Wien (OTS) – Der von Peter Schneeberger präsentierte „kulturMontag“ am 22. Jänner 2024 um 22.30 Uhr in ORF 2 befasst sich zunächst mit dem jüngsten Kinofilm „Persona Non Grata“ von Antonin Svoboda, der einen an die Geschichte der ehemaligen österreichischen Skirennläuferin Nicola Werdenigg angelehnten Missbrauchsfall erzählt. Dazu sind Hauptdarstellerin Gerti Drassl und Nicola Werdenigg live im Studio. Weiters beleuchtet die Sendung anlässlich des 100. Lenin-Todestags sowie neu erschienener Literatur das politische Vermächtnis des fanatischen russischen Revolutionärs, das durch Russlands Angriff auf die Ukraine wieder in den Blickpunkt der Öffentlichkeit gerückt ist. Außerdem ist in Erwartung einer neuen Bildungsgesetzesnovelle die Bedeutung des Kunstunterrichts an Österreichs Schulen u. a. Thema der Sendung.
Anschließend an das Magazin zeigt ORF 2 mit der von Madlene Feyrer und Tatjana Berlakovich gestalteten Produktion „,Kultur ist das neue Salz‘ – Die Kulturhauptstadt Europas Bad Ischl Salzkammergut 2024“ (23.25 Uhr, ORF 2) die Highlights des großen Eröffnungsevents des vergangenen Wochenendes aus Bad Ischl, an dem u. a. Hubert von Goisern, Conchita alias Tom Neuwirth sowie die Tänzerin und Choreografin Doris Uhlich mitwirk(t)en. Dazwischen geben die verantwortliche künstlerische Leiterin Elisabeth Schweeger, federführende Kuratorinnen und Kuratoren sowie Künstler:innen Einblick in Planung und Ausrichtung des mehrmonatigen Kulturhauptstadt-Großprojekts. Die feierliche Eröffnung überträgt ORF III am Samstag, dem 20. Jänner, live-zeitversetzt um 17.30 Uhr.
Eine couragierte Frau – Nicola Werdniggs Kampf gegen Missbrauch im Kinofilm „Persona Non Grata“
Ihre Enthüllungen haben im österreichischen Skizirkus hohe Wellen geschlagen und hierzulande die #MeToo-Bewegung in Gang gesetzt. Die ehemalige Ski-Abfahrtsmeisterin Nicola Werdenigg berichtete 2017 in einer Tageszeitung von strukturellem Machtmissbrauch und sexueller Gewalt im alpinen Skisport. Auslöser dafür war ein Artikel über einen übergriffigen Volleyballtrainer, der die Ex-Skirennläuferin dazu bewog, ihre eigenen Erfahrungen aus den 1970er Jahren öffentlich zu machen. Die heute 65-jährige Innsbruckerin schilderte das Aufwachsen in einer ehrgeizigen Skidynastie, ihre Zeit im Skiinternat, der dortigen sexualisierten Atmosphäre, angeheizt durch einen pädokriminellen Heimleiter, auch ihre eigene Vergewaltigung kurz nach einem Weltcuprennen. Werdenigg wurde mit Klagen bedroht, von unterschiedlichen Seiten wurde sie der Lüge bezichtigt. Später wurden ihre Aussagen über die vorhandene sexuelle Gewalt, vor allem beim Skinachwuchs, durch eine Tiroler Expertenkommission bestätigt. Es meldeten sich weitere Betroffene, mehrere Missbrauchsfälle wurden bekannt. Entlassungen im Skiverband und rechtskräftige Verurteilungen folgten. Auch heute engagiert sich die Tirolerin weiter für die Themen. Nicola Werdeniggs Geschichte bringt der österreichische Regisseur Antonin Svoboda nun in seinem jüngsten, von ORF im Rahmen des Film/Fernseh-Abkommens unterstützten Werk „Persona Non Grata“ mit Gerti Drassl in der Hauptrolle ab 26. Jänner in die heimischen Kinos. Nicola Werdingg und Schauspielerin Gerti Drassl sind live zu Gast im Studio.
