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Feministische Protestaktion vor dem Stephansdom

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Wien (OTS) – Aktivist:innen fordern Solidarität mit ungewollt Schwangeren in den USA und weltweit
Die Kriminalisierung von Schwangerschaftsabbrüchen tötet – das ist die Message hinter der von feministischen Aktivist:innen durchgeführten Protestaktion vor dem Wiener Stephansdom. Die Performance, welche am 03.07.2022 um 8:30 in der Früh stattfand, ist eine Antwort auf den Sturz von Roe vs. Wade in den USA sowie die Beschneidung reproduktiver Rechte im Allgemeinen.

Für die Performance versammelten sich rund 18 Aktivist:innen am Stephansplatz, es wurden Flyer verteilt und über einen Lautsprecher Reden abgespielt. Elf Aktivist:innen legten sich mit Kunstblut angemalt und von Kleiderbügeln umgeben vor dem Dom auf den Boden -eine Anspielung auf unsachgemäß und privat durchgeführte Methoden zur Beendigung von Schwangerschaften. Diese Methoden sind jedoch nicht nur unsicher, sondern können auch tödlich enden. Weltweit erfolgt einer von acht Todesfällen im Kontext einer Schwangerschaft, durch deren unsicheren Abbruch (International Journal of Gynecology & Obstetrics: Ahman & Shah, 2011).

Das geschieht, obwohl professionell durchgeführte Schwangerschaftsabbrüche eine der sichersten medizinischen Eingriffe sind – sogar sicherer als Geburten selbst (International Journal of Gynecology & Obstetrics: Raymond & Grimes, 2012). Todesfälle durch unsichere Abtreibung sind laut den Aktivist:innen also völlig grundlos und verhinderbar. Nicht zu verhindern hingegen wären Abtreibungen selbst, da diese durch ihre Kriminalisierung eben nicht weniger werden, sondern nur tödlicher (The Lancet Global Health:
Bearak et al., 2020). Im Falle von Roe vs. Wade sprechen die Aktivist:innen deshalb von staatlich abgesicherten Feminiziden. Frauen, trans- und genderqueere Personen werden durch diese Gesetze systematisch ihrer körperlichen Selbstbestimmung beraubt – das mögliche Versterben durch eine unsichere Abtreibung wird einfach in Kauf genommen.

Doch nicht nur die USA werden für ihre gefährliche Politik kritisiert, sondern auch Österreich. Hier sind Schwangerschaftsabbrüche laut § 96 StGB noch immer illegal und nur straffrei, insofern sie unter bestimmten Voraussetzungen durchgeführt werden (§ 97 und § 98 StGB). Zudem erschweren es Hürden wie die privat zu zahlenden Kosten von mehreren hundert Euro und aufgrund der schlechten Versorgungslage teils weite Reisen die Situation. Die Aktivist:innen fordern hingegen ein umfassendes Recht auf körperliche Selbstbestimmung. Die Entscheidung, ein Kind auszutragen oder nicht, gehöre hier dazu und dürfe nicht staatlich bestimmt werden. Sie fordern dementsprechend die Tilgung von Schwangerschaftsabbrüchen aus dem Strafgesetzbuch sowie den Ausbau einer Infrastruktur für zugängliche, von den Krankenkassen gedeckte, professionelle Abbrüche.

Weiters wird vor der selbsternannten „Pro-Life“-Bewegung als einem gefährlichen Schmelztiegel für antifeministische, rassistische, antisemitische, christlich-fundamentalistische und queer-feindliche Positionen gewarnt. In Wien findet bspw. mit dem „Marsch für die Familie“, ein jährlicher Protest gegen die Regenbogenpara-de, also LGBTQ* Rechte, sowie für ein Verbot aller Schwangerschaftsabbrüchen statt. Darauf gibt es aus Wien eine klare feministische Antwort: Als Reaktion geht der „Marsch fürn Arsch“ für das Recht auf körperliche Selbstbestimmung auf die Straße
([https://marschfuernarsch.noblogs.org/]
(https://marschfuernarsch.noblogs.org/)).

Daran anschließend äußerte sich eine der Aktivist:innen während der Performance: “Wir solidarisieren uns mit den Betroffenen und den weltweiten Kämpfen für reproduktive Selbstbestimmung und für die Entkriminalisierung von Schwangerschaftsabbrüchen. Jede schwangere Person hat das Recht zu entscheiden, ob sie eine Schwangerschaft austragen kann bzw. will! Wir werden niemals staatlich abgesicherte Feminizide unterstützen. Denn es wären unsere Tode, die darauffolgen würden.“

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