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Finanzen

Osteuropa soll 2026 deutlich stärker wachsen als die Eurozone

Prognosen zeigen für 2026 stärkeres Wachstum in Osteuropa als in der Eurozone – mit Einordnung zu Inflation, Investitionen und Konvergenz.

Die Wirtschaft in den EU-Ländern Ost- und Mitteleuropas dürfte auch 2026 schneller wachsen als jene der Eurozone. Das Wiener Institut für Internationale Wirtschaftsvergleiche (wiiw) erwartet für die Region ein Wachstum von 2,3 Prozent. Für viele Leserinnen und Leser ist das vor allem deshalb interessant, weil sich hier ein längerfristiger Trend zeigt: Viele Staaten in Osteuropa holen wirtschaftlich weiter auf.

Wirtschaftliche Entwicklung in Osteuropa

Zum Vergleich: Die Eurozone wächst seit Jahren deutlich langsamer. Dafür gibt es mehrere Gründe. Einerseits bremsen in vielen westlichen Ländern hohe Zinsen, teure Energie und eine schwächere Industrieproduktion. Andererseits profitieren Teile Osteuropas von einer stärkeren Binnenkonjunktur, von EU-Fördergeldern und von Aufholeffekten nach den wirtschaftlichen Umbrüchen der vergangenen Jahrzehnte. Fachleute sprechen hier oft von Konvergenz – also dem wirtschaftlichen Annähern ärmerer an reichere Regionen.

Wichtige Treiber sind laut Ökonomen Investitionen, steigende Reallöhne und eine verbesserte Produktivität. Gerade die Produktivität gilt als Schlüsselbegriff: Sie beschreibt, wie viel Wertschöpfung mit einer bestimmten Menge an Arbeit und Kapital erzeugt wird. Wenn sie steigt, kann eine Wirtschaft oft nachhaltiger wachsen. Gleichzeitig bleibt die Lage nicht überall gleich. Unterschiede zwischen Ländern wie Polen, Tschechien, Ungarn, Rumänien oder Bulgarien sind weiterhin groß, ebenso bei Inflation, Staatsfinanzen und Fachkräftemangel.

Ein weiterer Faktor ist der Export. Viele Länder der Region sind eng in europäische Lieferketten eingebunden und profitieren davon, wenn sich die Industrie in der EU erholt. Zudem stärken ausländische Direktinvestitionen den Standort – etwa in der Autozulieferung, Elektronik oder im Dienstleistungssektor. Für Maturanten und Schülerinnen ebenso wie für Pensionisten ist dabei spannend: Wirtschaftswachstum ist nicht nur eine Zahl im Kalenderblatt. Es wirkt sich auf Jobs, Löhne, Preise, Pensionen und die Finanzierung öffentlicher Leistungen aus.

Auch die Geldpolitik spielt eine Rolle. Sinkende Inflationsraten können Spielraum für lockerere Zinspolitik schaffen, was Investitionen erleichtert. Bleibt die Inflation jedoch hartnäckig, kann das Wachstum schnell an Schwung verlieren. Deshalb sind Prognosen immer mit Vorsicht zu lesen: Sie zeigen eine wahrscheinlichere Entwicklung, aber keine Garantie.

Unterm Strich spricht derzeit vieles dafür, dass Osteuropa 2026 erneut dynamischer bleibt als die Eurozone. Das bedeutet nicht automatisch, dass dort alles problemlos läuft. Aber es zeigt, dass die wirtschaftliche Aufholbewegung der Region weiterhin ein zentraler Faktor für Europa ist.