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Konjunktur wieder auf Talfahrt

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St. Pölten-Interradlberg (OTS) – Das IV-NÖ Konjunkturbarometer – als Mittelwert aus der Beurteilung der gegenwärtigen und zukünftigen Geschäftsentwicklung – ist seit dem zweiten Quartal 2018 von +29,2 auf +18,8 Punkte gesunken. „Der konjunkturelle Höhenflug ist für heuer vorbei. Unternehmen sind vor allem bei ihrer Produktionstätigkeit in den nächsten drei Monaten skeptisch. Die Auftragsbücher sind zwar noch relativ gut gefüllt, bei neuen Aufträgen merken die Betriebe allerdings eine deutliche Abkühlung“, so Thomas Salzer, Präsident der Industriellenvereinigung Niederösterreich (IV-NÖ) bei einer Pressekonferenz bei der Sunpor Kunststoff GmbH in St. Pölten-Unterradlberg.

ZT: Handelskonflikte und BREXIT sorgen für Verunsicherung

Die Detailergebnisse zeigen, dass die Unternehmen bei ihren Prognosen skeptisch sind. Zu den Gründen dafür zählen neben dem Fachkräftemangel auch weiterhin die internationalen Handelskonflikte, die für Verunsicherung sorgen. Erstmals wurde auch abgefragt, wie sich der bevorstehende BREXIT auf das Unternehmen auswirken werde. Der Großteil (61,8 %) rechnet zwar mit geringen oder gar keinen (23,5 %) Auswirkungen, allerdings gab mehr als jedes zehnte befragte Unternehmen aus Niederösterreich an, vom BREXIT stark (8,8 %) oder gar sehr stark (2,9%) betroffen zu sein. „Im Vorjahr sind die niederösterreichischen Exporte nach Großbritannien leicht gesunken, auch für heuer erwarten wir – wenig überraschend – keine positive Dynamik“, erklärt Michaela Roither, Geschäftsführerin der IV-NÖ.

ZT: Fachkräftemangel spitzt sich weiter zu

Getrübte Stimmung herrscht auch bei den Einschätzungen rund um Produktion und Beschäftigung. Nur acht Prozent der befragten Unternehmen gehen davon aus, in den nächsten drei Monaten ihren Beschäftigtenstand zu erhöhen, gleichzeitig glaubt aber auch nahezu ein Drittel (32%), in den nächsten drei Monaten weniger Personal zu beschäftigen. Der Großteil, nämlich 59 Prozent, rechnet mit einem gleichbleibenden Beschäftigtenstand in drei Monaten. Unterm Strich sank der Bewertungssaldo seit dem zweiten Quartal jedoch von +0 Punkten auf nunmehr -24 Punkte im dritten Quartal.
Einhergehend werden auch die Produktionstätigkeit in den nächsten drei Monaten (Saldo sank von +10 auf -16) sowie die Produktionskapazität in den nächsten drei Monaten (Saldo sank von +12 auf -16) deutlich negativer eingeschätzt als es noch im zweiten Quartal der Fall war. Auch bei den Verkaufspreisen in den nächsten drei Monaten hat sich die Stimmung eingetrübt: Hier sank der Saldo von +4 auf -7 Punkte. Mehr als zwei Drittel der Unternehmen (69%) rechnen in den nächsten drei Monaten mit gleichbleibenden Verkaufs-preisen, etwa jedes fünfte Unternehmen (19%) mit fallenden Preisen. „Das bedeutet, dass sich der aktuell vorherrschende Kostendruck für Produktionsbetrieben weiter verschärfen wird“, so Roither.

„Aufgrund der negativen Preisentwicklung und aufgrund der schlechteren konjunkturellen Entwicklung sind die aktuellen Lohnforderungen völlig überzogen. Vielmehr sollten die Verhandlungspartner die gesamtpolitische Verantwortung nicht aus den Augen verlieren. Im Mittelpunkt des Interesses muss ein vernünftiges und faires Ergebnis stehen, das es Betrieben und Beschäftigten ermöglicht, auch weiterhin im internationalen Wettbewerb mithalten zu können“, ergänzt IV-NÖ-Präsident Salzer bezugnehmend auf die aktuell laufenden Metall-Lohnrunden.

Weniger drastisch verschlechtert haben sich die Teilergebnisse rund um Geschäfts- und Auftragslage: Mit der aktuellen Geschäftslage ist zwar der Großteil der Unternehmen (59%) zufrieden, insgesamt sank der Saldo aber dennoch von +74 auf +51 Punkte. Beim aktuellen Auftragsbestand verringerte sich der Saldo von +74 auf +60 Punkte, bei den Auslandsaufträgen sank der Wert von +63 auf +56 Punkte.
Die Einschätzungen zur Geschäftslage in sechs Monaten haben sich zwar leicht verbessert, mit einem Saldo von -14 Punkten (statt zuvor -16) gibt es immer noch einen Überhang jener Unternehmen, die die Geschäftslage im nächsten halben Jahr als schlecht einschätzen. Auch die Einschätzungen zur Ertragsituation in sechs Monaten sind verhalten: Hier kletterte der Saldo von -11 Punkten nur langsam auf -3 Punkte.
Leichte Steigerungen gab es bei den Ergebnissen zur derzeitigen Ertragsituation: Hier stieg der Saldo von +25 auf +29. Der größte Teil der befragten Unternehmen (45%) beurteilte die aktuelle Ertragsituation als „gut“, nur 16 Prozent zeigten sich hier unzufrieden. „Hier macht sich noch die positive Stimmung seit Jahresbeginn bemerkbar. Insgesamt befindet sich die Konjunktur im Moment aber auf Talfahrt, und für 2019 erwarten wir ein geringeres Wachstumstempo als heuer. Daher müssen dringend notwendige Reformen – etwa im Be-reich Bürokratieabbau und Bekämpfung des Fachkräftemangels – möglichst rasch umgesetzt werden“, appelliert IV-NÖ Präsident Thomas Salzer.

Befragungsmethode:

Bei der Befragung, die die IV-NÖ quartalsweise in Auftrag gibt, haben dieses Mal 34 Unternehmen mit insgesamt 16.625 Beschäftigten teilgenommen. Der Befragungszeitraum umfasste den 6. September bis 4. Oktober 2018.
Bei der Konjunkturumfrage der IV kommt die folgende Methode zur Anwendung: Den Unternehmen werden drei Antwortmöglichkeiten vorgelegt: positiv, neutral und negativ. Errechnet werden die (beschäftigungsgewichteten) Prozentanteile dieser Antwortkategorien, danach wird der konjunktursensible „Saldo“ aus den Prozentanteilen positiver und negativer Antworten unter Vernachlässigung der neutralen gebildet. Diese Werte werden auch für die grafische Darstellung Ergebnisse herangezogen.

Grafiken und Pressefotos unter: niederoesterreich.iv.at/de/presse

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