten von Malerei. Acht Jahre nach ihrem Tod präsentiert das Belvedere die erste umfassende Retrospektive der georgisch-österreichischen Künstlerin, die das gesamte Spektrum ihres künstlerischen Schaffens von Malerei über Zeichnung bis hin zur Installation abbildet.
Generaldirektorin Stella Rollig: In Wien entwickelte die aus Tiflis stammende Tamuna Sirbiladze ihre künstlerische Handschrift, die sich durch einen ausgeprägten expressiven Stil und eine anthropomorphe Bildsprache auszeichnet. Sie hat ein Œuvre hinterlassen, das voller Esprit, Humor und Radikalität im Umgang mit dem malerischen Medium doch immer wieder die Frage nach dem „Was, wäre wenn?“ aufwirft, die unbeantwortet bleiben muss.
Kurator Sergey Harutoonian: Der Ausstellungstitel Not Cool but Compelling (nicht cool, aber zwingend) bezieht sich auf eine gleichnamige Ölstiftzeichnung aus dem Jahr 2011. Er umschreibt treffend, worum es Tamuna Sirbiladze in ihrer Arbeit stets ging, nämlich ihrer Kunstvorstellung eine zwingende Form zu verleihen, ohne sich dabei den ästhetischen Konventionen ihrer Zeit zu fügen.
Von ihren Anfängen an der Akademie der bildenden Künste in Tiflis bis zu ihren letzten Lebensjahren in Wien vollzieht Tamuna Sirbiladze eine bemerkenswerte malerische Entwicklung, die durch ihren frühen Tod im Alter von 45 Jahren jäh beendet wird. Zu einem Zeitpunkt, der tragischerweise auch den Höhepunkt ihrer künstlerischen Schaffenskraft und zugleich ihren internationalen Durchbruch markiert.
Zunächst hauptsächlich figurativ, löst sich Sirbiladzes Bildsprache immer mehr von der gegenständlichen Darstellung in Richtung Abstraktion, um sich zu Beginn der 2000er Jahre – unter anderen Vorzeichen – erneut der Figuration zuzuwenden. Obwohl Sirbiladze konsequent auf das Vorführen ihrer malerischen Virtuosität verzichtet, weswegen sie häufig als Vertreterin des Bad Painting bezeichnet wird, fehlt es ihren brisanten Gemälden nicht an Schönheit und Strahlkraft.
Der menschliche Körper, Sexualität und Verletzlichkeit sind wiederkehrende Themen, die auch in Form einer Selbstbetrachtung (und -befragung) in Sirbiladzes Malerei einfließen. Zugleich ist ihr Werk von einer intensiven Auseinandersetzung mit der klassischen Kunstgeschichte geprägt. In mehreren Serien interpretiert sie ikonische Werke neu und führt mit ungeschönten Darstellungen weiblicher Körper andere Frauenbilder in die Kunst ein.
Not Cool but Compelling präsentiert rund 100 Arbeiten aus allen Werkphasen Tamuna Sirbiladzes, darunter zentrale Gemälde, späte Zeichnungen und eine große Installation, die in Zusammenarbeit mit dem Ehemann der Künstlerin, Franz West, entstanden ist. Die Schau im Belvedere 21 bildet in fünf Kapiteln das Gesamtwerk der Künstlerin chronologisch ab und folgt den roten Fäden, die sich durch ihr Schaffen ziehen.
Ein Ausstellungskatalog mit Beiträgen von Sergey Harutoonian, Sophie von Hellermann, Magdalena Nieslony und Stella Rollig erscheint im April im Verlag der Buchhandlung Walther und Franz König, Köln.
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