Ein fanatischer Revolutionär – Zum 100. Todestag von Lenin
Er war scharfzüngig und radikal in seinen Positionen, nüchtern und gefühlskalt in seinen Strategien: Wladimir Iljitsch Uljanow, besser bekannt unter seinem Kampfnamen Lenin – marxistischer Theoretiker, Revolutionär, Gründer der Sowjetunion, des größten Staates der Erde, der den Menschen eine helle Zukunft versprach, aber Gewalt und Unterdrückung brachte und nach 70 Jahren im Chaos versank. Gewalt und Terror waren von Anfang an fixe Bestandteile seiner Vorstellung von Machtausübung. Seine Prioritäten galten nicht den leidenden Menschen, sondern einer Politik, die weder nach Moral noch nach Mitgefühl fragte. Mit Putins Angriffskrieg auf die Ukraine rückt Lenins politisches Vermächtnis wieder in den Blickpunkt der Öffentlichkeit. Seine Politik, in seiner Heimat fast vergessen, diente im Februar 2022 dem russischen Präsidenten plötzlich als Kriegsbegründung. Er behauptete, erst Lenin und die Bolschewiki haben den ukrainischen Staat geschaffen. Die unabhängige Ukraine – für Putin ein Verrat Lenins. Im Vorfeld dessen 100. Todestags Ende Jänner hat das österreichische Historiker-Duo Verena Moritz und Hannes Leidinger mit der neuen Biografie „Lenin“ eine Neubewertung unternommen und auch Bestseller-Autor Michael Köhlmeier lässt den fanatischen Revolutionär in seinem neuen Roman „Das Philosophenschiff“ wieder auferstehen. Wer war dieser Mann, der vom Visionär zum Diktator wurde, die Weltgeschichte so maßgeblich beeinflusste und offenbar eine Zündschnur bis in die Gegenwart gelegt hat? Dazu ORF-Korrespondentin Carola Schneider live im Schaltgespräch aus Moskau.
Kunst, Kultur und Kreativität – Quo vadis Kunstunterricht?
Wenn wir über die Schule sprechen, geht es meistens um schlechte PISA-Ergebnisse, um fehlendes Geld für die Digitalisierung der Bildungseinrichtungen und um Lehrermangel. Die Regierung wirbt um Quereinsteiger:innen und immer früher werden Studierende noch lange vor ihrem Abschluss in die Klassen geschickt. Das soll nun durch eine Gesetzesnovelle neu geregelt werden: Zum einen wird das Lehramtsstudium für die Sekundarstufe um ein Jahr verkürzt, zum anderen sollen sogenannte Schutzfunktionen für Junglehrer:innen eingeführt werden. Sie sollen nach dem Bachelor maximal eine halbe Lehrverpflichtung erhalten, keine Klassenvorstandsfunktion übernehmen und keinen fachfremden Unterricht erteilen müssen. Außerdem wird die Induktionsphase, also die begleitete Startphase im Beruf, für das berufsbegleitende Masterstudium angerechnet. Die Begutachtungsfrist für das Gesetzespaket endet Mitte Februar. Die Probleme an Österreichs Schulen betreffen nicht nur die sogenannten Hauptfächer, auch in den kreativen Unterrichtsgegenständen gibt es viel zu wenig ausgebildete Lehrkräfte. Welchen Platz haben in diesem Diskurs die sogenannten musischen Fächer? Warum ist es in einer zunehmend digitalisierten Welt wichtig, Kindern Kunst zu vermitteln und sie selbst kreativ tätig sein zu lassen? Der „kulturMontag“ geht diesen Fragen nach und besucht die Kunstuniversität Linz sowie den Kunstunterricht in Mittelschulen und im Gymnasium.
Doku „Kultur ist das neue Salz – Auftakt zum Kulturhauptstadtjahr“ (23.25 Uhr)
Wenn am Samstag, dem 20. Jänner, ein Chor von 1.000 Stimmen zum Jodler ansetzt, wird im Kurpark der Bannerstadt Bad Ischl die Kulturhauptstadt 2024 feierlich eröffnet. Erstmals in der Geschichte wird einer ländlichen alpinen Region dieser begehrte Titel zuteil. Insgesamt 23 Gemeinden aus zwei Bundesländern mit unterschiedlicher Bevölkerungsstruktur und Prägung wie etwa Tourismus, Industrie und Landwirtschaft sind daran beteiligt. Nicht einfach unter einen Hut zu bringen.
Das Salzkammergut, eine Region reich an Historie und Kultur, die sich stets durch Themen wie Postkartenidylle, Sommerfrische, k.u.k.-Nostalgie und UNESCO-Weltkulturerbe der Welt präsentiert, begibt sich nun auf die Suche nach seiner kulturellen Identität in Gegenwart und Zukunft. Ein Raum für Ideen, Reflexion und Austausch wird geschaffen und der kritische Diskurs entfacht. Eigenarten, Traditionen und Sichtweisen aufgezeigt, geteilt, hinterfragt und im besten Falle erweitert. Das Gemeinsame wird über das Trennende gestellt und zum Modell für die Europäische Union.
Der Eröffnungsreigen konfrontiert die Gegenwart mit regionalen Traditionen wie dem Jodler, der Tracht und dem Vogelfang – exemplarisch für unterschiedliche künstlerische Interventionen, die sich im Laufe des Jahres immer wieder im Programm finden lassen.
Mit dabei Lokalmatador Hubert von Goisern, Eurovision-Song-Contest-Gewinner Tom Neuwirth aka Conchita und die Performancekünstlerin Doris Uhlich. Das künstlerische Potenzial dieser Region wird gezeigt, ein Bewusstsein geschaffen, eine Gesellschaft für die Gegenwart gebildet. Ein behutsames Rückwärtsschauen auf Tradition und Brauchtum ermöglicht ein kluges und bedachtes Gestalten der Zukunft einer Region für Jung und Alt.
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