Tiroler Tageszeitung, Leitartikel, Ausgabe vom 3. September 2023. Von CHRISTIAN JENTSCH. "Afrika: Europa hat viel gutzumachen". | Brandaktuell - Nachrichten aus allen Bereichen

Tiroler Tageszeitung, Leitartikel, Ausgabe vom 3. September 2023. Von CHRISTIAN JENTSCH. „Afrika: Europa hat viel gutzumachen“.

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Europa droht in Afrika immer weiter ins Hintertreffen zu geraten. Und ist daran auch selbst schuld.

Eine regelrechte Welle von Militärputschen hat die politischen Kräfteverhältnisse in West- und Zentralafrika zuletzt stark verändert. Und die Alarmglocken vor allem in Europa schrillen lassen. Nach den Militärputschen in Mali, Burkina Faso, Niger und Gabun fürchtet Europa um seinen Einfluss und seine Interessen. Besonders Frankreich droht die Vormachtstellung in seinen früheren Kolonien zu verlieren. Frankreich hat zuletzt mit Tausenden Soldaten versucht, die Ausbreitung von Islamistengruppen in den Ländern der Sahelzone zu stoppen. Und ist damit großteils gescheitert. Nun schlägt der früheren Kolonialmacht eine immer feindlichere Stimmung entgegen. 
Europa täte gut daran, die Schuld an dieser Entwicklung nicht nur bei den geostrategischen Gegnern wie China und dem um Einfluss ringenden, vom Westen isolierten Russland zu suchen. Sicher, sowohl China als auch Russland versuchen Europa in Afrika nach Möglichkeit auszubremsen. Der so genannte „Kampf um Afrika“ als ein Kampf um Rohstoffe und geostrategische Partner hat längst wieder begonnen. Und Europa droht ins Hintertreffen zu geraten.
An der Misere ist Europa aber auch selbst schuld. Von einer Begegnung auf Augenhöhe, wie das in politischen Sonntagsreden nun immer wieder betont wird, war und ist wenig zu merken. Afrika dient nicht nur China und Russland als Rohstofflieferant. Während mit den Diktatoren gute Geschäfte gemacht werden, bleibt die Bevölkerung bettelarm und die Umwelt erleidet großen Schaden. So ist Niger mit seinen reichen Uranvorkommen, die Frankreich für seine Atomkraftwerke braucht, weiter einer der ärmsten Staaten der Welt. Und die Gier nach Bodenschätzen hat auch den Kongo ruiniert. Europa hat viel gutzumachen. Und statt einer gemeinsamen Strategie kochen Europas frühere Kolonialmächte ohnehin meist lieber ihr eigenes Süppchen.

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