BELVEDERE: Talking Heads. Zeitgenössische Dialoge mit F. X. Messerschmidt | Brandaktuell - Nachrichten aus allen Bereichen

BELVEDERE: Talking Heads. Zeitgenössische Dialoge mit F. X. Messerschmidt

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Wien (OTS) – Bis heute fasziniert die Darstellung psychischer Extremsituationen in den berühmten „Charakterköpfen“ von Franz Xaver Messerschmidt. Ausgehend von diesen Meisterwerken des Barock fokussiert die Ausstellung auf den Kopf als Motiv in der Kunst. Wie sieht „Kopfarbeit“ bei Tony Oursler, Douglas Gordon, Arnulf Rainer, Maria Lassnig oder Bruce Nauman aus? Und was hat in Zeiten von „Face“book, Selfies und Schönheitswahn neben der puren Oberfläche des Gesichts noch Bestand

Messerschmidts barocke Skulpturen gehören zu den Highlights der Belvedere Sammlung.

Generaldirektorin Stella Rollig: Der starke Ausdruck jedes einzelnen dieser Köpfe fasziniert seit Jahrhunderten immer wieder neu. Das Publikum liebt die bizarren Darstellungen, während Künstlerinnen und Künstler sich von ihren psychologischen Implikationen herausfordern lassen. Was dabei entsteht ist von erstaunlicher Aktualität und Vielfalt.

In einem abwechslungsreichen Ausstellungsparcours werden die Büsten in multimedialen Dialog mit zehn Positionen der Gegenwartskunst gesetzt. Die künstlerischen Medien reichen von Malerei und Skulptur bis hin zu Film beziehungsweise Video oder Fotografie. Der Titel Talking Heads verweist auf die enge Verbindung von Kopf/Gehirn, Sprache und Bild. Die Schau wirft Fragen nach Kategorien wie Psyche, Wahrnehmung und (Selbst-)Bespiegelung auf. Es geht um die Darstellung von Verzerrungen, Transformationen und Bewegungen von Köpfen über die reine Oberfläche des Gesichts hinaus.

Kurator der Ausstellung Axel Köhne: In der Ausstellung steht der Kopf als eigenständiges ästhetisches Motiv und Material im Mittelpunkt. Die Künstler_innen setzen hier häufig ihren eigenen Kopf ein und arbeiten performativ mit ihm. Reine Kopfsache!

Franz Xaver Messerschmidts insgesamt circa 69 „Köpf-Stückhe“, später „Charakterköpfe“ genannt, entstanden in den Jahren von 1770/71 bis 1783, zur Zeit der aufkeimenden Aufklärung. Die Belvedere Sammlung umfasst 16 der berühmten Skulpturen, zwölf davon sind in der Ausstellung zu sehen. Ihnen gegenübergestellt sind „Kopfarbeiten“ des 20. und 21. Jahrhunderts, in denen Künstler_innen direkt oder indirekt in einen Dialog mit Messerschmidt treten. Arnulf Rainer und aktuell Mara Mattuschka referenzieren oder überarbeiten die Messerschmidt-Köpfe konkret. Daneben werden andere, originäre Zugänge zum Kopf als Motiv gezeigt. Etwa jener von Lutz Mommartz, der in seinem filmischen Porträt der Künstlerpersönlichkeit Joseph Beuys Selbst- und Fremdwahrnehmung hinterfragt. Eine weitere Dichotomie, die etwa bei Anna Artaker oder Arnulf Rainer in Form von Totenmasken gezeigt wird, ist die gleichzeitige An- und Abwesenheit des Menschen. Über den Einfluss gegenwärtiger gewaltvoller Geschehnisse reflektiert Miriam Cahn in ihren drastischen Kopfbildern. Das gesprochene und geschriebene Wort als menschliche und theatralische Ausdrucksform zeigt Tony Oursler mit seinen teils humorvollen Kopfprojektionen. Douglas Gordon und Bruce Nauman arbeiten in ihren gleichermaßen konzeptuellen wie radikalen Videoarbeiten mit dem eigenen Kopf.

Angesichts der großen Bedeutung des Gesichts in unserer Gesellschaft weist die Ausstellung eindrucksvoll darauf hin, dass der Mensch erst durch die Leistungen des Gehirns zu einem denkenden, sprechenden und erkennenden Individuum wird. Bewusst vollzieht sie eine Trennung der Motive Gesicht und Kopf und präsentiert zeitgenössische Versionen der talking heads.

Neben den ausgewählten zwölf „Charakterköpfen“ von Franz Xaver Messerschmidt sind circa fünfzig Werke von Anna Artaker, Miriam Cahn, Douglas Gordon, Kurt Kren, Maria Lassnig, Mara Mattuschka, Lutz Mommartz, Bruce Nauman, Tony Oursler und Arnulf Rainer zu sehen.

Nähere Informationen und Pressefotos finden Sie [HIER] (https://bit.ly/2UmBABL).

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